Früher Start war angesetzt, damit wir nicht so spät in Cusco ankommen. Also saßen wir um kurz vor halb acht schon zusammen mit einer anderen Gruppe von gadventures im Bus und verließen Puno. Eli hatte den Trip ganz raffiniert angekündigt: Die Gesamtdauer der Fahrt verschwieg er vorsätzlich und gab immer nur die Zeiträume bis zu den ersten zwei Haltepunkten an. Ich habe ihn nachmittags – soweit ich konnte – damit aufgezogen, dass dies sehr geschickt gewesen sei. Er meinte daraufhin, er habe lästige Klagen/Fragen wie „es ist doch aber schon nach 14 Uhr“ vermeiden wollen. Nach mehr als sieben Stunden und zwei Stops kamen wir endlich in Cusco an, checkten ein und verließen fast sofort wieder das Hotel, um etwas essen zu gehen. (Ich habe mal wieder Eli Extraarbeit bereitet, weil ich das zugewiesene Zimmer nicht haben wollte, da es darin übel roch und es auch kein Fenster hatte. Er arrangierte einen Zimmerwechsel. Jetzt sitze ich in einem Dreibettzimmer mit Fenster, ohne Geruch und mit Blick auf Cuscos Abhänge.)
Nach einem zügigen, süßen Essen in einem Cafe gegenüber von Santo Domingo – 2 Soles für einen Mammutschokocroissant – zeigte uns Eli im Schnelldurchgang ein paar Highlights Cuscos: 3 Museen, die Catedral, La Compania, Überreste der ursprünglichen Inkatempel unter spanischen Kirchen und Palästen. Diese Mauern scheinen willkürlich geformt, sind es aber nicht. Einige ergeben sogar Gestalten wie z.B. die Schlange, darüber der Puma und darüber der nicht mehr erhaltene Condor – Symbole für die drei Leben: Condor = Himmel, Götter; Puma = hier und jetzt; Schlange = Tod, Leben nach dem Tod. Andere stützen das gesamte System der Mauern durch Vieleckformen, wie z.B. der Zwölfeckstein. Man geht wohl davon aus, daß gerade diese unregelmäßigen Formen die Mauern auch bei Erdbeben so gestützt haben, daß sie nie eingestürzt sind. Ganz anders bei den Kolonialbauten der Spanier!
Dann gingen wir noch im Eilschritt zu einer Alpaka-Manufaktur, wo uns die Unterschiede zwischen echter und mit Synthetik versetzter Alpakaverarbeitung vorgeführt wurde. Im Anschluß gab es Zeit zum Stöbern und Anprobieren.





Wie gewöhnlich fand unser Meeting um 7 statt, wobei diesmal Saul, der Guide für den Inkatrail, viel Zeit beanspruchte, indem er uns die Route und einiges Drumherum erklärte. U.a. erzählte er, vor vier Tagen habe es auf dem einen Paß geschneit. Global warming! Danach erhielten wir unsere Taschen, die max. 6 kg wiegen dürfen. Auf etwa 3 kg kommt man schon allein mit dem Schlafsack und der Luftmatraze. Da bleibt nicht viel übrig. Einige haben echt ganz viel mitgeschrieben und die Aufregung stieg bei den anderen. Ich habe mir nur gedacht, daß ich es doof finde, fast die ganze Zeit in der Gruppe latschen zu müssen. Und einen Planungsfehler sehe ich auch auf uns zukommen: Wir kommen am Sonntag in Machu Pichu an und an dem Tag haben die Einheimischen freien Eintritt, so daß es vor Touristen nur so wimmeln wird, zumal gerade landesweit wegen der Nationalfeiertage viele Peruaner Ferien machen. Wahrscheinlich wird man sich tot treten und da helfen dann auch die ganzen Kontrollen und Mengenvorgaben wenig. Wir hoffen auf das Beste, aber ich bin wie immer skeptisch. (Diese Henny/Henrike geht mir z.T. echt auf die Nerven, so wie sie sich immer gleich einmischt. Sie meinte zu mir und Michael, als wir über den Sonntag sprachen, wir sollten nicht so viel negative Energie verbreiten und es werde sicher alles toll, oder so etwas in der Art. Dabei haben wir nur sachlich die Ankündigung von Saul, es werde voll sein, ausgewertet und negativ bewertet. Sie hat wirklich kaum Ahnung, will aber wohl immer Harmonie und geht mir mit ihrem Wi-Fi und dem Hängen am Mobile und dem Gekrame/ etwas Verplantsein auf den Kecks. Ein klein wenig wie Frau K., aber natürlich selbständig lebensfähig.)
Nach Sauls Ausführungen haben noch einige Utensilien wie Wanderstöcke nachbestellt, ich nicht, so daß ich jetzt als einziger keine haben werde. Aber ich will mich nicht damit belasten. Mit Pausen komme ich auch so die 1000m steilen Treppen hinunter. Es kostet so oder so sehr viel Konzentration.
Anschließend hat Eli noch etwas zum morgigen Tag in Ollantaytambo gesagt und uns dann in „Jack’s Cafe“, einem sehr gefragten und auch zurecht so positiv beschriebenen „Futternapf“, entführt. Dort gab es für mich eine excelente tortilla. Später im Hotel habe ich ein wenig gepackt und überlegt, wie ich das morgens machen soll, weil ich erst die laundry kurz vor sieben holen kann, wir aber um halb acht schon aufbrechen werden. Aber so etwas Banales ist sicherlich in den nächsten fünf Tagen mein kleinstes Problem. Ab morgen ist erstmal Sendepause, da (fast) alles in Cusco bleiben wird.
