Wieder ein frühes Aufstehen, da wir uns um fünf in der Lobby treffen. Die anderen, Neill, Marian, Elier und Juber frühstücken erstmal und ich stehe und denke, Mann, wir wollten uns doch zur Bushaltestelle begeben, damit wir mit den ersten Bussen hinaufkommen. Es ist Sonntag und die Einheimischen haben freien Eintritt, also wird es voll werden. Aber sie haben die Ruhe weg. Dann kommt der morgendliche Schreck. Elier: „We have a little situation with you. Saul has your entrance ticket.“ Ich verstehe das gar nicht und reagiere sauer. Ich meine, es war doch klar, daß ich es brauchen würde. Eli läßt nichts auf Saul kommen, meint, es sei ein Gruppenticket für den Inkatrail usw. Er sagt, daß er im Office oben in Machu Pichu die Leute versuchen werde zu überzeugen, mich trotzdem reinzulassen, da ich ja im System bin. Aber wie ich mein Glück kenne, bin ich skeptisch und enttäuscht. Ich wollte doch unbedingt den Sonnenaufgang dort sehen. Bei der Nachfrage, ob ich meinen Paß dabei hätte, reagiere ich kindisch, was mir fast sofort leid tut. Wir gehen dann endlich los und finden eine unglaublich lange Schlange an der Bushaltestelle vor. Elis Kommentar, so lang habe er sie noch nie erlebt. Wir stellen uns an und Eli stellt sich an, um mein Busticket zu kaufen. Nach einigem Überlegen stelle ich mich zu ihm und entschuldige mich für das kindische Verhalten. Ich erkläre ihm, daß es einfach zu viel Enttäuschung gewesen sei, kein Trail und jetzt das. Er sagt, er verstehe schon und er werde das schon hinbekommen. 20 Busse später – fast jedenfalls – erwischen wir auch einen und los geht‘s den Berg hinauf.
Oben stehen wir wieder an, Eli und die anderen gehen rein, Juber, der keine Eintrittserlaubnis mehr bekommen konnte, und ich warten davor. Und plötzlich höre ich meinen Namen und mein Paß wird zu mir weitergereicht, mit einem Eintrittsschein. Elier war wiedermal erfolgreich. Ich freue mich und er drückt mich kurz, weil es geklappt hat. Und wir beginnen den Aufstieg zum Sonnenaufgangsaussichtspunkt auf Machu Pichu. Dort beschließen wir, zum Sonnentor (Intipunku) hinaufzusteigen, obwohl es schon knapp wird, da das Treffen mit den anderen auf acht Uhr angesetzt ist. Aber wir werden sie ja auf dem Weg treffen, weil sie von dort oben hinunterkommen. Ich wetze den anderen voran, immer bergauf, sehr uneben. Der Schweiß läuft in Strömen, aber ich fühle mich den ersten Tag endlich wieder fit, auch wenn mir der rechte Arm weh tut. Mitten auf der Strecke treffe ich auf die anderen, ein großes Hallo setzt ein und einige sind richtig erfreut mich zu sehen. Danach flitze ich weiter. In knapp 30min habe ich das Sonnentor erreicht – normal wären 40min. Die Aussicht ist toll und hier gibt es fast keine Menschen, während sich Machu Pichu füllt. Ich warte 15 min auf die anderen, aber sie kommen nicht. Wahrscheinlich sind sie umgekehrt… Jetzt muß ich mich sputen, weil wir uns doch um acht treffen wollen und dazu fehlen nur noch gute 15min. Also renne und hüpfe ich den Hang wieder hinunter. Einmal bezeichnet mich eine Touristin als mountain gout! Aber ich schaffe es fast pünktlich. Nach nur 19 min bin ich wieder beim ersten Aussichtspunkt und will gerade weiter zum Eingang, als mich die anderen sehen und aufhalten. Meine Knie danken mir diese Aktion übrigens nicht, aber ich fühle mich so lebendig und gut, daß ich vor Freude hüpfe, was Elier und Marian grinsend kommentieren. Aber es ist gut, weil Elier so mal sehen kann, daß ich mich freuen kann.
