5.45 Uhr: Der Wecker klingelt. Fast neun Stunden Schlaf und etwas mehr Wasser haben die Nachwirkungen der Höhe verblassen lassen. (Aber die Träume waren echt skurril, was wohl wegen der Höhe normal ist.) Also hoffe ich, daß es heute ohne Kopfschmerzen weitergehen wird. Um 6 Uhr sind wir zum Frühstück verabredet, um dann eine halbe Stunde später zum Colca Canyon aufzubrechen. Die Landschaft ist einfach toll. Die Berge strahlen so viel Stärke, Erhabenheit und Ewigkeit aus… Hier ist das Land so unwegsam, daß es nur in Teilen besiedelt ist, was zur Schönheit viel beiträgt. Das Wetter verspricht auch wieder ausnehmend gut zu werden.
Mit unserem Kleinbus beginnt unsere Fahrt zum Canyon am Colcafluß entlang. Die lokale Führerin Lus erklärt wieder sehr viel, einiges doppelt. Ich genieße derweil die Aussicht. Auf einer Schotterstraße, die gelegentlich sogar leicht durch Rinnsale aus den Bergen überspült ist, nähern wir uns dem Ziel der Fahrt – el Mirador del Condor. Zwischendurch haben wir kurze Fotopausen gemacht und durften dabei gleich mal wieder feststellen, wie voll es momentan in Peru ist. Hier ist nämlich Hauptsaison, selbst für die Einheimischen. Auch sie reisen herum, weil es rund um den 28.7., dem Nationalfeiertag, zahlreiche Sonderferien gibt, die die nationalstolzen Peruaner nutzen, um ihr eigenes Land besser kennen zu lernen. Am Aussichtspunkt angekommen sollen wir uns alle zusammen auf einem Felsen eine Stunde lang aufhalten und auf die Condore warten. Weil ich, wen wundert’s, dazu nun überhaupt keine Lust habe, strolche ich für mich allein immer am Canyonrand herum und entdecke auch schon die ersten Condore. Diese Vögel sind genial mit ihrer Gleittechnik. Sie sehen aus wie Paraglider und nutzen perfekt den Aufwind. Nach einiger Zeit kommen auch die beiden Australierinnen zu meinem Aussichtspunkt und wir unterhalten uns ein wenig und machen unsere ersten Fotos von den Condoren. Allerdings sind sie fast nicht einzufangen und ziemlich klein, da sie noch so weit weg sind, nämlich relativ weit unten in der Schlucht. Wir beschließen, wieder zu den anderen aufzusteigen, wobei wir sehr die Höhe merken. Ich keuche mich die Stufen hoch. Wie soll das auf dem Trail werden? fragen wir uns. Oben klettere ich gleich noch etwas weiter zu dem einen Schweizerpärchen, Evelin und Michael, hinauf. Dort habe ich einen guten Blick auf die am Canyonrand stehenden Touris, die gespannt auf die Condore warten. Und plötzlich kommen sie, höher und näher. Wir steigen schnell ab, um sie aus der Nähe betrachten zu können. Von da an folgen viele Fotos von Condoren. Einmal kommt einer fast direkt auf mich zugeflogen und ich kann ihn aus nächster Nähe anschauen. Was für gewaltige Vögel, die mit ihrem Schwanz wie mit einem Ruder zu steuern scheinen. Kurzzeitig höre ich sogar das Rauschen ihrer Schwingen im aufsteigenden Wind. Sie sind faszinierend und schön.
Anschließend sind wir ein wenig am Canyonrand entlanggewandert und haben immer wieder die Schlucht und die Vegetation bestaunt. (Der Colca Canyon ist zwischen 1000 und 4000 m tief.) Auf der Rückfahrt hielten wir am Aussichtspunkt, von dem man den Beginn der Schlucht und gleichzeitig die durch die Inka angelegten Terrassen sehen konnte. Danach gab es noch einen Zwischenstop in Maca, um entweder ein Getränk zu testen oder die Kirche zu begutachten – oder beides, natürlich. Und es ging weiter zum Lunch in Buffetform, bei dem ich ein einfaches sandwich con huevo bevorzugte. Abends soll es schließlich noch einmal etwas zu essen geben. Nachmittags steht ein kurzer Stadtrundgang in Chivay auf dem Programm (Höhe hier ca. 3600-3800m). Abends wird es wieder ums Essen gehen, diesmal mit einer Folkloreshow gepaart (tanzen).





























