Heute musste ich es erst einmal etwas langsamer angehen lassen, weil ich mich ziemlich zerschlagen von gestern fühlte und das trotz etlicher Stunden Schlaf. Deswegen machte es mir auch nichts aus, auf die „Reise Tante“ hier im Hotel zu warten, um sie zu fragen, wie ich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bis zu den Ruinen von Pachacamac kommen kann. Um kurz nach neun konnte ich sie belagern – grmpf, mein Englisch lässt in solchen Situationen immer sehr zu wünschen übrig – und mußte letztlich feststellen, daß sie wie auch die anderen Leute im Hotel bemüht waren, mir zu helfen, daß sie es aber kaum vermochten. Es scheint so gut wie nie Touristen in Hotels wie diesen zu geben, die nicht mit einem Taxi fahren wollen. Nach einigem Hin und Her hatte ich eine grobe Beschreibung des Weges bzw. der beiden Busse und konnte mich auf den Weg machen. Aber das war es dann auch mit meiner Planung!
Ich stand an einer Bushaltestelle, aber dort fuhr kein Bus, so wie mir beschrieben. Also fragte ich einen Mann vor Ort, der irgendwas mit den Bussen zu tun zu haben schien. Der verfrachtete mich auch gleich in einen Bus, wo ich nochmal den Kassierer fragte. Der war sehr freundlich und nickte zustimmend. Kurz danach war er noch netter und stufte mich als „joven“ ein, so daß mein Fahrpreis von 2 Soles auf 50 Centimos fiel. „Joven“, was für ein positives Urteil. Nur dann mußte ich schnell feststellen, daß beide Befragten gar nicht verstanden hatten, was ich gesagt und gewollt hatte, oder daß sie die Station nicht unter diesem Namen kannten.
Ich landete jedenfalls ganz woanders in einem Vorort, den ich immerhin nach etwas Suchen als Baranco erkannte. Noch beim Aussteigen hatte mir der nette junge Kassierer erklärt, wo ich lang gehen solle, um zur puente zu kommen. Erst nach meinem Forschen und einem Blick auf die Karte in meinem Reiseführer wurde mir klar, welchem Irrtum die helfenden Aussagen aufgesessen waren: Sie hatten geglaubt, ich wolle zur puente de los suspiros im Vorort Baranco. Nun hatte ich tatsächlich vorgehabt, diesen Ort mal aufzusuchen, aber doch nicht heute! Was blieb mir anderes übrig, als nun meinen Plan vollkommen zu ändern und mir zuerst Baranco anzusehen und dann weiter zu sehen? Ich tat dies, nur um dann festzustellen, daß Baranco m.E. nicht so sehenswert ist, wie behauptet wird. Außerdem war der Aufhänger für den Irrweg, nämlich die besagte Brücke, obendrein gerade ‚under construction‘.





Also schlappte ich zur Station der Metropolitana zurück und überlegte mir, dann eben heute nach Las Pantonos de la Villa zu fahren, einem Reservat für Vögel. Dazu mußte ich bis zur Endstation der Metropolitana und dann noch mit einer Verlängerung von ihr fahren, wobei ich in die Ausläufer Limas geriet. Links der Straße zogen sich die Elendsviertel, hier pueblos jovenes genannt, entlang. Kaum fertiggestellte Häuser, nur jeweils die in ein Quartier hineinführende Straße ist geteert, kein Strom, selten Wasser, alles staubig, aber, so scheint es jedenfalls, nicht total vermüllt. Weit und breit außer mir kein Gringo in Sicht. Als ich ausstieg, mitten in der Pampa, blieb der Eindruck. Nach einem kurzen Marsch zum Reservat, über mir kreisten Vögel, deren Art ich natürlich als ungebildeter Biologe nicht bestimmen konnte, erreichte ich den behelfsmäßigen Eingang. Dort sprach mich der Aufpasser an: eres joven? – schon wieder, sehr schmeichelhaft. Aber ich habe nicht geschaltet, denn als joven hätte ich ja nur die Hälfte gezahlt, sondern erklärte ihm, soy docente/professora , woraufhin er sich entschuldigte. Also betrat ich die Hütte am Eingang, in der mich eine relativ junge Frau erwartete und mir das Eintrittsgeld abknöpfte. Sofort begann sie mich mit Infos zu bombardieren, die ich auch weitgehend alle verstand, aber so schnell kaum sortieren konnte. Als sie mich fragte, ob ich noch Fragen hätte, meinte ich zu ihr, es sei schwierig, Fragen zu stellen, da mein Spanisch nicht so gut sei. Naja, sie erwiderte, ihr Englisch sei dafür nicht so gut (genau genommen vermute ich, konnte sie deutlich weniger Englisch als ich Spanisch). Daher trennten wir uns ohne Fragen und ich lief durch das Gebiet.
