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"Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, die die Welt nie angeschaut haben." – A. v. Humboldt

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Nach einem Waldbrand (1.2. – 2.2.2017)

Posted on Februar 2, 2017Mai 23, 2026 by hobbit

Die letzten beiden Tage in Esquel lassen sich mit Relaxen und Wandern zusammenfassen. Weil ich mal wieder meinen Blog auf Vordermann bringen wollte und dazu auch die Bilder sortieren, bearbeiten und hochladen musste – was ziemlich lange dauert, wenn man der Internetschnecke dabei zugucken kann – , dauerte es den ganzen Tag. Abzüglich einiger Zeit für Besorgungen und einem Gang zu Agency, denn ich hätte gern meine Kajak-Erfahrungen vertieft. Doch leider war der Wind dagegen. So beschloss ich, wie Cecilia mir im Laufe unseres Gespräches empfohlen hatte, am nächsten Tag mit dem Microbus auf eigene Faust in den Nationalpark zu fahren (zum südlichen Zipfel, Villa Futaleufquen am ebenso benannten See). – Übrigens habe ich ihr sogar geholfen, als zwei andere Touristen kamen, die – trara – tatsächlich auch keine Spanisch-Sprecher sind. Ihr Englisch ist nicht so gut und wenig flexibel, da habe ich den beiden die Orte im Nationalpark erklärt. Das war witzig.

Über Stock und Stein (2.2.2017)

Am darauffolgenden Morgen stand ich also früh auf, um gegen halb acht am Busbahnhof zu sein, damit ich auch ganz sicher mitgenommen werden würde. Die Plätze sind nämlich begrenzt. Ich erwarb mein Ticket – ida y vuelta – und wartete. Plötzlich sah ich das Ehepaar vom Vorabend wieder, das ebenfalls mit dem öffentlichen Bus zum Park aufbrechen wollte. Ich sprach ihn an und wir kamen ins Gespräch. Als seine Frau dazu kam, dachte sie doch glatt, ich käme vielleicht aus Argentinien. Da lachten wir beide – wir hatten gerade über unsere Nationalitäten (sie = Holländer) gesprochen – und wir unterhielten uns weiter. Plötzlich schaute ich mir ihre Tickets an und stellte fest, daß sie zu viel bezahlt hatten. Das änderte ich, indem ich den älteren Verkäufer, zugleich auch Busfahrer (wahrscheinlich Familienbetrieb, denn seine Frau war auch da), darauf aufmerksam machte. Und er erstattete sehr hilfsbereit das überzahlte Geld. All solche Kleinigkeiten führten jedoch dazu, daß wir keineswegs pünktlich um acht den Bahnhof verließen.

Erster Halt des Buses: Bitte aussteigen!

Eine gute Stunde später kamen wir am Parkeingang an, wo eine Frau durch den Bus ging, um den Eintritt einzutreiben. Als ich an der Reihe war, versuchte ich mit meinem alten Ticket (ein Tag zu alt) durchzukommen. Dabei stotterte ich „Ayer, ayer, estuve …“ Nun ja, eigentlich hätte da noch „enferma“ (krank) kommen sollen, aber die Ticketverkäuferin hatte schon die Lust verloren und ließ mich passieren. Sehr freundlich von ihr.

Knappe 12km später hieß es in Futaleufquen aussteigen. Hier gibt es sogar ein paar Häuser und eine größere Information, zu der Neuankömmlinge wie das holländische Ehepaar hinströmen. Ok, das hört sich an, als ob wahre Massen unterwegs gewesen wären. Es waren vielleicht zehn Leute oder so. Ich schaute dort nur kurz vorbei, registrierte, daß die von mir gewählten Routen als gangbar deklariert waren, und begann mit meiner Wanderung in Richtung Puerto Limonao.

Am Ufer entlang und dann hinauf

Die ersten Kilometer führten mich am Seeufer entlang – ohne die Berghänge mit scheinbar weit entfernten Überresten (Waldbrand) zu sehen – , immer ein wenig auf und ab, über Wurzeln jeder Größe hinweg. Manchmal überquerte ich auch Minibrücken oder Steine in kleinen Flußbetten. Während der Wanderung kam so langsam die Sonne durch das Blätterwerk und die Vegetation war wie gewohnt abwechslungsreich und den Weg beinahe erobernd. Dieser ist wie ein Waldlehrpfad mit Informationstafeln zur Flora beschildert. Witzigerweise wurden manche Texte sogar ins Englische übersetzt, aber sicher nicht von einem Experten, da gelegentlich sogar Wörter in der Übersetzung fehlten.

Nach einiger Zeit kam ich an die von mir avisierte Abzweigung und bog auf den Pfad zum Krügger-See und damit zum Pfad zu den fünf Wasserfällen ab. Kurz darauf stand ich vor einem Schild, daß mich zu beiden Wegen informierte. U.a. durfte ich lesen, daß der Pfad zu den Wasserfällen geschlossen sei. Wie jetzt? Am Ausgangsort war derartiges nicht vermerkt gewesen… Hmm, egal, einfach mal losgehen. Gedacht, getan.

