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"Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, die die Welt nie angeschaut haben." – A. v. Humboldt

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El Bolsón (3.2. – 6.2.2017)

Posted on Februar 5, 2017Mai 23, 2026 by hobbit
  • Lage: in der Provinz Río Negro, südlich von Bariloche
  • Einwohner: ca 14.000
  • Gründung: unklar, stete Besiedelung, ab dem 1970er Jahren stärkeres Wachstum
  • Unterkunft: Cabanas Tunquelen

El Bolsón hat ein ungewöhnlich mildes Klima wegen seiner Tallage. Zuerst lebten hier verschiedene Eingeborenen-Stämme, von denen man kaum etwas weiß. Die zuletzt zugewanderten „Indianer“ sind die Mapuche. Eine Besiedlung durch Weiße erfolgte durch deutsche Einwanderer, die von Chile aus (Llanquihue) nach El Bolsón kamen. Ab den 1970er Jahren wanderten Hippies aus Buenos Aires nach El Bolsón zu, die z.T. Handwerkskunst betrieben. Die heutige Tourismus-Branche basiert auf einem Kunstmarkt, Fliegenfischen, Trekking, Rafting, Klettern und anderen Outdoor-Aktivitäten. El Bolsón ist daher ein Anziehungspunkt für die Natur liebende Rucksacktouristen.

El Bolsón – Im eigenen Heim

Wie passend für einen Lehrer, in einem Städtchen namens „Schultasche“ haltzumachen. Hier nächtigte ich in einer Cabaña, deren Name ebenfalls viel versprach: Tunquelen. Dies ist Mapuche und bedeutet – aus zwei Sprachen übersetzt (Mapuche – Spanisch – Deutsch) – etwa so viel wie „ein Ort der Erholung/ der Ruhe“. Kein Wunder, daß hier so viele Hotels, Cabañas oder Hosterias diesen Namen tragen. Und das Beste kommt jetzt: Es gab eine überraschend gute Internetverbindung, die es mir sogar erlaubte dekadent zu streamen und lange nach Deutschland sowie Indien ohne Sprachverzerrung zu telefonieren. So ein Luxus!

Zwei Tage Ferias de las Artesanias

Zufälligerweise habe ich es dieses Mal sogar geschafft, zum richtigen Zeitpunkt, d.h. in diesem Fall am Wochenende, in El Bolsón zu sein, da dann ein in der Region bekannter Wochenmarkt mit Kunsthandwerk und Naturalien stattfindet. Neben den Futterständen und Lebensmitteln, z.B. Käse, der im Supermarkt garantiert nicht zu finden ist und sogar halbwegs wie Käse riecht und schmeckt, gibt es ein vielfältiges Angebot an Handwerk, hergestellt aus den verschiedensten Materialien: Leder, Stoffe, Holz, Ton, Metall.

Was ist zu finden?

Besonders dominant ist hier das Holz. So findet man sehr viele Küchenutensilien aus Holz, aber auch Instrumente, Spielzeug und Verzierungen für den Garten. Einigen wenigen Handarbeitern kann man obendrein bei der Arbeit zuschauen. Doch wirklich faszinierend fand ich einen Stand mit wunderschönen, witzigen „Duendes“ (Kobolden), die auf Holz hockten, zum Aufhängen gedacht waren oder – und das war echt klasse – als Schachfiguren auf einem überdimensionalen Schachbrett standen. Jede Figur war einzigartig und alle hatten niedliche und abstruse Gesichter zugleich.

Klein, aber fein

Wie zu bemerken ist, bin ich ein paar Mal über den Markt gelaufen. Allerdings ist er nicht so groß gewesen. Vielleicht entspricht er etwa im Umfang dem Angebot auf dem Boxi, doch seine Vielfalt ist bedeutend größer. Außerdem wirkt er familiär. So ziemlich jeder Verkäufer kannte die Umstehenden und einige Einheimische scheinen richtig auf diesen Markt zu warten, weil er Abwechslung (fast Volksfestcharakter) und besondere Nahrungsmittel bringt. Entsprechend voll waren dann auch die Gänge.

Und sonst?

Viel gibt es über die „Schultasche“ nicht zu erzählen, weil ich keine großen Touren oder so gemacht habe, auch wenn ich es versucht habe. So war ich am Samstag bei einem Tour-Operator und wollte eine Reittour buchen. Andere Touren gab es für den Sonntag eh nicht, es sei denn Paragliding. Aber Reiten in Patagonien stand auf meiner To-Do-Liste, bis ich dort eines besseren belehrt wurde. Als ich vorsichtshalber noch einmal nachfragte, ob ich die Tagestour mit dem gelegentlichen Reiten auch machen könne, obwohl ich zwei Rückenoperationen gehabt hätte, gab es ein dreistimmiges „Auf gar keinen Fall“ in zwei Sprachen. Diese Vehemenz überzeugte mich – wer will schon mitten auf der Strecke in einem Flußtal jwd vom Pferd absteigen müssen und sich nicht mehr bewegen können? Demnach hatte ich Tour-frei, was ich als Wink des Schicksals nahm, alles schön gemütlich anzugehen und dabei auch noch etwas Geld zu sparen.

Am Tage des Herrn sollst Du ruhen!

Also stieg ich am Sonntag auf den nahe an meiner Unterkunft gelegenen Aussichtspunkt hinauf, suchte mir ein schattiges Plätzchen (25° im Schatten) und dachte gründlich nach. Manchmal störte mich der Schall der Hauptstraße, der durch den Wind bis zu mir hinauf getragen wurde, doch meist konnte ich in aller Ruhe vor mich hinstarren und kritzeln. Jaja, dafür nehme ich immer Schmierzettel und Stifte mit, da ich alles aufschreiben muß. Mein Gehirn hat einfach schon zu viele Löcher…

So verbrachte ich insgesamt zwei gemütliche Tage mit Herumschlendern, Einkaufen, Essenmachen, Filme gucken, Telefonieren, Vertreiben der Katze aus meinem Bungalow, Lauschen auf die Ibisse im „Vorgarten“, Denken und allerlei anderen Kleinigkeiten. Ferien von den Ferien, könnte man sagen.

Nach einem Waldbrand (1.2. – 2.2.2017)
San Carlos de Bariloche (6.2. – 10.2.2017)
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