Kurz nach sechs stehe ich auf, weil ich einfach nicht mehr in dem durchgelegenen Bett liegen kann. Es ist bitterkalt, das Wasser in den Auffangbehältern ist an der Oberfläche gefroren. Weit und breit keine Heizung oder warmes oder überhaupt laufendes Wasser in Sicht. Aber egal, ich wußte das und habe sogar weitgehend in den Klamotten des Vortages gepennt. Duschen kann man nachmittags in Puno. Die Familie ist auch schon unterwegs. Ich schaue mir die Schafe und die Umgebung an, genieße die ersten Sonnenstrahlen und den wunderbaren Blick auf den Titicacasee. Bald darauf gibt es Frühstück, wieder in der kleinen Küche. In Öl gebratenes Brot, ähnlich der Machart nach wie Batura, Marmelade, ein frisches Ei, Cocatee. Dann wird wieder abgewaschen/abgetrocknet und wir ziehen los, um die Schaffe aus dem Pferch zum Weiden zu bringen. Liz und ich dürfen erstmal ein fast noch neugeborenes Lamm auf den Arm nehmen und streicheln. Klar machen wir Fotos. Das Weiden machen die Schafe so ziemlich allein, ich umkreise sie nur mal, wenn eins sich entfernen möchte. Ich bin der Hütehund. 🙂
Etwas später flocken wir die Schafe an, wie, zeigt uns Stefania. Danach bringen wir Futter zu den Kühen und dem Esel hinauf. Heute keuche ich wieder stärker, aber ich konnte auch nicht so gut schlafen – Nacken verlegen – noch viel trinken, weil es hier eben kein Trinkwasser einfach so gibt und ich nur noch begrenzt Wasser dabei habe. Anschließend setzen wir uns auf eine Decke und Stefania zeigt Liz, wie man den Hals eines Lamas häkelt. Ich lege mich in die Sonne und „arbeite“ so. Zwischendurch kommt Eli mal vorbei, um nach uns und so zu schauen. Zu dem Zeitpunkt sind wir allerdings noch nicht im Ruhemodus. 🙂
Gegen elf gibt es Lunch. Oh je, schon wieder essen. Da Liz noch weniger hinein bekommt, opfere ich mich und esse fast auf. Es gibt Quinoasuppe und dann verschiedene Kartoffeln mit Käse -brr- und etwas eingelegtem Gemüse. Echt nicht mein Ding, aber ich schlucke, um unsere Gastgeber nicht zu sehr zu enttäuschen. Und dann ist es auch schon Zeit, Abschied zu nehmen. Stefania bringt uns noch hinunter zum Hafen, wo von allen ein Gruppenfoto gemacht wird. Der blöde Alejandro spielt sich wieder auf, wie auch kurz danach auf der Rückfahrt. Um seinem Gesabbel, eh wegen des miesen Englischs für mich kaum zu verstehen, zu entgehen und meinem Kopf etwas Gutes zu tun, verziehe ich mich wieder auf das Oberdeck des Bootes. Nach etwa zwei Stunden Fahrt erreichen wir Puno, wo uns ein Bus zum Hotel zurückbringt. Auch Eli scheint mit Alejandro nicht so zufrieden gewesen zu sein, weil er es doch einfach unterläßt, uns ans tipping zu erinnern. Was ich so gehört habe, haben die anderen den Kerl auch nicht gemocht und so dezent das tipping vergessen. Such a pity.











Ab da ist Freizeit angesagt. Mein Kopf brummt immer noch, weswegen ich mich einigen anschließe, die unter Elis Führung eine farmacia aufsuchen. Wirklich etwas suchen tue ich gar nicht, aber ich weiß nicht, was ich den gesamten Nachmittag über machen soll. Letztlich erwerbe ich aber doch vier super starke Kopfschmerztabletten für sechs Soles. Geholfen hat eine mit etwas Zeitaufschub auch.
Danach hänge ich mich an Jasmin und Luzius, die sich vor der Catedral niederlassen, um einen Schub Postkarten zu schreiben. Es sind so viele, weil sie, zwar nach Priorität sortiert, ihren „Sponsoren“, i.e. den Hochzeitsgästen, eine Karte zukommen lassen. Sie haben nämlich drei Tage vor der Reise geheiratet und sich Geld für ihre Hochzeitsreise schenken lassen. Sie gehen das echt professionell an, was sie bei der großen Anzahl auch tun müssen. Während sie schreiben, genieße ich die Sonne und komme zu dem Entschluss, mein Tablet zu holen und auch zu schreiben. Gesagt, getan. Ich bleibe auch dann noch sitzen, als die beiden einen Batzen fertiggestellt haben und zum Hostel zurückkehren. Doch auch mich zieht es dann mal zu einer heißen Dusche und so schreibe ich jetzt den Rest hier im Zimmer. Um sieben ist wieder ein Treffen angesetzt, um die Details für morgen bekannt zu geben – Fahrt nach Cusco. Und na, was folgt dann? Logo, das Essen. Ich werde mitgehen, aber nichts essen. Mein Magen ist immer noch voll vom Lunch. Aber eine Cola zur Zuckerzufuhr werde ich mir wohl genehmigen. Und dann gute Nacht!
