So, da sind wir also in Aguas Calientes – Hot Springs, weil es hier auch welche gibt. Heute Morgen ging es um 5.30 Uhr los und zwar mit dem Taxi nach Ollantaytambo. Aber zuerst gab es eine böse Überraschung, weil wir fünf nicht hinein paßten, obwohl Eli Bescheid gegeben hatte, daß wir jetzt dank meiner einer mehr sein würden. Nun ja, es traf Juber, zum zentralen Taxistand zu gehen und dort mit einem regulären Taxi nachzukommen. Noch war es dunkel und wenig Betrieb auf den Straßen, so daß der Fahrer so richtig aufdrehen konnte. Er fuhr bei geöffnetem Fenster, denn die Scheiben waren ja beschlagen. Nicht, daß er die Belüftung hätte auch anstellen können. Iwo, es ging ja auch so, nur daß wir im Fond, insbesondere ich, weil ich hinter ihm saß, ziemlich froren. Andererseits war mir das Frieren bei weniger beschlagener Scheibe lieber, so blieb dann doch zu hoffen, daß wir lebendig ankommen würden. Durch Nebelfelder raste er bei gleichbleibender Geschwindigkeit hindurch, stellte nur das Warnlicht an. Nach vorn hilft das zwar nicht, aber was soll’s. Letztlich sind wir heil angekommen und Eli hatte noch etwas schlafen können. Wie praktisch überall in Peru mußten wir auch hier beim Zutritt zum Bahnhof unseren Paß zeigen, um durchgelassen zu werden. Ein Ticket reicht nicht. Neill spendierte Kaffee oder heiße Schokolade, wofür ich so durchgefroren dankbar war. Unser Zug nach Aguas Calientes (Machu Pichu) fuhr um 7.45 relativ pünktlich ab, allerdings mußte ich woanders sitzen als die anderen, da ich ja nur als Notfall hinzugekommen war. Das Geruckel und Geschaukel hat meinen Magen echt nicht glücklicher werden lassen. Obendrein saß ich auf der falschen Seite und konnte gar keine Fotos schießen, weil zu viele dazwischen saßen. Das Tal, durch das der Zug zuckelt, ist wirklich schön. Ich tröstete mich mit dem Blick auf die Berge durch die Glasdachfenster. Wir kamen auch am Beginn des Inkatrails vorbei, wo ich traurig war, daß ich das jetzt alles nicht sehen kann. OK, ich muß nicht frieren, dafür geht es mir immer noch mies und die Natur kann ich nicht genießen. Na egal, kurz nach neun waren wir hier, gingen zum Hotel, dann zum Hauptplatz – haha, hier ist alles winzig und nur in ein Tal hineingebaut – und dann zum Frühstück, das ich ausließ. Nicht ganz, ich durfte bei Eli Brot klauen und knautschte das, um überhaupt etwas im Magen zu haben. Aber hier gibt es kein Mac, was soll ich heute bloß essen?
Ach, wie sich so manches findet. Doch zuerst zum weiteren Tagesgeschehen. Nach dem Einchecken haben sich unsere Wege getrennt. Ich bin zum einzigen begehbaren Wanderweg aufgebrochen, wo ich mich – wie kann es auch anders sein – vor Betreten des Pfades erstmal in ein Gästebuch mit Namen und Paßnummer usw. eintragen durfte. Vielleicht falls jemand verloren geht? Danach stieg ich Stufen hinauf, mitten durch einen halben Dschungel. Immer weiter, bis ich zu einer offenen Absperrung, d.h. einem Zaun mit Umgehungsmöglichkeit, kam, wo es nur noch mit einer Leiter weiter nach oben geht. Ursprünglich hatte ich Eli das mit der gefährlichen Leiter nicht so ganz glauben wollen, aber nach einem Blick auf dieses Wrack, die ersten zehn bis zwanzig Sprossen fehlen, gab ich ihm im Stillen recht, daß dies dann doch etwas zu gefährlich ist. Klar kann man daran vorbei am Seil hochhangeln, doch so zwanghaft ist mein Bergbezwingertum dann doch nicht. Also kehrte ich um, traf noch ein paar Leute, mit einer Argentinierin sprach ich über die Leiter – sie sei dreimal schon hoch geklettert, der Ausblick lohne sich so sehr – und am Ende verabschiedete ich mich vom Aufpasser. Soweit ich ihn verstanden habe, wird die Leiter nicht repariert, damit die Kinder nicht hochsteigen. Weiser Entschluß! Also suchte ich nach anderen Bewegungsmöglichkeiten und entschied mich für die einzig verbliebene: die Straße nach Machu Pichu. Auf ihr wanderte ich bis zur Brücke, die den Eingang zum Schutzgebiet kennzeichnet, entlang und erblickte so noch vor jedem anderen aus der Gruppe einen kleinen Teil von Machu Pichu oben auf dem Abhang. Juhu!
