Heute hieß es wieder früh aufzustehen. Das Duschen spare ich mir jetzt schon, denn morgens gäbe es eh nicht für alle warmes Wasser. Und nichts, wirklich nichts ist unangenehmer, als im kalten Bad – Heizungen gibt es nicht, Fenster lassen sich kaum schließen – gefühlte 5min auf heißes Wasser zu warten, das dann nicht kommt. Der kleine Radiator schafft es nur, im Zimmer für etwas wärmere Luft zu sorgen, da es aber nirgendwo wirklich dicht ist – ich kann zwischen Türrahmen und Wand durchsehen – wird es auch nur sehr begrenzt warm, jedenfalls wenn der Zweitname Frostbeule ist. Morgens und abends muß ich schon zwei Pullover und meine Jacke anziehen, aber ich friere trotzdem. Keine Ahnung, wie das auf dem Trek werden soll.
Beim Frühstück sitze ich wie oben beschrieben inklusive Mütze, denn, wie gesagt, man schließt ja auch keine Türen, um etwas Wärme im Raum zu halten. Die ersten Anzeichen einer Erkältung deuten sich an…
Um halb acht brechen wir Richtung Puno am Titicacasee auf. Die Fahrt mit unserem Kleinbus wird so um die vier bis fünf Stunden dauern. Auf dem Weg halten wir dann mal für Tee und das Wegbringen desselbigen, danach an einem See, an dem es Flamingos geben soll. Der Ausblick ist toll, aber aus der Entfernung sind keine Einbeiner zu sehen. Als wir nah am See vorbei kommen, verlangsamt unser netter Fahrer, damit wir die Flamingos, die nämlich wirklich dort herum stehen, fotographieren können. Ha, ich sitze auf der richtigen Seite, ich kann Fotos machen. Dann geht es immer weiter. Durch kaum besiedelte Landschaft, über lustige, abwechslungsreich angelegte Geschwindigkeitsbrecher hinweg, über echt schmale Brücken, durch kleine, fast nicht mit asphaltierten Straßen ausgestattete Dörfer – hier wahrscheinlich Kleinstadt genannt -, an zahlreichen Rinder-, Lama-, Alpaka- und Schafherden vorbei, bis wir am frühen Nachmittag Puno erreichen, (beinahe) Grenzstadt zu Bolivien. Der Stadt merkt man ihr schnelles Wachstum an, überall wird gebaut, aber eben wie so oft nicht zu Ende. Die meisten Häuser haben oben herausragende Stahlträger, so als wenn man irgendwann einmal noch ein Stockwerk aufsetzen wolle. So etwas erscheint mir typisch für ärmere Länder, s. Hurghada in Ägypten.
Unser Hostel liegt wieder sehr zentral, nämlich gleich um die Ecke von der Fußgängerzone und nahe der Plaza de Armas, also dem Hauptplatz. Das Innere des Hotels ist so kalt, dass ich Schüttelfrost bekomme, mein Zimmer ebenso. Aber… Es gibt einen gut funktionierenden Radiator, der in dem kleinen Raum, Badezimmertür schnell geschlossen, da dort das Fenster nicht völlig schließt, doch tatsächlich für eine annehmbare Temperatur sorgt. Kurz danach ziehen wir zusammen zu einem kleinen Innenstadtrundgang los, nachdem uns Eli noch einen seiner Kumpels vorgestellt hat, der mitkommt. Wir laufen nur kurz zur Plaza Mayor, sehen dort ein Begräbnis vorbeimarschieren und wenden uns dann einem Hügelchen zu, um einen Ausblick auf Puno und den See zu erhalten. Tja, und nun beginnt die Qual…
Was sich schon am Tag zuvor beim Rundgang in Chivay – nach dem Volleyballspiel einiger von uns gegen Mädchen aus dem Ort vor Chivay – angedeutet hat, wird zur elenden Wahrscheinlichkeit: Mein Asthma macht mir schon leichte Aufstiege zur Hölle. Die Schmerzen in der Lunge habe ich so noch nie erlebt, ganz zu schweigen vom Keuchen und im Prinzip gar keine Luft bekommen. Gestern hatte ich einen kleinen Anfall und heute wäre ich bei 100m Aufstieg beinahe ins Wanken und ein wenig ins Sterben geraten. Pausen helfen nur begrenzt, weil ich länger als üblich zum Regenerieren brauche. Den Einsatz meines Sprays muss ich noch perfektionieren, weil ich einfach nicht daran gewöhnt bin, es zu benutzen. Mein letztes hat das Verfallsdatum weit überschritten und war immer noch fast voll. Auf dem Anstieg kamen mir dann obendrein aus Verzweiflung noch die Tränen, weil ich ein Limit auf mich zukommen sehe, das ich mit all meiner Willenskraft nicht überschreiten kann. Und Panik ist nicht so besonders gut dazu angetan, einem wieder mehr Luft zu verschaffen. Oben angekommen habe ich mich abseits hingestellt, weil ich einfach mit der Situation nicht fertig geworden bin. Aber Eli, ganz der fürsorgliche CEO, kam und fragte. Kurzes, abgehacktes Gespräch, weil keine Luft und dann noch auf Englisch. Er meinte, wir würden morgen weiter „trainieren“, da es wieder etwas bergauf ginge. Und dann noch in Cusco. Aber die Gesundheit gehe vor. Im Klartext: Er wird mich nicht auf den Inkatrail lassen, wenn es nicht besser wird. Er meinte schon, wir würden was für mich in Cusco finden…
Danach ging es zum Lunch. Ich war immer noch so unglücklich. Mein Rücken, mein Knie, alles top, und jetzt das. Evelin hat mich getröstet und mir geraten, morgen das Spray vor dem Laufen einzusetzen. Sie hat selbst mal Leistungsasthma gehabt. Jetzt werde ich das versuchen. Bescheuert, wenn man nicht mal weiß, wie man mit seiner eigenen Erkrankung umgehen soll. Wie viele Hübe pro Tag darf man z.B. nehmen? – Ich habe mich dann mit einer heißen Schokolade und Spaghetti Napoli gestärkt. Eine Hälfte eines pancakes bekam ich noch von Cheryl zugeschoben. 🙂 Die Erschöpfung ließ langsam nach. Mit einigen anderen (Evelin, Michael und Katie) bin ich noch durch die Hauptstraße gezogen. Als uns zu kalt wurde, haben wir uns in eine Bar gesetzt und etwas Heißes getrunken. Im Anschluss kehrten wir für eine Pause ins Hostel zurück. Um sieben war das nächste Meeting angesetzt, bei dem für die nächsten zwei Tage gebrieft wurden. Wie werden nämlich auf die Insel Taquile fahren und eine Nacht und einen halben Tag bei Gastfamilien bleiben. Mal sehen, wie das wird…
Dann gingen wir zwei Türen weiter zum Dinner mit Folkloretanz. Meine Essenskapazitäten waren erschöpft, aber die anderen aßen noch so einiges: Hühnchen, Suppen, Meerschweinchen, das wie Wachtel schmecken soll, oder anderes. Es folgte sogar eine Überraschung, für die Eli gesorgt hatte. Für die beiden Geburtstagskinder, Megan und Liz, gab es eine Ansage und einen Kuchen mit entsprechendem Geburtstagsständchen, das von der Folkloregruppe gespielt wurde. Die Stimmung war super. Klar, daß die meisten noch in eine Bar weiterzogen, oder? Mich verschlug es jedoch ins Zimmer, um in Ruhe für die zwei Tage zu packen und lange heiß zu duschen. Und selbstverständlich hier auf den neuesten Stand zu kommen. 🙂














