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"Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, die die Welt nie angeschaut haben." – A. v. Humboldt

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Ab in den Dschungel … (5.8.2014)

Posted on August 5, 2014Juni 3, 2026 by hobbit

Unser Flug (Cusco – Puerto Maldonado) geht um zehn! Also verlasse ich vorher noch kurz das Hotel und speise auswärts im Cafe, das wir an unserem ersten Tag in Cusco aufgesucht haben. Dort gibt es einen Muffin, einen Croissant und eine Chocolate caliente. Beim Gedanken an das Frühstück in dem Hotel wurde mir immer schlecht, als wenn mein Magen genau wüßte, daß vom Ei dort meine Infektion herrührte. Also habe ich dort seit dem ersten Morgen nicht mehr gefrühstückt… Im Cafe laufen mir dann Esther und Cheryl über den Weg, die noch schnell zu einem bestimmten Keramikladen wollen. Ich bleibe sitzen und formuliere schriftlich, was ich zu Eli sagen will, weil ich ganz dringend mit ihm sprechen muß. Ich will einfach, daß er ein genaueres Bild von mir bekommt und mich vielleicht etwas versteht. Das Problem ist nur, daß er genau zu den Typen zählt, die sozial so erfolgreich sind, daß ich ihnen gegenüber so gehemmt bin, daß ich fast keinen Satz, geschweige denn korrekt, herausbringe. Mein Englisch ist längst nicht so schrecklich und dürftig, wie es bei ihm oder anderen in der Gruppe, die mich nämlich stressen, ankommen muß. Also schriftlich! Und dann einen passenden Moment abpassen und sich einfach trauen… Gerade vor dem Dschungel, einer vollkommen unbekannten und für mich ohne etwas Unterstützung „furchterregenden“ Welt brauche ich sein Verständnis und etwas „Fürsorge“. Das hört sich zwar sehr seltsam an, aber in der Tat habe ich das Gefühl, allein nicht mit dem Bild Dschungel fertig zu werden. Claro, das merkt keiner, weil ich nicht so kreische wie die anderen, aber panisch kann man auch innen sein. Kurz vor dem Boarding gelingt es mir, Eli von den anderen loszueisen und mit ihm abseits zu sprechen. Nach den ersten chaotischen Sätzen wird mein Englisch besser und er beruhigt mich. Er fasst es unter „special attention“ zusammen. Ich denke, er versteht nicht alles, was ich über mich sage (damit meine ich den Inhalt, nicht die Sprache), aber er akzeptiert mein „Bedürfnis“, was ich schon an der nächsten Frage merke, weil er mich fragt, ob ich ein Problem mit dem Fliegen habe. Meine Antwort: “No, I’m not afraid of machines but of human beings.” So starten wir also und ich konnte loswerden, was mir so wichtig gewesen war. (Naja, in Teilen, aber ich bekomme ja selten alles gesagt.)

Der Flug dauert nur 40min und dann ist es auf einmal warm! Wir werden mit einem Bus bis zum Office gebracht, wo wir umpacken, da wir nicht unser ganzes Gepäck mitnehmen können. Es folgt eine fast einstündige Busfahrt zum Tambopata, einem Fluß, der in den Amazonas mündet. Dort werden wir in ein Boot verfrachtet, mit dem wir zur Lodge gebracht werden. Das Lunch gibt es in Essensdosen verpackt auf dem Boot. Die nächsten zwei Stunden sind wunderschön für mich, weil ich rechts und links die Natur genießen kann. Außerdem sitzt Elier „neben“ mir, d.h. auf gleicher Höhe an der anderen Bordseite, so daß ich Fragen stellen kann. Während der Fahrt halten wir, um Schildkröten zu bewundern oder howling monkeys in Bäumen zu entdecken. Der Fluss macht so starke Kurven, dass die Sonne mal links, mal rechts zu stehen scheint. Die Grünschattierungen des Uferbewuchses sind faszinierend. Von mir aus könnte die Fahrt noch lange so weiter gehen. 

In der Lodge angekommen gibt es ein paar Infos zu Verhaltensweisen und dem nächsten Treffen nach der cena, die schon um sechs stattfinden soll. Danach wollen wir zu einer kurzen Dschungelnachtwanderung aufbrechen. Die Unterkünfte bestehen aus jeweils zwei Doppelzimmern in einem höhergelegenen Hüttenhaus und sind jeweils auch mit Dusche und WC ausgestattet. Eigentlich sind sie sogar besser als das ein oder andere Hotel. Auch das Essen ist ok, wenn auch m.E. nicht so abwechslungsreich, was aber auch auf die schwierige Versorgungslage zurückzuführen ist. 

Nun aber zu meinem ersten Dschungeltrip. Zwei guides und Eli begleiten uns. Eli geht hinten und ich klebe fast an ihm, was zwei Ursachen hat: erstens mag ich ihn und vertraue auf sein Wissen und zweitens hat man hinten am meisten Zeit, alles zu bestaunen. Wir sehen verschiedene Spinnenarten, Kröten, Frösche, Insekten jeder Art und als Höhepunkt eine Esmeralda, die zur Gattung der Boa constrictor gehört. Und ich lebe immer noch! Ich gebe zu, das Vieh war schön weit weg, hoch oben in einem Baum und hat sich netterweise auch nicht bewegt. Aber bei meiner Schlangenphobie reichte normalerweise schon das Anschauen. Vielleicht wird auch das besser… Diese Wanderung hat mir schon sehr gut gefallen, vor allem auch die Geräusche, auch wenn ich praktisch nichts zuordnen kann. Leider ist nur mein Arm ein Problem, es wird schlimmer und schlimmer. Ich kann ihn kaum noch schmerzfrei bewegen, aber das glaubt mir ja keiner. Und leider muss ich auch das Zimmer wieder mit Liz teilen. Keine Ahnung, was ich ihr getan habe, aber sie spricht praktisch nicht mit mir, nicht mal ein „good night“. Klar, ich habe Schwierigkeiten, das Britische zu verstehen, aber warum passen sich Leute wie sie nicht mal an nicht-englische Leute an und sprechen deutlich? Immer wieder liegt mir die Frage auf der Zunge, welche Sprachen außer ihrer Muttersprache sie – Liz, Megan, Katie usw. – eigtl. sprechen können. Ihre Art macht mich noch unsicherer und mein Englisch schauerlicher, weil ich keinen Satz vollständig sprechen kann.

Cusco – freetime, was soll man da machen? (4.8.2014)
Früh in den Dschungel … (6.8.2014)
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