Sie haben sogar Aussichtstürme, aber ich hatte kein Fernglas, also konnte ich auch nicht so viel beobachten. Hier hätte nur ein Führer helfen können. Ferner war es mal wieder ein typisches Wetter in Lima: hohe Luftfeuchtigkeit und extremer Dunst, so daß man nicht sehr weit sehen kann und die Sonne eh nie durchkommt. Deswegen hatte ich obendrein ständig den Eindruck, mein Blick sei getrübt und ich sehe die Vögel nur schemenhaft. Zum Schluß wollte ich mir noch den abseits gelegenen Teil des Reservats am Meer anschauen. Um dorthin zu gelangen, mußte ich eine lange, staubige Straße entlang marschieren. Und dann erlebte ich etwas Seltsames: Ich kam zu einer Art Kontrollpunkt, an dem die Straße mit einem Tor versperrt war. Hier kam nur rein, wer ein Recht dazu hatte, also z.B. ein Ticket wie ich. Die Villa (=Dorf) heißt Surco (?), denke ich, und ist was für Reiche mit einem großen Sportplatz usw. Nach meinem Verständnis sah es da zwar noch nicht so reich aus, aber gemessen an der Umgebung auf der anderen Seite der großen Ausfallstraße und daran, daß es hier quasi so etwas wie Einfamilienhäuser gibt, ist es wohl ein Reichenörtchen. Und einen Lacher habe ich auch noch dazu: da habe ich doch tatsächlich in einem „Vorgarten“ einen bunten Gartenzwerg getroffen. Das habe ich gleich mit einem Foto dokumentiert. Ansonsten bin ich an dem ganzen Örtchen vorbei gelaufen, bis ich aufs Meer, den Pazifik, traf. Dort saßen hunderte Vögel auf dem Strand und die Wellen brachen sich schon bei fast Windstille enorm hoch in der Brandung. Und dann saß ich da, extrem allein, mitten im Nirgendwo, keiner hatte einen Plan, wo ich war, nur von Vögeln umgeben, abseits, keine Menschenseele weit und breit und der Krach der Wellen und der beängstigende Dunst in der Luft. Ob das zu glauben ist oder nicht, aber ich konnte mich keinesfalls entspannen, so wie ich es am Meer normalerweise immer kann. Ich hielt es einfach nicht aus und bin schon nach einer Viertelstunde wieder umgekehrt!








Den 40 min Marsch legte ich geruhsam zurück und suchte dann die Haltestelle. Auf der anderen Seite war sie ja ausgewiesen, aber eben nicht auf meiner. Ich lief also ein Stück in Richtung einer Firma oder so etwas, wo ich einen Sicherheitsmann danach fragte. Logisch, daß sie dort lag, wo ich hergekommen war, oder? Also wieder zurück… Dann hockte ich da auf einem Bordstein, den es nur dort gab und wartete… Und jo, da kam ein Bus, nur leider hatte der nicht auf der Rechnung, dass es mich an dieser Stelle geben könnte, und fuhr schwungvoll vorbei. Ein einhändiger Peruaner, der dort auf was weiß ich wartete, lachte schallend und meinte, dies sei gar keine echte Haltestelle… Egal, ich brauchte den Bus… Beim nächsten habe ich mich fast überschlagen beim Heranwinken des Busses und, voilà, er hielt. Nur – er war ein bißchen voll und zu allem Überfluß war meine Karte leer. Also gab ich wieder mal zwei Soles einem anderen, der mir dafür seine Karte lieh. Na wenigstens hatte ich das schon gelernt. Und so konnte ich endlich, zwar gequetscht, aber fahrend, den Rückweg antreten.
Im Hotel habe ich erstmal gebloggt und pausiert, um dann nochmal zum Essen Ergattern vor die Tür zu gehen. Ganz unfein, aber praktisch gab es etwas bei MacDoof und danach noch einen kleinen Spaziergang hier in Miraflores. Und wieder einen langen Schlaf, weil ich so fertig war.