Da ich aber keine Lust auf einen Aufstieg hatte und dieser ohne Eintrittskarte auch absolut sinnlos gewesen wäre, schlenderte ich zurück. Dabei bemerkte ich viele, die von oben heruntergelaufen kamen. Vielleicht kann ich das morgen auch machen, mir liegt ja eh nicht so viel am Lunch. Nachdem ich wieder am Knotenpunkt, i.e. Bahn trifft auf Bus, angelangt war, setzte ich mich auf eine Mauer und beobachtete die Leute, die so vorbei kamen oder aus den Bussen ausstiegen. Was für ein wahnsinniger Zufall, wenn doch zwei bekannte Gesichter darunter gewesen wären?
Doch dann sah ich Juber so ganz allein herumstehen und ging zu ihm, um mich an ihn dran zu hängen. Ein ganzer Nachmittag allein in Aguas Calientes ist ziemlich hart… Also gingen wir zusammen los und untersuchten möglichst genau alles in dem Ort hier, da er demnächst als selbständiger CEO hier sein wird. Dabei strolchten wir durch beinahe jede Gasse, saßen eine Weile auf der Tribüne des Sportplatzes und gingen schließlich zusammen etwas essen, weil ich nun doch Hunger bekommen hatte. Meinetwegen landeten wir beim italienischen Essen: Spaghetti Napoli mit ajo-Sauce, hmm. Er hatte schon ein großes Lunch und aß nichts mehr, vermutlich auch aus Kostengründen. Er ist ja erst nur ein Trainee. Und dann spielten wir dort ein Froschspiel. Jeder wirft abwechselnd acht oder zehn Münzen, um im besten Fall das Maul des Frosches, sonst aber wenigstens andere umliegende Löcher zu treffen. Jedes Loch ergibt unterschiedlich viele Punkt und der Frosch die meisten: 8000. Juber hat sogar einmal das Maul getroffen und ansonsten meist etwas besser geworfen als ich. Wir hatten Spaß…
Danach sind wir zurück zum Hotel, gleich um die Ecke. Ich wollte mit visa das Zimmer bezahlen, aber die Maschine gehe nicht. Also stiefelte ich nochmal los, um Bargeld für das Zimmer zu holen. Und dann habe ich den Mann an der Rezeption indirekt noch etwas herunter gehandelt. Mir war nämlich so, als ob es 40$ geheißen hätte – wahrscheinlich war dem nicht so – , worauf ich hinwies. Und weil ich ja die Mühe mit dem Geld holen hatte, kam ich damit durch und bezahlte diese Summe in Soles. (Ich zahle hier nie mit $, da ich denke, daß sie lieber mit ihrer eigenen Währung rechnen sollten.) Ich hoffe, ich kann vielleicht diese Kosten meiner KV aufs Auge drücken, wenn ich noch einen Beleg erhalte, daß ich die vorgesehene Tour wegen der Erkrankung nicht machen konnte und somit Unterkünfte benötigte. We will see…
P.s.: Ob man mit zwei Tagen Verzögerung extreme Schmerzen im Arm mit der Infusion bekommen kann? Zu sehen ist natürlich nix, zu merken aber sehr wohl. Strecken, Anwinkeln und Drehen sind nervlich echt schmerzhaft. Als wenn da was im Oberarm wäre. Ich werde es heimlich beobachten.














