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"Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, die die Welt nie angeschaut haben." – A. v. Humboldt

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Rapa Nui (21.2. – 27.2.2017)

Posted on Februar 22, 2017Mai 23, 2026 by hobbit
  • Lage: isoliert gelegene Insel im Südostpazifik
  • Einwohner: ca. 5800
  • Gründung: von dem Niederländer Jakob Roggeveen entdeckt
  • Unterkunft: Kaimana Inn

Die Isla de Pascua oder Rapa Nui (Osterinsel) gehört politisch zu Chile, geographisch jedoch zu Polynesien. Sie liegt südlich des südlichen Wendekreises. Der Hauptort Hanga Roa ist 3526 km von der chilenischen Küste und 4251 km von Tahiti entfernt. Das nächstgelegene bewohnte Eiland ist Pitcairn im Westen, in einer Entfernung von 2078 Kilometern. Bekannt und berühmt ist Rapa Nui vor allem wegen der monumentalen Steinskulpturen, den Moai. Seit 1995 ist die Osterinsel als Nationalpark Rapa Nui Teil des UNESCO-Welterbes. Die Osterinsel erhielt ihren Namen, weil als erster Europäer Jakob Roggeveen am Ostersonntag, dem 5. April 1722, mit drei Schiffen auf ihr landete. Er nannte sie Paasch-Eyland (Osterinsel), nach dem Tag der Entdeckung.

Hanga Roa – Tanz auf dem Vulkan (22.2.2017)

Am ersten Tag auf der einen (!) Osterinsel stand zuerst einmal Organisation an: Geld abheben, um den Eintritt in den Nationalpark (54.000 Pesos – ca. 79€) bezahlen zu können; Karten und Wasser besorgen, um wandern zu können; schließlich Hanga Roa erkunden. Und vor allem akklimatisieren, da es hier doch ein wenig warm, aber vor allem luftfeucht (90%) ist. Schon nach kurzer Zeit lief der Schweiß. Doch leider konnte er nicht verdunsten, so daß ich beinahe zu tropfen anfing.

Eine schweißtreibende Wanderung

Wenn es ohnehin schon heiß ist, ist ein wenig mehr Hitze im Körper nicht weiter schlimm. Also beschloß ich, den an Hanga Roa, der „Stadt“ auf Rapa Nui (Osterinsel), angrenzenden erloschenen Vulkan zu besteigen. Dafür durchquerte ich die Stadt, lief an der Landebahn entlang und erreichte schließlich den Abzweig zum Wanderpfad auf den Rano Kau.

Zuerst führte mich der Weg durch eine Art Garten mit Anzucht, dann durch ein Wäldchen, über freie Wiesen, durch ein weiteres Wäldchen und dann nur noch bergauf in der prallen Sonne. Schnauf! Doch mit einem gleichmäßigen Schritt erreichte ich dann meine erste Zwischenstation, den Krater des Vulkans. In der Caldera befindet sich heute ein See mit endemischen Pflanzen, die nur hier noch gedeihen. Deswegen ist der Zutritt untersagt. Nicht, daß dies für alle zu gelten scheint. Aber die meisten halten sich an diese Regelung.

Am Kraterrand entlang zum Kultort

Von hier stieg ich noch etwas höher am Kraterrand entlang, bis ich die archäologische Stätte Orongo erreichte. Auf dem Parkplatz traf ich auf eine Deutsche mit ihrer (Halb-)Rapa Nui-Tochter, die seit Jahren auf Rapa Nui lebt und hier auf dem Parkplatz gerade Kunsthandwerk verkaufte. Ich stellte ihr ein paar Fragen, war jedoch irgendwie ungeschickt, denn sie riet mir, doch erst einmal in die Anlage „Orongo“ zu gehen und danach zurück zu kommen. Irgendwie ahnte ich, daß sie danach nicht mehr da sein würde, was sich auch als richtig herausstellte. Damit war sie schon die zweite deutsche Schwierigkeit, nachdem ein bayrisches Ehepaar schon am Frühstückstisch mit mir nicht hatte warm werden können.

Und wieder jemanden irritiert

Beim Betreten des Eingangs rief mich der Aufseher an, fragte nach dem Ticket und forderte mich auf, mich mit allzu vielen Daten in ein Registrierungsbuch einzutragen (Name, Alter, Guide, Wohnort, Nationalität, Abreise, Geschlecht, Paßnummer, evtl. noch etwas). Ich fragte nach dem Zweck. Er versuchte mir den Sinn der (handschriftlichen!) Datenerhebung plausibel zu machen. Man könne so am Ende des Jahres auswerten, wie viele Frauen im Alter von … bis … aus Frankreich hier gewesen seien. Und ich fragte wieder: Wozu? Ich könne ja schließlich alles hier eintragen (keine Ausweiskontrolle). Langsam wurde er etwas unwirsch, denn darauf hatte er keine andere Antwort, als daß man die Daten eben auswerten werde. Außerdem waren seine Englisch-Kenntnisse wohl auch zu begrenzt, um sich auf eine derartige Diskussion einzulassen. Aber vor allem stellt hier in Chile niemand etwas offen in Frage. Wie unhöflich von mir doch wieder…

Orongo – Fruchtbarkeitskult oder was auch immer

Wie so oft bei archäologischen Stätten frage ich mich, woher die Leute all das zu wissen glauben, was sie für bestimmt halten. Die Kultur(en) auf Rapa Nui kannten keine Schriftlichkeit, sieht man einmal von den Petroglyphen ab. Doch diese beruhen auf sehr alten Traditionen und wie es bei derartigen Dingen oft geschieht, weiß man oft später kaum noch, warum etwas so und nicht anders aussieht. Oder was eine Petroglyphe im Einzelnen bedeutet. Man kennt die Bilder einfach zu lange schon.

