Ein weiterer Tag für gute Laune
Am nächsten Tag wartete ich morgens kurz vor neun am nächstgelegenen Sammelpunkt auf meinen Transfer zum Hafen Pañuelo (Taschentuch), in dem ich ein Boot zu besteigen beabsichtigte, das mich zuerst auf eine kleine Insel zu einem Wald aus Arrayanes bringen sollte. Halbwegs pünktlich verließen wir diesen Treffpunkt und holten noch einige Leute direkt vor ihren Hotels bzw. weiteren Sammelpunkten ab. Die ältere Fremdenführerin hatte übrigens nicht einmal angeboten, zweisprachig zu arbeiten. Wie sich später herausstellte, ist ihr Englisch auch nur schwach ausgebildet und trotz des deutschen Namens kann sie wohl kein Wort Deutsch.
Eintritt, Eintritt, Eintritt
Im Hafen angekommen galt es zunächst die Hafensteuer und den Eintritt in den Nationalpark zu zahlen. Sobald man irgendeine Tour rund um Bariloche macht, darf man jedesmal diesen Eintritt bezahlen. Und diese Tickets – für alle Nationalparks die gleichen, nur mit einem anderen Stempel versehen – gelten jeweils nur einen Tag. Da könnten sie auch gleich eine Kurtaxe erheben. Aber wahrscheinlich wäre das Risiko zu groß, daß die Gelder dann ganz woanders versickerten.
Eine neue Bekanntschaft
Kurz danach bestiegen wir in einer großen Meute ein älteres Schiffsmodell und begannen unsere eineinhalbstündige Fahrt zur kleinen Insel. Aus Sicherheitsgründen mußten wir beim Ablegen alle einen Sitzplatz einnehmen, komische Regel bei einem Binnensee, mag er auch noch so groß sein. Aber Antonia, eine etwa gleichaltrige Deutsche (von Beruf Architektin), meinte, ich solle es einfach hinnehmen. Wir hatten uns beim Aussteigen aus dem Bus getroffen und verbrachten ab da den gesamten Tag zusammen. Es war mal sehr angenehm, den kurzen Weg der Muttersprache bei Mitteilungen benutzen zu können. Und es war ein Gedankenaustausch möglich…
Die Fahrt über den See
Bereits kurz nach dem Ablegen eroberten wir den Bug und standen im Wind. Brr, das war ganz schön kalt an meinen Beinen, denn ich trug die tags zuvor erworbene kurze Hose. (Die anderen in Frage kommenden Hosen waren in der Wäscherei.) Doch die Sonne wärmte schon ein wenig. Allerdings gingen wir später auf meinen Wunsch doch ins Innere des Schiffes und fanden einen Platz am Tisch einer netten Familie mit vierjährigen, sehr aufgeweckten Zwillingen. Da war ganz schön was los.
Im Wald der Arrayanes
Wegen der vielen Touristen und auch wegen der Unterhaltung mit meiner Begleitung konnte ich von diesem Wald nur wenig „erleben“. Er ist so besonders, weil hier die Arrayanes durchaus ihre ganze Größe erreichen und bis zu 300 Jahre alt werden. Diese endemischen Bäume haben es auf dem Festland deutlich schwerer. Selbstverständlich wachsen hier nicht nur die Arrayanes, sondern auch andere Baumarten, z.B. die Coihues (Mapuche für „ein Ort mit Wasser“). Und durch diesen Wald führte nun ein mit breiten Bohlen gestalteter Holzweg, auf dem sich die Tourimasse ohne Guide und Erklärungen (wohl zuvor auf dem Schiff) einmal rundherum bewegte. Bei unserer Tour gab ich mein Wissen zu den Bäumen wieder und genoß nochmals den kalten und glatten Stamm der Arrayanes. Sie bleiben meine favorisierte Baumart.
Und weiter zur Isla Victoria
Nach diesem eher kurzen Ausflug (45min) brachte uns das Boot zu einer sehr viel größeren Insel, auf der man ebenfalls einige Pfade ablaufen konnte. Außerdem bot sich für einige ausgewählte die Chance, Kajak zu fahren. Doch viele wollten einfach nur an den Strand, wenn auch vielleicht nicht unbedingt ins Wasser, wie wir beobachteten.
Spazieren …
Wir erforschten die Insel allein, da wir keinesfalls in einem riesigen Pulk über die unglaublich staubigen Wege kriechen wollten. Dabei kamen wir an Schwarzgeiern – so jedenfalls meine Vermutung – und einigen schönen Ausblicken vorbei. Wir sahen allerdings auch ein altes leerstehendes Hotel, andere ältere Gebäude und Überreste eines Sessellifts mit einem Ausstiegshinweis in deutscher, französischer und spanischer Sprache. Nimmt man noch das Aussehen der intakten Gebäude hinzu, scheint die Insel in Bariloches erster Blütezeit (30er und 40er Jahre) etwas belebter gewesen zu sein.
… und Sonnen
Als wir alle Wege erkundet hatten, setzten wir uns abseits auf einen Steg und genossen die Sonne und den Ausblick auf die Bucht. Allerdings wurde es uns dann zu warm und wir zogen weiter, bis wir ein lauschiges Schattenplätzchen mit einem weiteren schönen und erhöhten Ausblick auf die andere Seite der Bucht hatten. Der Wind erfrischte mich ein wenig zu sehr, also wechselten wir wieder in die Sonne, bis unser Boot uns abholen kam. Auf der kurzen Rückfahrt genossen wir nochmals den Fahrtwind im Bug, die Skyline der Berge und die Weite des Sees. Und schon ging es mit dem Bus zurück nach Bariloche, wo wir uns trennten. Meine Wenigkeit suchte nach einem chinesischen Restaurant, das mein Reiseführer empfiehlt. Und siehe da, es gab endlich mal wieder Reis!













