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"Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, die die Welt nie angeschaut haben." – A. v. Humboldt

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Mein Scooter und ich – wir wackeln durch die Gegend (23.2.2017)

Posted on Februar 23, 2017Mai 23, 2026 by hobbit

Um 5.45 Uhr piept mein Wecker. Nun aber schnell los. Anziehen und Sachen greifen, hinaus auf den Roller. Diesen langsam etwas vom Haus wegschieben, damit nicht alle gleich aus dem Bett fallen. Dann starten und das Licht finden, langsam über das kurze Wellental tuckern und beim Abbiegen nicht gleich wieder den Motor abwürgen, weil ich Koordinationsprobleme mit der Gas- und Bremshand habe. Warum muß man auch ständig etwas Gas mit rechts geben, wenn gleichzeitig empfohlen wird, immer mit der Bremse vorn (auch rechts) zu bremsen? Eine Hand und zwei Aufgaben, total bescheuert. Doch die erste Hürde, das Erreichen der Hauptstraße, meistere ich, da netterweise kein anderer um diese Zeit hier verkehrt.

Ein seeeeehr langer, dunkler und unbekannter Weg

Mein Ziel liegt nur knappe 20km außerhalb von Hanga Roa. Doch diese können verdammt lang werden, wenn man fast nichts sieht, die Straße und vor allem die Schlaglöcher kaum erkennt und sich in dieser Stockfinsternis fürchtet. Hinzu kommt, daß ich den Weg nur nach Karte bzw. Erinnerung an die Karte fahren kann. Prompt verfahre ich mich. Doch bereits kurze Zeit nach der verpassten Abzweigung dämmert mir, daß ich zurück muß. Wozu Adrenalin und ein fehlendes Frühstück doch so alles gut sein können…

Panik …

Jetzt bin ich also auf der richtigen Straße, die irgendwie nur abwärts führt. Hoffentlich sind die Klippen nicht so nah, hoffentlich steht hier um diese Zeit kein Rindvieh herum, hoffentlich sehe ich alle Unebenheiten auf der Straße rechtzeitig. Langsam gewöhne ich mich an das Knattern meines Rollers, höre dazwischen auch die Grillen zirpen und die Wellen gegen die Felsen schlagen. O_O, das ist so laut, vielleicht lande ich doch gleich im Meer? Panik… Panik bekämpfen!

Morgenschimmer

Verkrampfung lösen, zum Himmel schauen. Wow, was für ein Sternenhimmel! Nach vorn schauen, keinesfalls die Konzentration aufgeben. Im Osten sehe ich einen ersten Schimmer über dem Meer, ganz schwach, aber er erleuchtet ein wenig den Horizont. Das ist noch lange nicht die Sonne, aber ihr Vorbote. Wieder wow! Wer hat schon einmal zusehen können, wie der Horizont leicht zu glimmen anfängt?

Zeitnot

Doch die Zeit wird knapp und ich habe keine Ahnung, wie weit es noch zu den 15 Moais in Tongariki ist. Diese ganze Plackerei gilt ja dem Ziel, den Sonnenaufgang hinter den Moais zu erleben. Ich kurve also weiter über die Küstenstraße. Daß es inzwischen schon auf sieben Uhr zugehen muß, wird mir an den mich überholenden Autos klar. Es sind jetzt schon ein paar gewesen. Also immer weiter und ab und zu mal etwas mehr Gas geben. Und plötzlich ein Schild, das auf einen Abzweig zum Rano Raraku hinweist. Yeah, jetzt weiß ich, daß es nicht mehr so weit sein kann. Ich habe ja die Karte im Kopf. Und richtig, nur etwas später – gemessen an der vorausgegangenen Rüttelei – erreiche ich einen Parkplatz mit etlichen Menschen. Wie gut, daß sie hier alle herumstehen, ich wäre glatt vorbeigefahren, da es kein Schild gibt. Und ich liege hervorragend in der Zeit: Die Sonne läßt sich noch nicht blicken. Doch wo stehen eigentlich die Moais?