Fünf Wasserfälle …

Als ich etwas später auf eine Weggabelung traf, an der ein Weg durch Äste versperrt war und der andere laut Info-Tafel zum Krügger-See führte, schlich ich mich an dieser Sperre sowie an den folgenden vorbei und stieg den Berg hinauf. Zuerst gab es noch ein paar Serpentinen, dann wurde es „direkter“ (steiler). Doch die Blicke auf den See und die umliegenden Berge entschädigten für die Mühen.

Es wurde wärmer. Und auf einmal kam mir sogar eine Wanderin entgegen. Ich war also nicht allein ein „Verbots-Verächter“. Aber eigentlich war es ja auch gar nicht verboten. Und die paar schiefen Bäume konnten ein Verbot doch auch gar nicht rechtfertigen. So denkt, wer noch nicht alles gesehen hat und sich vor allem auf die nächsten Schritte vor sich konzentriert.

… und ein beklemmender Anblick

Bei zunehmender Höhe bemerke ich einen schleichenden Übergang vom normalen Wald zu mehr verkohlten Baumstümpfen, angekokelten Bäumen und fehlendem Unterholz. Dafür wachsen dort frische junge Bodendecker und gelbblühende Pflanzen. Auch der Boden verändert sich: Manchmal wird er so weich, daß ich bis zu den Knöcheln einsinke. Es ist staubig. Asche! Und überall gibt es kleine Wurzelüberreste, vollkommen verkohlt. Der Weg ist schon lange nicht mehr zu erkennen.

Doch ich höre das Plätschern der Wasserfälle. Also gehe ich weiter, inzwischen der Sonne ausgeliefert, da der natürliche Schutz nicht mehr da ist. Mein Unbehagen wächst. Ganz allein hier oben, wo wahrscheinlich wirklich niemand herumlaufen soll, damit sich der Wald von seinem letzten Brand erholen kann. Keiner weiß, wo ich bin. Und da der Weg versperrt ist, würde hier auch niemand suchen. Die Abhänge sind nicht mehr fest, da die toten Wurzeln nichts mehr halten. Bloß nicht zu nah herangehen.

Heiß und trocken

Als ich endlich die Wasserfällchen sehe, reicht es mir. Genug gesehen, genug gerochen vom Tod des Waldes. Auch wenn ich durstig und hungrig bin, gehe ich lieber bis zur gesunden Umgebung zurück, zumal es dort eine Bank (Baumstamm) zum Ausruhen gibt. Hier bleibe ich eine Weile, erfrische mich, lese und genieße den Ausblick auf den See. Doch da ich hier gekocht werde, steige ich bald weiter hinab.

Am „Strand“

An der Weggabelung teste ich den anderen Weg für einige Zeit, kehre dann jedoch um, weil es irgendwie unheimlich ist, wenn die Bäume so knarren, knarzen und knacken (Zone der „Recuperation“, neues Wachstum nach einem früheren Brand und viele sehr alte/ tote Bäume). Es ist auch schön; es riecht sonnig. Doch, nein, irgendwie ist das nichts. Also kehre ich zum Ufer zurück und beende den Weg zum ehemaligen Hafen (Puerto Limonao). Dort spaziere ich noch einige Zeit über den felsigen Strand bis zu „meinem“ Rastplatz, an dem ein Arranyan meinem Rucksack und damit meiner Verpflegung Schatten spendet. Der Wind kühlt angenehm und die leichten Wellen sorgen für eine entspannende Geräuschkulisse. Hier kann man sich sonnen, lesen und auf den See starren, wenn man beim Denken etwas zum Fokussieren benötigt. Entspannend!

Der lange Weg zurück in Menschenwelt

Am späten Nachmittag kamen dichte Wolken auf, es wurde kühler und ich begann mit dem Rückweg. Schließlich wollte ich ohnehin sicher gehen, früh genug an der Haltestelle zu sein. Es fährt nur dieser eine Bus zurück. So schlenderte ich gemütlich den Uferpfad zurück, traf in der Nähe der Haltestelle die Holländer wieder und setzte mich wegen der frischen Temperatur in die Info hinein. Einige Zeit später kamen wir wieder ins Gespräch und ich erfuhr z.B., daß die beiden Farmer (Kühe) sind, vier Kinder haben und jedes Jahr einen Monat reisen. Als Backpacker immer dort, wo es im Gegensatz zum europäischen Winter sommerlich warm ist. Sehr cool.

Wir kamen während der Rückfahrt dann auch auf Politik zu sprechen: Auch in den Niederlanden eine traurige Angelegenheit wegen Wilders. Er meinte sogar, dieser könne die meisten Stimmen erhalten, obwohl die Niederlande gar kein Flüchtlingsproblem habe, da das System zur Integration gut funktioniere. Es ist wirklich egal, mit wem ich spreche. Überall das Gleiche: Leute, die reisen, teilen die heimatliche Engstirnigkeit nicht und sind zumindest besorgt hinsichtlich der Zukunft.

Wandern und Kajak – Natur pur (31.1.2017)
El Bolsón (3.2. – 6.2.2017)
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