Im Eingangsbereich machen sich die anderen frisch usw. und dann gehe wir alle zusammen wieder rein, wobei allerdings Eli und Juber draußen bleiben und die walking sticks schon mal nach Aguas Calientes mitnehmen. Die Führung mit Saul dauert fast zwei Stunden und leidet nur unter der zunehmenden Fülle. Er weiß wirklich viel, auch wenn ich durch Joan und die anderen Inkastätten schon einiges weiß. Danach haben wir Zeit, allein herumzustreifen. Ich schaue mir alles an, telefoniere mal zwischendurch und mache dann Pause am Wachhaus. Aber schon wird die Zeit knapp, es ist fast halb eins. Also mache ich mich auf zum Eingang und sehe von oben schon eine unglaublich lange Schlange von Menschen, die alle auf die Busse warten. Darauf habe ich nun wirklich keinen Bock und beschließe, trotz der Meniskusschmerzen den Abstieg zu Fuß zu unternehmen. Nur Treppen! Es wird eine Tortur und ich kann nur seitwärts die Stufen bewältigen. Aber ich schaffe es und die ebene Strecke lege ich im Eiltempo zurück, um noch was zu essen zu bekommen. Nach nur 1h7min erreiche ich das Restaurant, in dem die anderen schon alle sitzen. Zwei Sprite und eine Portion papas fritas später fühle ich mich gut, ahne aber schon, daß ich wohl Muskelkater in den Oberschenkeln bekomme werde. – Elier und Saul würdigen meine Leistung, aber ich bin sicher, sie halten mich für seltsam, weil ich Spaß an der Herausforderung habe. – Im Anschluss an das Essen ziehen wir zum Bahnhof weiter und fahren mit dem Machu Pichu Zug nach Ollantaytambo zurück. Die Weiterfahrt erfolgt im Minibus und gegen halb sieben sind wir in Cusco zurück. Ich bin total müde, da mich die starke körperliche Aktivität doch mehr mitgenommen hat als gedacht. Und die anderen erst!
Trotzdem soll heute gefeiert werden. Also gehen wir erstmal zusammen essen (Ausnahme: Marian, Neill) bei einem Kumpel von Eli. Dort führt uns Eli vor, wie er einen Pisco Sour macht, viel Show, wie er so ist. Aber so richtig krass gut wird die Stimmung nicht. Ich sitze bei Esther und Cheryl und Juber, die sich gut unterhalten, im Sinne von gehaltvoll sprechen. Es ist Jubers letzter Abend bei uns, morgen früh muß er zum Flughafen, um in Lima eine neue, eigene Tour zu starten. Nach dem Essen brechen wir auf in eine Disco, es ist zwischen fast elf. Ich gehe mit, weil die Schweizer meinten, ich solle mitkommen, da ich doch dazu gehöre. Sie sind wirklich herzlich. Und Beobachten macht Spaß, gerade wenn sich andere gehen lassen. In der Disco ist noch nicht viel los, also bringt ein Typ Salsa bei. Die meisten versuchen sich, nur die beiden Australierinnen bleiben neben mir sitzen. Sie meinen, sie müßten dafür noch etwas trinken. Langsam kommt alles in Gang, Cheryl lädt mich auf einen shot – Tequila – ein, es wird hemmungsloser. Mir ist es eigtl. viel zu laut und die Lichter flackern furchtbar. Irgendwann tanzt Elier auf der Bar, Megan und Esther – sie aber eher nicht ganz freiwillig – ebenfalls. Des nachts geht‘s noch weiter – Eli, Bailey, Katie, dummgelaufen, aber eigtl. nichts passiert, nur zu viele Meinungen dazu – und Elier wird wie viele Betrunkene etwas depressiv. Aber trotzdem zählt er doch tatsächlich immer noch durch und macht vom Kennzeichen eines Taxis ein Foto. Kurz zuvor habe ich mich angenehm mit ihm unterhalten, aber dann muß ja Liz die Sache ins Rollen bringen, weil Katie wie ein Kleinkind an Eli vorbeirauscht. Liz hatte kein Recht, so mit ihm zu sprechen. Ein ungünstiges Ende, an das sich später keiner offiziell erinnert…




























