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"Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, die die Welt nie angeschaut haben." – A. v. Humboldt

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Lima – 11h kreuz und quer (16.7.2014)

Posted on Juli 16, 2014Mai 27, 2026 by hobbit

Eigentlich bin ich viel zu kaputt für einen weiteren langen Blogeintrag, zumal das Tippen auf dem Tablett echt ätzend ist. Mal schauen, was noch geht. Jetzt schnell vorab die bloßen Fakten:

Gegen 8 Uhr Aufbruch zum Spaziergang in Miraflores, prompt einmal ungünstig abgebogen, was die Strecke unwesentlich verlängerte. Nun ja, dafür habe ich die Blöcke rund um mein Hotel in Miraflores und verschiedene Banken mit ihren Automaten gut kennengelernt. Mehrere – claro, nicht jeder hatte noch Geld, um mir davon etwas abzugeben:-). Insgesamt habe ich das Wesentliche von Miraflores – Kennedy Park, Rathaus, Kirche, einen anderen Park – und noch dazu solche Örtlichkeiten wie MacDoof, Subway, Burgerking etc. zu sehen bekommen. Morgens ist hier nix los und abends ist mit mir nix los. Geniale Passung!

Huaca Pucllana mit englischer Führung

Weil ich nicht mehr wußte, wo ich noch lang laufen sollte – die Touriinfo war einfach nicht zu finden -, entschied ich mich, gleich am ersten Tag eine kulturelle, historische Stätte aufzusuchen: Huaca Pucllana. Hier konnte ich meine Teachercard einsetzen und zahlte nur den halben Preis, nämlich 5 Soles (unter 2€) inklusive englischsprachiger Führung, da man das Gelände ohne Führung nicht betreten darf. Dabei habe ich den Kassierer beinahe zur Verzweiflung gebracht, weil die dumme Geldmaschine mir nur 100 Soles-Scheine gegeben hatte. Ich besaß im Anschluss Kleingeld und er keines mehr, da bin ich mir sicher. Die Ausgrabung ist sehenswert, zumal sie mir vor Augen geführt hat, wie wenig ich über die anderen Kulturen in Peru weiß. Schon mal was von Wari und Ychsma gehört? Ich fühlte mich endlich ‚angekommen‘ und in meinem Element mit all der Geschichte. Danach schlenderte ich langsam zurück zur Straße und entdeckte einen inzwischen geöffneten Infopoint. Auch wenn keiner drin saß, stolperte ich über einen Hinweis auf eine Stadtführung in Lima-Centro zu Fuß, die in Miraflores ihren Anfang nehmen sollte. Also wandte ich meinen Schritt zurück zum Treffpunkt. Ha, jetzt kam es mir gelegen, dass ich schon einiges von Miraflores erkundet hatte.

Stadtführung zu Fuß (Centro de Lima)

Um 11.20 Uhr starteten wir am Ovolo vor dem Park, so um die 20 Leute. Auf gings zur Metropolitana, um mit ihr ins Zentrum zu gelangen. – n.b. ich lernte somit einen alternativen Weg ins Zentrum kennen und kann auf Taxis verzichten. – Auch bei diesem Verkehrsmittel, ein Bus by the way, kann man die falsche Steigerung anwenden: voll, voller, am vollsten oder quetschig, Ölsardine, luftschnappend. Im Centro rannte unser Guide beinahe von uns weg, ohne zu verraten, daß es Gründe für diese Eile gab, nämlich die um zwölf beginnende „Show“ der changing of the guards. Mit nur fünf Minuten Verzögerung erreichten wir die Plaza Mayor mit dem Regierungspalast.

Danach begann dann die eigentliche Stadtführung (Free Walking Tour): Gerald, ein Student, der zehn Jahre in New Jersey gelebt hat, zeigte uns einiges rund um die Plaza Mayor, auch weniger touristische Sehenswürdigkeiten wie z.B. ein Center mit artisanas. Er empfahl uns auch einen Stand mit empanadas und churros, beides peruanische/limaische Spezialitäten. Und weil ich ja von einer gewissen Person den Auftrag erhalten habe, soviel wie möglich zu lernen und auch ein wenig zu genießen, fühlte ich mich verpflichtet, beides zu probieren. Empanada con pollo schmecken interessant bis gut, churros etwas süß und gut. Einige sights später bekamen wir noch die Möglichkeit, Pisco Sour, das Nationalgetränk, in drei verschiedenen Ausführungen zu testen, was ich ebenfalls tat. Ich will ja mitreden können! Allerdings muss ich sagen, dass der Pisco nicht so ganz mein Fall ist, nicht mal der weniger Hochprozentige. – Am Fluss, der keiner mehr ist, und vor dem dorthin verbannten Reiterstandbild von Francisco Pizarro endete die Tour und jeder gab so viel tipping, wie er wollte. 

