Plauder-Wanderung im Nationalpark
Heute sollte es zu einer Wanderung in den süd-westlichen Teil des Nationalparks Nahuel Huapi gehen. Da man dorthin allerdings etwas länger braucht, war die Abfahrt auf gegen halb neun angesetzt. Argentinische Zeitrechnung. Wir starteten mit nur geringer Verspätung vom Club Andino und fuhren im üblichen Transporter über die Ruta 40 Richtung Süden, bis nach etwa einer halben Stunde der Abzweig zum Cerro Tronador die Weiterfahrt auf einen Ripio verlagerte.
Endlich in der Überzahl
Der Guide Fernando, der wirklich zweisprachig war, erklärte auf der gesamten Fahrt ab und zu etwas, wobei die Erklärungen auf Englisch meist umfangreicher ausfielen. Dies hatte durchaus seinen Grund. Es gab nämlich das erste Mal seit meiner Ankunft hier einen größeren Anteil an fremdsprachigen Touristen als an spanisch-sprechenden. We outnumbered them 6:2 (2x Australia, 1x Austria, 1x USA, 2x Germany).
Auf dem Weg zum Cerro Tronador
Die nächsten 1,5h rumpelten so dahin. Währenddessen fuhren wir an zwei großen Seen entlang und durch den üblichen Mischwald hindurch. Gelegentlich gab dieser auch den Blick auf gegenüberliegende Bergspitzen frei, auf denen ein-, zweimal sogar noch Schnee zu sehen war. Schließlich erreichten wir Pampa linda, einen Ausgangsort für Touren rund um den Cerro Tronador (= Thunderer = Donnerer, ein ehemaliger Vulkan, der manchmal Asche spukt und dabei lautstark grummelt). Dieser Berg hat drei Spitzen, die gerecht auf beide Länder verteilt wurden (jeweils 1,5 Spitzen, salomonisch, oder?). Seine höchste Spitze ist 3491m hoch und er besitzt sieben Gletscher, von denen wir uns einen genauer angeschaut haben.
Schwarzer Gletscher
Nach einer kurzen Pause in Pampa linda fuhren wir weiter zum schwarzen Gletscher, der in der Tat sowohl von innen als vor allem an der Oberfläche überwiegend schwarz ist. Dies ist auf die Ablagerung von Asche und anderem vulkanischen Material zurückzuführen. Insofern ist er ein besonderer Gletscher, dem allerdings ebenfalls ein rascher Rückgang beschieden ist. Wir verweilten dort nicht so lange, sondern kehrten zügig nach Pamapa linda zurück, um unsere Wanderung zu einem Mirador zu starten.
Mirador – schon, aber nicht auf den Cerro Tronador
Dann begann endlich die gemütliche Wanderung, die in eine Richtung zwei Stunden in Anspruch nehmen sollte. Ich nutzte die Zeit zu einigen Plaudereien. Zuerst unterhielten wir uns auf Deutsch, dann wechselte ich jedoch meine Gesprächspartner und unterhielt mich mit Debbie, einer Australierin aus Melbourne. Ähnlich hielt ich es auf dem Rückweg: Zuerst sprach ich längere Zeit mit dem Australier, dann wieder mit Debbie. Mich interessierten deren Ansichten über politische und gesellschaftliche Entwicklungen, da sie aus einer ganz anderen Kultur mit großer räumlicher Distanz zu Europa beobachten.
Der Weg selbst war landschaftlich sehr schön, doch ich war ziemlich stark auf die Gespräche fokussiert, da blieb nicht so viel Aufmerksamkeit übrig. Unser Ziel lag etwas versteckt. Es war eine Schlucht, die in früheren Zeiten durch die Gletscher geformt worden war. Heutzutage sitzt man ganz tief unten im ehemaligen Flußbett und schaut zum Gletscherrest hinauf. Die vor einem aufragende Steilwand ist etwa 500m hoch und gesäumt mit kleinen und größeren Wasserfällen. Da auch die Sonne schien, war dieser Platz wirklich gut für die Mittagspause geeignet.
Und wieder zurück das Ganze
Mit einem gefüllten Magen und „ausgeruht“ – nicht daß wir das gebraucht hätten – marschierten wir wieder zurück, in Gesprächstandems könnte man sagen. An der Basisstation konnten wir nochmals kurz pausieren und vor allem den nun nicht mehr umwölkten Cerro Tronador photographieren. Doch schließlich stiegen wir ein und begannen mit der zweistündigen Rückfahrt, die im Trubel Bariloches gegen 19 Uhr endete. Ein schnelles „Ciao“ und – weg sind sie alle. Meine Wenigkeit erledigte noch einige Besorgungen und ging beim Chinesen essen. Wie schön doch ein Reisgericht sein kann…