Ahu Tongariki – stehende Moais

Hier scheint der Eingang zu sein, da die Menschen davor stehen. Ich zwänge mich durch das Drehkreuz und stehe nun fast allein jenseits des Mäuerchens. Plötzlich erscheint ein Mann, der wohl zu Conaf gehört, denn er beginnt im Schein seiner Handy-Taschenlampe die Tickets zu kontrollieren. Mich sieht er gar nicht, weswegen ich mein Ticket nicht zeigen müßte. Aber ich halte es ihm trotzdem hin. Im Gefolge anderer Frühaufsteher tappe ich langsam eine kleine Schräge hinunter, die immer mal wieder durch Handy-Leuchten erhellt wird. So sehe ich auch zum ersten Mal die Moais als dunkle Figuren vor einem immer noch erfreulich dunklen Himmel. Wir haben also alle genügend Zeit, einen Spitzenfotoplatz zu ergattern.

Es ist immer noch sehr früh

Die nächsten 1,5 h verbringe ich mit dem Photographieren der Moais und dem Himmel hinter ihnen. Als ich mir zwischendurch einmal die Gesichter der Moais genauer ansehen möchte, schlendere ich langsam vor ihnen vorbei. Bzw. ich versuche es, werde aber von einigen anderen empört zurückgepfiffen, weil ich durch ihr Bild laufe. Wenn sie gute Kameras hätten, würden sie mich gar nicht erwischen. Aber den Zorn der Masse will ich mir nicht zulegen, also trolle ich mich wieder nach hinten und verschiebe die Begutachtung auf später.

Rano Raraku – Vulkankrater und Steinbruch

Nach diesem aufregenden Auftakt des Tages verlasse ich gegen neun Uhr schließlich die Moais und wende mich meinem nächsten Vulkan zu. Auf dem Weg setzt kurz ein Minisprühregen ein, so daß der Berg in einem seltsamen Licht gebadet ist. Am Eingang zur archäologischen Stätte ist noch keiner, obwohl hier ab neun Uhr jemand sein müßte. Also stille ich meinen Hunger mit einer Empanada con carne vegetariano (d.h. Soja) und warte wie einige andere auf die Leute von Conaf. Gegen zehn geruhen sie immerhin schon zu erscheinen.

Atelier der Rapa Nui

Als einer der ersten trage ich mich in das Registrierungsbuch – wieder all diese dummen/ sinnlosen Informationen – ein und beginne mit der Besichtigung der am Berghang liegenden resp. stehenden Moais. An drei Stellen sind sogar noch nur z.T. aus dem Felsen gehauene Moais zu erkennen. Während meiner weiteren Entdeckungstour treffe ich auf einen ganz besonderen Moai. Dieser kniet und hat seine Hände in den Schoß gelegt. Damit ist er auf der ganzen Insel einzigartig. Und vermutlich kann das keiner so richtig erklären, jedenfalls nicht die Guides, bei denen ich gelegentlich gelauscht habe. Prinzipiell wäre hier ein Guide gut, aber diesen müßte man mitbringen. Schade, daß es keinen vor Ort gibt.

Luftig in geringer Höhe

Nach diesem Rundgang, der auch einen Blick aus der Ferne auf meine 15 Moais einschloß, kehre ich zum Ausgangspunkt zurück und ersteige den Vulkan. Das hört sich langwieriger an, als es tatsächlich ist. Oben angelangt erblicke ich einen Kratersee, der so wie gestern mit Schilf und anderen endemischen Pflanzen bewachsen ist. Auf der anderen Seite des Kraters sehe ich eine Herde Pferde und Richtung Süden zahlreiche Moais (nur die Köpfe) am Hang des Kraters. Hier ist es überwiegend grün und auf unserer Seite stehen sogar einige Laubbäume, die Schatten spenden. Und es geht stets eine kühlende Briese. Ein Ort geschaffen für eine kleine Siesta. Also strecke ich mich im Schatten aus und genieße die Ruhe und „Frische“.

An der Südküste entlang

Am frühen Nachmittag mache ich mich dann auf den Rückweg nach Hanga Roa. Von der Küstenstraße aus bewundere ich immer wieder die Wellen, die Gischt und die Farben des Meeres. Zwischendurch halte ich an einer weiteren archäologischen Stätte, kommuniziere dort ein wenig mit Verkäufer und Aufseher und betrachte die umgestürzten Moais auf ihrem Ahu. Doch schon geht es weiter.