Vegetarisches Restaurant, einheimisch gegessen

Danach heftete ich mich noch an die Fersen der beiden Guides, die einem anderen und mir noch ein gutes vegetarisches Restaurant zeigten, wo wir auch gleich aßen. Dort gab es keine Touris, also auch keine Erklärungen, was denn das da auf der Speisekarte eigentlich sei. Geralds Versuche, mir das grob auf Englisch zu erklären, scheiterten zum Teil an meinen schwachen Kenntnissen zum Thema Speisen. Im Endeffekt gab es für mich ein kleines Menu (7 Soles), das aus einer Gemüsesuppe – keine Ahnung, was da alles drin war – und einem Hauptgericht, bestehend aus Trigos mit Reis und gebratener Banane, und einen Maracuja?-Saft bestand. Es war interessant, aber nicht so gut, daß ich mich hätte rein legen wollen. Obendrein merkte ich, daß ich doch noch etwas von dem Imbiss satt war. 🙂 

Plaza Mayor: angequatscht von Marcos

Die nächste Episode des Tages begann kurz, nachdem wir uns vor dem Restaurant verabschiedet hatten. Ich hatte mir gerade La Catedral mehr oder weniger nur von außen angesehen (Preis fand ich hoch) und mich auf die Stufen davor gesetzt, um im Reiseführer zu lesen und dabei die in Lima so selten erscheinende Sonne zu genießen, als sich ein älterer Typ neben mich setzte und anquatschte. Wir führten ein kleines, mühsames Gespräch, in dessen Verlauf er mir anbot, ich könnte ihn doch zu seinem bolivianischen Freund in die Bodega begleiten. Ich lehnte ab und Marcos verabschiedete sich kurz darauf. Ende der Episode, dachte ich, und ging zum nächsten Sightseeing über: San Francisco. Dort erwischte ich nur noch eine spanischsprachige Führung, denn auch hier gilt, daß man nur mit Führung besichtigen darf. Während ich wartete, entdeckte ich Mutter und Tochter aus Berlin wieder, die genauso wie ich an der blöden Eincheckmaschine verzweifelt waren. Dies war für mich sehr vorteilhaft, weil die Mutter als Spanischlehrerin mir bei ganz großen Unklarheiten – die Führerin war verdammt schnell beim Erklären – helfen konnte. Außerdem war der Smalltalk – ja, ich habe welchen gemacht:-)  – ganz unterhaltsam. Aber danach trennten sich unsere Wege wieder. 

Inzwischen war es schon fast dunkel geworden (6 Uhr), was mich bewog, durch die Fußgängerzone so langsam den Abflug aus dem Centro zu machen. Irgendwie ist es komisch, wenn man als einziger Gringo (Weißer) mit obendrein ganz anderen Klamotten so unter den anderen Fußgängern heraussticht.

Und da geschah es! Hat mich doch tatsächlich der Marcos von vor zwei Stunden in dem Schmelztiegel entdeckt und diesmal gelang ihm das Abschleppen in besagte Bodega, weil ich verdammt nochmal zu wenig schnell gesprochenes Spanisch verstehe. Ein Manko, das jeden Tag deutlicher hervortritt, stöhn. Jedenfalls landeten wir, wo ich nicht so richtig hin wollte, und nur meinen prinzipiellen Vorbehalten und Berührungsängsten verdankte ich einen Platz draußen. Marcos wollte mir noch viel von Peru empfehlen und dann kam der Haken: Er wollte mit mir ein ganz typisches Getränk trinken und nur wegen meiner misstrauischen Nachfrage, wieviel es denn kosten solle, wehrte ich Folgeprobleme ab. Sie wollten mir doch tatsächlich ein Getränk für 70 Soles aus den Rippen leiern, was ich bestimmt, aber entschuldigend (schnief, ich müsse doch mein Geld zusammenhalten) ablehnte. Danach gab es sofort einen schnellen Abschied und ich machte flugs, daß ich zur Metropolitana kam.

Dort lernte ich dann noch, wie man Mitfahrer auf der Karte eines anderen werden kann, und bewunderte im Stillen, mit welcher Ruhe und Disziplin die Leute in der Schlange stehen, um durch das Drehkreuz zu gelangen. Hier stellt sich einfach jeder hinten an, selbst wenn die Schlange dann wirkliche Schlangenlinien ziehen muss, weil ansonsten gar nicht genug Platz wäre. Schnell gelangte ich mit dem Bus zurück zum Hotel und fiel einfach nur noch aufs Bett. Für diesen Blogeintrag reichte es wirklich nicht mehr, weil ich so unglaublich müde war, daß ich bereits gegen halb zehn schlief. 

Nachtrag – Vom Fliegen und anderen Dingen (15.7.2014)
Eine kleine Odyssee in Limas Vororte (17.7.2014)
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