Nach einem langsamen Morgen, da der Tag mit dem Flug zur Osterinsel (5:35 Dauer) noch lang werden würde, spazierte ich durch Santiagos Zentrum. Dabei freute ich mich darüber, die Wege noch alle richtig in Erinnerung zu haben. Gleich zu Beginn traf ich in der Fußgängerzone auf eine Gruppe von 22 Straßenmusikern, die klassische Musik zum Besten gab. Vor allem die erste Geige war richtig gut, was auch die Umstehenden begeistert zur Kenntnis nahmen. Von dort schlenderte ich zur Plaza de Armas und erneuerte meine Bekanntschaft mit diesem lebendigen Zentrum Santiagos.
Auf diesen Platz lesen Einheimische, „sorgen“ sich um ihr Smartphone, treffen sich zu einem Plausch, reitet die Pferdepolizei unter den Palmen durch, plantscht ein Mädchen begeistert im Springbrunnen (wahrscheinlich nicht so gedacht), laufen die Eisverkäufer mit ihren kleinen, bunt beklebten Boxen herum, jagen Kinder Tauben, hofft ein Photograph auf Kundschaft, werden Bilder zum Kauf angeboten, leeren Müllsammler händisch die Mülleimer und sitzen einfach noch ein paar Leute rum, die alle anderen beobachten (so wie ich). Hier ist immer bis spät abends etwas los!
Santa Lucia – eine Wissenslücke wird geschlossen
Im Anschluss suche ich Santa Lucia auf, das beim letzten Mal wegen des starken Regens geschlossen war. Dabei handelt es sich um einen relativ hohen Hügel mitten im Zentrum von Santiago, auf dem ein Garten, ein Mausoleum, ein Ausblick, eine Terrassenanlage und eine Villa zu finden sind. Doch vor allem der Ausblick auf das sich rundherum erstreckende Santiago ist großartig. Im Hintergrund der Stadt erkennt man wegen des Sommerdunstes nur schwach die Anden, darunter einen Fünftausender. Davor sieht man zahlreiche Hochhäuser, die an eine „westliche“ City erinnern. Und man hört trotz der Entfernung den Straßenverkehr deutlich zum Ausguck heraufschallen. Die gesamte Anlage zeugt von altem Prunk, der wie eine Insel aus der Vergangenheit im Strudel des modernen Santiagos übrig geblieben ist. Sehr lohnenswert.
Und noch ein wenig wandeln auf alten Pfaden
Von dort falle ich geradezu über die riesige Nationalbibliothek, deren erkundbares Innenleben prachtvoll (und altmodisch) ist. Nach diesem Abstecher schlendere ich weiter auf der Av. B. O’Higgins entlang, gönne mir einen Super-Muffin (bezahlt wird an einer Extrakasse, so daß noch eine Person mehr am Verkauf mitverdienen muß), höre eine Frau lautstark gegen Gott und die Welt wettern (mit erhobener Faust Richtung Kirche), sehe ältere, weibliche Kontrollettis am Bussteig arbeiten und zwänge mich durch all die Straßenhändler hindurch, die nahezu alles anbieten (kaltes Wasser, Schokolade, Gürtel, T-Shirts, Haushaltswaren mit Vorführung, Tarot-Lesen etc.). Dagegen wirkt das Parlamentsgebäude langweilig, aber schön. Beim TV-Tower funktioniert diesmal die sich drehende automatische Reklame. Witziger sieht allerdings seine Spiegelung im Nachbargebäude aus. Kurz danach treffe ich noch auf ein altes, aber ungewöhnlich bunt bemaltes Gebäude, bevor ich auf der Rückseite des Regierungssitzes kurz mit zwei Paradereitern des Heeres ins Gespräch komme. Ihre Pferde seien deutsche Pferde, aus dem Norden. Zu dumm, daß ich das in meiner Unkenntnis nicht zu schätzen weiß.
Ausklang
Nach einem kurzen Abstecher in die Fußgängerzone erreiche ich schließlich wieder den Hauptplatz, verweile dort ein Weilchen und suche danach nach einem bezahlbaren Essenstempel. Nicht weit entfernt werde ich fündig, jedenfalls in dem Sinne, daß ich in einem ultralauten „Schnell-Italiener“ Gnocci mit einer weißen Sauce (plus Champignons aus dem Glas, brr) vorgesetzt bekomme. Na gut, immerhin sehr sättigend. Zurück im Hotel verdaue ich noch etwas, um letztlich gegen halb vier via U-Bahn und Bustransfer zum Flughafen zu fahren. (Wieder einmal vorn gesessen und im Bus gegart worden.) Der Check-In geht noch schnell, weil ich früh genug da bin. Etwas später sieht das ganz anders aus, hehe. Und dann durch die Sicherheit und auf den Abflug gewartet. WhatsApp sei Dank kommt dabei keine Langeweile auf! (Flug wie immer bei LAN super, dabei etwas am PC geschrieben und Musik gehört, entspannend.)















