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"Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, die die Welt nie angeschaut haben." – A. v. Humboldt

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Blick auf den Nationalpark (8.2.2017)

Posted on Februar 8, 2017Mai 23, 2026 by hobbit

An meinem zweiten Tag in Bariloche ließ ich es ruhig angehen und frühstückte lesender Weise ganz gemütlich. Dann erkundigte ich mich nach einem Friseur in der Nähe und ging dort mal vorbei. Tja, vor zehn haben diese Läden hier nicht auf. Also gut, dann erst einmal nur zur Bank, da blank. Das Hotelzimmer hatte ich nämlich gestern in bar bezahlt, weil das Maschinchen für die Kreditkarte seinen Geist aufgegeben hat. Und dann endlich mal wieder ran an die Diss.

Alltägliches

Zwei Stunden später suchte ich den Friseur erneut auf und kam gleich dran. Auch in diesem Metier ist es noch so wie vor etlichen Jahren in Deutschland: Es gibt keinen cm-Aufsatz für den Rasierer, sondern es wird mit Augenmaß geschnitten. Und vor dem Ausrasieren des Nackens wurde sogar Rasiercreme verwendet, was beides schon lange bei den Cut&Go-Läden im Friedrichshain out ist. Der Haarschnitt mit insgesamt zweimal Waschen kostete dann nur 200 Pesos (ca. 12€), war gut und genau richtig kurz. Huh, das wehte nun wieder am Kopf, zumal das Wetter heute vor allem bis mittags sehr bewölkt war. Daher kehrte ich zum Hotel zurück, um meine Jacke zu holen, bevor ich mich meinem Tagesziel, der Gondelfahrt zum Cerro Otto, zuwandte.

Cerro Otto – Blick auf den Nationalpark

Der im Preis enthaltene Transferbus brachte mich zur Talstation der Gondelbahn, wo ich so schnell war, daß ich eine Gondel für mich allein erwischte. Es stellte sich schnell heraus, daß das nur eine begrenzt gute Idee war: Die Gondel wackelte etwas mehr im Wind, als wenn sie vollbesetzt gewesen wäre. Und die Bergstation war noch sooo fern…

Hin- und Herpendeln

Während der Fahrt versuchte ich mich abzulenken, doch eigentlich verspannte ich mich nur immer mehr. Höhe und freier Fall sind einfach nicht mehr mein Ding. Schön, daß ich das erst in der Gondel bemerke. Das Ticket für die Talfahrt werde ich wohl nicht benutzen, entscheide ich.

Endlich wieder festen Boden unter den Füßen

Oben angekommen (1425m) nutzte ich die dazu ausgebaute Dachterrasse der Bahn für einen herrlichen Ausblick in alle Richtungen. Es war zwar schade, daß die Sicht heute nicht so gut war und die Kontraste zwischen Wäldern und See verschwommen, doch beeindruckend ist es allemal. Wenn nur nicht das Gerumpel der Bahn unter meinen Füßen gewesen wäre. Also suchte ich andere Ausblickspunkte auf, kam ins Gespräch mit einem deutschstämmigen „Aufseher“ aus Bariloche und begann dann mit dem Abstieg, weil ich so gar keine Lust hatte, dort oben noch weiter herumzulaufen.

Schlittern, rutschen, in einer Staubwolke verschwinden

Das erste Stück, etwa ein Drittel der Gesamtstrecke (Höhendifferenz etwa 700m), war ultrasteil, so daß ich befürchtete, bei einem Fehltritt den Hang hinabzupurzeln. Und staubig war es. Und voller loser Steine. Kann man eigentlich Steinlawinen lostreten? Im Prinzip sah meine Fortbewegung die erste Zeit eher wie Sandboarding nur ohne Brett aus. Oder wie beim Skifahren, wenn man auf einer schwarzen Piste in möglichst weiten Serpentinen die steile Piste kreuzt, weil man keine Schußfahrt machen möchte. Aber das war der Weg, ehrlich, keine unerlaubte Abkürzung.

Das Mittelstück

Irgendwann wurde es soweit besser, daß ich mit etwas weniger Mühe, jedoch mit der gleichen Konzentration weiter hinabsteigen konnte. Bloß immer schön tief in den Knien und die Oberschenkelmuskulatur nutzen, um das schwache Knie zu schützen. Morgen steht doch noch eine mehrstündige Wanderung auf dem Programm. So schaffte ich auch den nächsten Abschnitt.

Am Ende im doppelten Sinne

Im letzten Drittel gab es viel mehr Pflanzen und der Weg wurde zu einem erkennbaren Weg, der zum Schluß zwischen Privatgrundstücken hindurchführte. Schon hörte ich die Hauptstraße, sah die Talstation und wollte gerade meine letzten Schritte auf dem Hang machen, da komme ich erneut ins Straucheln und Rutschen, kann mich im Gegensatz zu den vorherigen Malen nicht halten. Dank eines Reflexes kann ich mich aber mit der linken Hand abfangen und werde nur gut durchgestaucht. Grummel, Grummel, das wäre nicht nötig gewesen, wenn ich meine Konzentration einfach noch etwas gehalten hätte.

Ausklang

Naja, nichts passiert. Also stelle ich mich in die Warteschlange für den Bus und beginne zu lesen. Plötzlich werde ich angesprochen. Es ist Antonia, die gerade mit der Gondel zurückgekommen ist. Wir unterhalten uns ein wenig, fahren zusammen zurück und sitzen noch etwas in einem Café in der Fußgängerzone zusammen. Dort besprechen wir ihre Reiseroute, aber bald verebbt das Gespräch. So verabschieden wir uns und gehen unserer Wege. Der Meinige führt mich zum Supermarkt und dann ins Hotel. Es gibt noch Einiges zu schreiben!

Bosque de Arrayanes und Isla Victoria (7.2.2017)
Cerro Tronador (9.2.2017)
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