Koordination?!

Das Fahren fällt mir nun etwas leichter, mal ganz abgesehen davon, daß ich alles sehen kann. Allerdings gelingt die Feinkoordination in der rechten Hand manchmal nicht ganz so gut, so daß ich insbesondere beim Abbiegen auch schon einmal das Moto abwürge. Aber egal, solange ich keinen Unfall baue…

Hunger!

Die letzte archäologische Stätte (Vinapu) auf dieser Strecke kann ich auf den ersten Blick nicht finden. Daher beschließe ich, zur Tankstelle zurückzukehren, da mein Tank entgegen der Zusage des Vermieters leider nicht vollgetankt war und der Anzeiger nun schon bei Rot steht. Dazu fahre ich an der Start- und Landebahn entlang und erlebe das erste Mal bewußt, wie lang so ein Ding ist. Kurz darauf bin ich 2.500 Pesos ärmer (ca. 3,5€) und kehre zum Nachmittagsessen (Wassermelone) zum Hotel zurück.

Auf ein Neues!

Um es kurz zu machen: Einfach so im Hotel zu bleiben, ist nicht meins. Also breche ich zu einer zweiten Tour auf und crashe beim Starten mit dem Moto beinahe in einen Zaun. Tja, zu viel Gas ohne Bremse kommt nicht gut. Dann geht es aber los zum Steinbruch Puna Pau, in dem das rote Vulkangestein für die Hüte (Puaus) der Moais abgebaut wurden. Leider gibt es hier wenig zu sehen, aber man hat einen guten Blick auf Hanga Roa und die Landebahn. Danach fahre ich zum Ahu Akivi, auf dem sechs Moais aufgerichtet wurden. Dort quatsche ich kurz einen Guide an, der mir erzählt, man brauche höchstens eine Stunde für den Marsch auf den (höchsten) Vulkan hier, den Maunga Terevaka. Dafür habe ich gerade noch genug Zeit, bevor ich den Scooter zwischen sieben und acht zurückgeben muß. Vamos!

Shortcuts bring long delays!

Wie so oft fehlt hier die Ausschilderung. Vielleicht gibt es genug Wanderer, die Einheimischen laufen hier bestimmt nicht herum. Außerdem sollten sie wohl den Weg kennen. Ich folge also der ehemaligen „Straße“ mit strammem Schritt. Die Uhr tickt. Irgendwann schaut es so aus, als ob die Sandstraße abbiegen würde, also nehme ich eine Abkürzung über einen grasüberwucherten Feldweg. Dort lande ich schließlich im Grasnirwana, gehe etwas zurück und biege erneut ab, so daß ich durch einen schönen Wald laufen kann. Doch irgendwie sieht das alles nicht nach einem Krater aus… Bei einem Blick auf die Uhr schwant mir, daß ich den Krater heute wohl nicht mehr sehen werde. Ich muß mich querfeldein durchschlagen, um im Zeitplan zu bleiben.

Während ich also wieder einmal durch hohes Grasland marschiere, kreist ein Chimango über mir und kreischt wie wild. Es fehlt nicht viel und er würde sich mir im Sturzflug nähern. Ob er wohl mein rotes T-Shirt doof findet? – Endlich sehe ich den Abstieg und zwei Menschen, die vom Krater – ach da drüben ist er! – herab kommen. Bei meiner Eile hole ich sie bald ein, überhole sie und lasse sie schnell hinter mir. So erreiche ich mein Moto rechtzeitig und kurve auf einer weiteren unbekannten und sehr löchrigen Straße nach Hanga Roa zurück. Und nun noch schnell weg mit dem Gefährt und entspannen auf der Hotelterrasse. Hier entspinnt sich dann allerdings ein Gespräch mit einem neuen deutschen Gast, was für den nächsten Tag folgenreich ist.

Rapa Nui (21.2. – 27.2.2017)
Auf und Ab im Zick-Zack durch „verbotenes Land“ (24.2.2017)
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