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"Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, die die Welt nie angeschaut haben." – A. v. Humboldt

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Pachacamac oder Wie lang kann eine Straße sein? (18.7.2014)

Posted on Juli 18, 2014Mai 27, 2026 by hobbit

Nun zum heutigen Tag, an dem ich doch das nachholen wollte, wozu ich gestern aufgrund kleinerer Routenunstimmigkeiten nicht gekommen bin. Auch heute war ich wieder mal sehr früh wach und wollte die Zeit nutzen, da man meiner Erfahrung nach hier auf keinen Fall vor sieben beim Frühstück erscheinen sollte, wenn man die volle Auswahl genießen möchte. Deshalb habe ich zuerst mal versucht zu telefonieren, mit dem Ergebnis, daß das Netz überlastet war (morgens um 5?). Dann bin ich zum Bloggen übergegangen, mit deutlich mehr Erfolg. So kurz vor 7 dachte ich mir, ich könne mich für das Frühstück fertig machen. Später, so gegen kurz nach neun, brach ich dann auf. Dieses Mal bin ich die Sache mit dem richtigen Bus strategischer angegangen und zur nächsten großen Ausfallstraße gelaufen, um dort den passenden Bus herauszufischen. – Hier eine kurze Nebenbemerkung zum Straßensystem in Lima: es gibt ein paar sehr breite, mehrspurige Fahrbahnen, die man in beide Richtungen befahren kann. Ansonsten gibt es oft nur Einbahnstraßen, d.h. als Fremder ohne Navi würde man sich hier vermutlich bis zum Armageddon verfahren, falls man etwas sucht. – Herausfischen? Oh ja! Hier fahren unzählige Busse, Minibusse und Taxis auf einer Strecke und alle benutzen dieselbe Haltestelle, an die sie aber nur ganz kurz oder eben gar nicht heranfahren, weil ja jeder (Einheimische) das passende Verkehrsmittel schon von Weitem erkennt und sich dementsprechend heldenhaft auf die Straße stürzt, um am besten noch im Fahren aufzuspringen, damit auch nur ja keine Zeit vergeudet wird. Da es aber auch unentschlossene Fahrgäste gibt, werden sie angehupt und laut, nein sehr laut rufend auf die Strecke des Busses aufmerksam gemacht. Neben dem Hupen, dem Reifenquietschen, dem Schreien und allen anderen Straßengeräuschen sind die Ansagen zwar kaum zu verstehen, aber die Einheimischen scheinen sie doch anhand von einer mir nicht eingängigen Lautfolge verstehen zu können. Nun gut, auf den Bussen sind sogar die großen Straßen, die sie entlang rauschen, zu lesen, aber, bitte, wer soll das so schnell lesen? Also bleiben Uneingeweihte evtl. einfach länger an einem paradero stehen, schließlich wird die nächste Mitfahrgelegenheit gleich kommen. Da es aber keine Anzeigen, übrigens auch keine Fahrpläne (wie auch, es gibt keine einheitliche Gesellschaft), gibt, müssen so arme Wesen wie ich den Fahrer oder Kassierer fragen und hier kann es zu Problemen kommen, wie ich heute zum zweiten Mal erfahren durfte.

Schlauer als gestern fragte ich nach der Universidad Ricardo Palma, von der angeblich alle wissen, wo sie sich befindet. Das hätte man aber vielleicht auch mal meinem heutigen Busfahrer beibringen können. Quintessenz, er hatte anscheinend keinen blassen Schimmer und ließ mich (sehr) viel zu früh raus. Weil ich ja nun schon wieder rein gefallen war, mich aber auch in der richtigen Straße befand, von der dann irgendwann eine Treppe zu einer anderen Straße hinunterführen sollte, entschied ich mich, einem Opferlamm gleich die Straße weiter entlang zu trotten. Ich weiß eines inzwischen sehr genau, nämlich daß diese Straße seeeehr lang ist. Zwei Frage-Etappen und eine Stunde später erreichte ich die besagte Uni, die einfach keiner übersehen kann, und stiefelte die Treppe hinab. Schon mal unter einer Brücke an einer Schnellstraße gestanden und versucht, den richtigen Bus zu erwischen und den Mitfahreranschreier nach dem Fahrziel zu fragen? – Nein? Kann ich auch nicht empfehlen. Ich musste mein „las ruinas de Pachacamac“ dem Mann ins Ohr brüllen und dann darauf vertrauen, dass er mich a) verstanden hatte und b) seine Auskunft richtig war. Ich stieg ein, irgendwie musste es jetzt mal klappen. Und das Ziel Lurin stimmte ja schon einmal. In einem Affenzahn, ich genau gegenüber der schon bei voller Fahrt geöffneten Tür, ging es meinem Ziel entgegen, jedenfalls hoffte ich das. Wir nutzen u.a. auch die Panamericana Sur mit Mautstelle (an Fabriken und Slums vorbei) und lasen an teilweise nicht als Haltestelle ausgewiesenen Stellen noch Leute auf. Gut, dass ich einen Sitzplatz hatte, denn im Minibus wurde es langsam unangenehm eng. Aber es geschehen noch Zeichen und Wunder! Ich wurde exakt vor der Ausgrabung von Pachacamac abgesetzt. Die Fahrt hat mich nur drei Soles gekostet, mit einem Taxi wäre ich auf mind. 35 bis 50 Soles gekommen, wobei es einen anderen Grund für mich gibt, Taxis zu meiden: Einem einzelnen Taxifahrer kann ich ausgeliefert sein, einem vollen Bus eher nicht, da sich wohl kaum alle verschwören, mich auszurauben. Ferner ist man in einem Taxi so was von abgeschnitten von den Menschen und fühlt sich auf dem Präsentierteller, weil man allein neben dem Fahrer sitzt und der in der Regel kein Gespräch will.

