Nach dem letzten Frühstück in der Lodge und einem kurzen Gespräch mit Elier, weil ich noch heute in Lima einen Arzt konsultieren will – heute sind mir dann doch vor Schmerzen Tränen gekommen – geht es um acht los, beinahe ohne Elier, der als einziger nicht pünktlich ist. Ich habe es bemerkt, die anderen erst, als das Boot schon abgelegt hatte. Großes Lachen auf allen Seiten, insbesondere Lucho freut sich im anderen Boot…
Nun folgt der umgekehrte Weg zurück zum Flughafen von Puerto Maldonado: 1,5 h Bootstour, 1 h Busfahrt, Umpacken im Office und mit Tippings dort von den Local Guides Verabschieden, auf dem stickigen Flughafen auf den verspäteten Flug nach Lima via Cusco warten. Endlich geht es nach meinem Abschied von Lucho kurz mal in die Lüfte, dann aber gleich wieder bei Regen (!) hinunter nach Cusco. Und dann weiter nach Lima… Es ist anstrengend und schmerzhaft, zumal beim Aufsetzen meines Rucksackes. Um kurz nach 6 Uhr kommen wir wieder im Lima Wasi Hotel an und checken ein. Elier drängt mich zur Eile, damit wir erst noch die Laundry (Jasmin, Luzius und ich benötigen diese), dann das Krankenhaus und dann um 8 Uhr das Treffen der Gruppe für den letzten gemeinsamen Abend schaffen. Er ist ungeduldig und etwas sauer, da ich länger als 5min brauche – aber ich mußte meine Klamotten wechseln. Er hetzt mit uns zur Laundry, organisiert dort und uns dann ein Taxi, wobei uns drei Taxifahrer nicht mitnehmen wollten. Im Krankenhaus „Good Hope“ – von außen recht schnieke – fragt er sich durch. Ich komme mir wie bei Asterix im Irrenhaus vor, weil wir ständig weiter verwiesen werden. Ich wäre gleich zur Notaufnahme gegangen, aber er scheint noch keine so große Übung bei so etwas zu haben. Dort landen wir im Endeffekt nämlich auch, wo er mir „gesteht“, daß er Krankenhäuser haßt. Fast sofort nach meiner Paßabgabe werde ich hinein gerufen, er soll draußen bleiben, die Ärzte könnten englisch. Haha, lange nicht so gut gelacht… Aber ich radebreche mich durch und verstehe auch so ziemlich alles, nur was da gesagt wird, ist so unheimlich, daß ich auf Elis Anwesenheit bestehe. Die Ärztin behauptet, ich hätte eine Sepsis und müßte mind. 5 Tage mit drei Infusionen pro Tag dort bleiben. Eine Welt bricht zusammen – ich wollte doch morgen nach Quito und dann auf die Galapagosinseln … Elier und ich besprechen die Optionen und entscheiden, daß ich nicht bleiben, sondern es morgen nochmal in Quito versuchen werde. Zur Entlassung auf eigene Gefahr (mit Antibiotika und Schmerzmitteln, nur nach Farben voneinander unterscheidbar, ausgestattet) muß ich nicht nur unterschreiben, sondern auch einen Fingerabdruck abgeben. Noch skurriler ist jedoch, daß dies auch alles Eli machen muß. (Draußen erfahre ich zwei Dinge: Die Krankenhäuser Perus würden immer auf „Patientenfang“ sein, das wüßten alle und es sei ja auch ihr Job, deswegen habe er mir geraten, nicht zubleiben, und er habe unterschreiben müssen, weil er mich hingebracht habe. Schon alles seltsam!) Im Taxi schüttelt mich nochmals die Panik wegen dieser Diagnose und er tröstet mich. Schnell obsiegt mein Sarkasmus und ich erinnere ihn: „You remember, I told you, I’m a troublemaker.“ Da muß er lachen und meint, er erinnere sich, allerdings träfen solche Aussagen normalerweise nicht zu. Ich sei da wohl eine Ausnahme! –
Im Hotel angekommen einigen wir uns darauf, daß ich mit zum Essen gehe, fast gleichzeitig werde ich in eines der Zimmer gezogen, immer noch ziemlich verheult, und soll schnell was auf ein Präsent für Eli schreiben, das die anderen vorbereitet haben. Nur fühle ich mich echt nicht in der Lage dazu und diese dämliche Diagnose platzt aus mir heraus. Ich heule wieder, da ich einfach unter Schock stehe. Außer bei den Schweizern aber kein Mitgefühl. Dann brechen wir auf, lesen auf dem Weg noch Jasmin und Luzius auf, die meine Wäsche für mich abgeholt haben, und kehren in ein bekanntes Restaurant in Miraflores ein. Hier kommt es zu einem Eklat mit dieser dumm-dreisten Deutschen, die mir erklärt, ich solle mich mal beherrschen und nicht so eine Fresse ziehen. Ich gehe daraufhin nach draußen, um mich abzuregen und zu telefonieren. Es ist 4 oder 5 Uhr morgens in Deutschland und doch kommt mein „Hilferuf“ an. Nach dem Gespräch bin ich ruhiger, kehre an meinen Platz zurück, erlebe die Abschiedsrede und die Geschenkübergabe (14 Snickers mit Botschaften von jedem Einzelnen und vier Fotos von Elier mit Texten von allen außer mir und einem Gruppenfoto ohne mich) und versuche, mich in das Gespräch zwischen Elier, Bailley und anderen einzubringen. Der Abend zieht sich, wir gehen zum Hotel zurück und ich habe noch ein längeres Gespräch mit Esther, von der ich mich eigentlich nur verabschieden wollte – im Gegensatz zu anderen. Warum soll ich mich von Leuten verabschieden, die mich nicht kennen gelernt haben und schlecht über mich sprechen? Und von den anderen? Die Schweizer werden mich nach Quito begleiten, so bleiben nur Esther und Cheryl, von denen ich endgültig kurz vor sieben vor der Weiterreise Abschied nehme.