Doch zurück zum Orongo (keine Ahnung, ob der Artikel stimmt). Hier stehen noch Überreste von ehemaligen Kulthäusern und einige Petroglyphen und vor der Küste liegen zwei winzige Motus (Inseln). Zu Motu Nui gibt es eine eigene Kultgeschichte, die mit einem speziellen Vogel, seinem Ei und dem Status des jährlichen Finders des ersten Eis dieses Vogels zu tun hat. Sehr unterhaltsam. Die Kultur/ Religion ist eine eher auf Fruchtbarkeit ausgelegte und hat mit der Kultur der Moai nichts zu tun, sondern hat diese wohl eher abgelöst.

Generell ist der Ausblick hier oben schön, sowohl auf das Meer als auch in den Krater. Für die unterschiedlichen Stationen auf dem Pfad gibt es ein erklärendes Faltblatt und intakte zweisprachige Schilder. Damit ist dies eine gepflegtere Stätte als zumeist.

Warten auf einen Abflug

Nach diesem Rundgang am Rande des Vulkans stolpere ich wieder zum Kraterrand hinunter und lasse mich dort auf einem erhöhten Punkt nieder, um den Ausblick auf Hanga Roa zu genießen. Dabei sehe ich die LAN-Maschine auf dem Flughafen. Da ich weiß, wann sie starten müßte, will ich ihren Abflug abwarten. Mal sehen, wie das von oben aussieht.

Der Flughafen selbst besteht praktisch nur aus der einen Lande- und Startbahn, die beinahe so lang ist, wie hier die Insel breit ist. Das abhebende Flugzeug wird also fast sofort über dem Meer sein. Doch gemäß südamerikanischem Zeitempfinden verspätet sich der Abflug um insgesamt 40min, warum auch immer. Doch schließlich höre ich das hochtourige Röhren der Turbinen, die Maschine fegt über die Startbahn und erhebt sich scheinbar mühelos in die Lüfte. Und dabei sieht sie von hier oben so klein und handlich aus.

Meine Freunde, die Tiere

Auf meinem anschließenden Rückweg habe ich zuerst einen neuen Freund. So trottet ein Hund hinter mir her, dessen schnelle Schritte mich zuerst erschreckt haben. Dann versuche ich ihm in mehreren Sprachen mitzuteilen, daß ich keine Begleitung wünsche. Vergebens! Er folgt mir weiter, doch mit einem etwas größeren Abstand. Vielleicht hofft er, ich würde es so nicht merken. Doch dann kommt mir ein Pärchen entgegen und … der Hund widmet sich ihnen. Wunderbar.

Doch als ich durch eines der Wäldchen komme, höre ich wieder Geräusche. Noch ein Hund? Nein, keineswegs, es sind Kühe mit Hörnern (jaja, es sind Kühe, Euter und so). Sie schauen mich erstaunt an und ein Kalb hoppelt vom Pfad weg zu seiner Mutter. Ok, Bauernhof, denke ich. Aber nicht viel weiter raschelt es wieder. Dieses Mal sehe ich einen Hahn mit vier Küken herumlaufen, die sich einem Photo zu entziehen versuchen. Nicht geschafft, claro. Nun ja, was fehlt in dieser Reihe der Tiere noch? Richtig, ein Pferd. Und schon passiere ich auch diese Spezies. Da stellt sich nur die Frage: Wo waren die alle, als ich hier auf meinem Weg nach oben vorbeigekommen bin?

Ein Abend auf der Gemeinschaftsterrasse und ein Scooter

Nachdem ich auch noch einige Klippen und die darunter liegenden Höhlen, ausgespült durch die Strömung des Meeres, bewundert hatte, kaufte ich in Hanga Roa Wassermelone und Pfirsisch/ Nektarine für mein Abendbrot ein. Dieses verzehrte ich auf der zwischen den Räumen liegenden Gemeinschaftsterrasse. Hier traf ich wieder auf das französische Paar, mit dem ich mich in der altbekannten Version Französisch hören und Englisch sprechen verständigte. Erstaunlich, wie man so viel gereist sein kann, ohne zusammenhängendes Englisch sprechen zu können. Danach miete ich noch für 24h einen Scooter und versuche mich kurz mit dem Fahren. Es ist erst das zweite Mal auf einem Moped/ Mofa. Beim ersten Mal vor vielleicht zehn Jahren hatte ich einen kleinen Unfall, der allerdings nur ein völlig aufgeschürftes Bein und einige blaue Flecken nach sich zog. Und dennoch würde ich gern meine Unfallrate von 100% auf 50% senken. Hoffentlich klappt das bei dem höheren Schwierigkeitsgrad: Nachtfahrt morgen früh, um den Sonnenaufgang hinter den Moais von Tongariki zu sehen.

Ein Rundgang durch Santiago (21.2.2017)
Mein Scooter und ich – wir wackeln durch die Gegend (23.2.2017)
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