Da war ich nun also in Pachacamac wie auch eine Schule aus Lima auf Wandertag. Nicht daß es auf dem Gelände hätte voll werden können. Das ganze Areal ist so riesig, daß man die paar Besucher, gemessen an der Größe, kaum wiederfinden konnte. Ein paar andere Besucher, Peruaner, fuhren sogar mit dem Auto die Strecke ab und nur die tumben Touris aus Europa, die nämlich kein Auto zur Verfügung hatten, liefen die ca. 4 km durch den Staub. Die schiere Größe und die Lage sowie einzelne Fundstücke im Museum machen Pachacamac – das ist übrigens der Sonnengott / Schöpfergott der Inka – zu einem sehenswerten Ausflugsziel, aber mit meiner Vorstellungskraft hapert es leider wie immer, so daß ich mir das tatsächliche Aussehen der Anlagen nicht richtig vorstellen kann. Ein Guide wäre sicherlich gut gewesen, auch wegen der älteren Kulturen, aber ihren Bedarf muß man vorher anmelden. Letztlich ging es auch so, weil es Infotafeln gab. 

Anschließend stellte ich mich an die diesmal sogar vorhandene Bushaltestelle und wartete gespannt, ob genau die Minibusnummer kommen würde. Währenddessen kamen noch die drei anderen extranjeros, Franzosen, dazu. Kurz danach verfrachtete uns ein Minibusschreier in sein Gefährt und es ging zurück bis zur Universität. Dort kannte ich ja nun die Bushaltestelle und fand auch nach kurzem Fragen einen passenden Minibus, wo ich diesmal als escolar/ universitario medio durchging. Nach einer knappen Stunde Fahrzeit befand ich mich wieder ganz in der Nähe meines Hotels und hatte insgesamt 6,20 Soles für die Fahrten ausgegeben. Und ich war mittendrin gewesen. 

Ich pausierte lesend auf meinem Zimmer und ging dann abends nochmal los, um etwas zu essen aufzugabeln. Diesmal landete ich in einer peruanischen Fastfoodkette, die sich auf papas fritas und Sandwiches spezialisiert hat. Es gab auch anderes, aber was, kann ich nicht genau sagen, weil ich kaum spanische Wörter aus dem Bereich des Essens kenne und diese speziellen Angaben auch längst nicht alle im Wörterbuch zu finden sind. Allerdings erlebte ich noch eine kleine Episode. Ich bin mir fast sicher, daß man mir als Touri/Gringo einen Streich spielen wollte. Nach dem Bestellen und Bezahlen erhält man einen Bon und einen nummerierten Gegenstand, damit diejenjgen, die das Essen ausliefern, wissen, wem sie es geben sollen. Meine Marke wurde spontan vertauscht, so daß meine Bestellung mit einer anderen Nummer ausgeliefert wurde, als auf dem Teil stand. Klar, daß die sie erst nicht los wurden. Aber dann riefen sie laut die Nummer und juhu ich erkannte die Nummer als die Meinige und wedelte sofort mit meinem Bon. Sie haben sich entschuldigt und mir alles gegeben. Vielleicht haben sie sich sogar an der Kasse kurz beschwert, weil sie sich für etwas entschuldigen mußten, wofür sie nichts konnten. Nach dem Verzehren der papas schlenderte ich noch einmal im Karree und kehrte müde zurück, um zu bloggen und zu lesen.

Eine kleine Odyssee in Limas Vororte (17.7.2014)
Von der Fiesta zur ersten schweren Krise (19.7.2014)
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