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"Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, die die Welt nie angeschaut haben." – A. v. Humboldt

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Ruta 40

Posted on Januar 24, 2017Mai 23, 2026 by hobbit

Ruta Nacional Quarenta (Ruta 40)

Diese Straße ist berühmt, da sie einmal von Norden nach Süden durch das argentinische Patagonien führt. Damit ist sie beinahe so berühmt wie die Panamericana, die von Nordamerika bis nach Feuerland (sie endet in der Ruta 3, Argentinien) reicht. Sie ist allerdings auch berüchtigt für ihre Straßenverhältnisse und Einsamkeit. Hier zu trampen ist selbst im Sommer ein gewagtes Spiel, für das man Zeit mitbringen sollte.

Weil sie so einzigartig ist, wollte ich sie auf jeden Fall erleben. Zuerst hatte ich ja über Selbstfahren nachgedacht, doch bei den Preisen für das Leihen von Autos verwarf ich diese Idee bereits vor Wochen zuhause. Also Busfahren! Für manche Abschnitte ist es übrigens empfehlenswert, sich ein Ticket im Voraus zu reservieren. Oder man darf etwas länger an einem Ort verweilen, weil der Bus bereits voll ist, wenn er ankommt, und er ohnehin nur jeden zweiten Tag Richtung Norden fährt. Gut, daß ich das weiß. Meine Tickets für die ersten beiden langen und besonders nachgefragten Abschnitte habe ich bereits in Ushuaia käuflich erworben…

Abschnitt 1 auf der Ruta 40: El Calafate – Perito Moreno

Genaugenommen bin ich schon auf der Fahrt nach El Calafate ein Stück auf der Ruta 40 unterwegs gewesen. Doch so richtig begonnen hat meine Tour erst mit der Abfahrt von El Calafate.

Kurz nach 18 Uhr ging es los in Richtung Norden, auch wenn wir zuerst noch einen Abstecher (nur etwa 3 Stunden Umweg) nach El Chalten unternahmen. Mir standen 14 Stunden in einem Bus (semi-cama, d.h. Halb-Bett und ist auch geräumiger als im Flugzeug) bevor, ohne jede Pause oder gar frische Luft, da die Klimaanlage wie so oft kaum den Ausdünstungen der Menschen entgegen wirken konnte. Aber ich hatte einen Spitzenplatz, direkt vorn oben am Fenster. So wurde ich allerdings zuerst auch ein wenig gegrillt (s. Klimaanlage), da wir der Sonne entgegenstrebten.

Nach dem Sonnenuntergang wurde es dafür dann kalt, bis sich alles in einem gleichmäßig warmen Mief relativiert hatte. Geschlafen habe ich nicht, aber immerhin gedöst. Und des Morgens einen schönen Sonnenaufgang genossen. Doch jetzt zur Ruta 40, die ich hier etwas näher vorstellen möchte.

Sonnenaufgang in Patagonien

Was geht noch als Straße durch?

Ich habe ja bereits ein paar Mal von den „Ripios“ erzählt. Ursprünglich bestand diese famose Straße nur aus diesem Steinarsenal, das unheimlich knirscht und nur langsames Fahren ermöglicht. Doch im Laufe des zunehmenden Tourismus und dem damit verbundenen Busverkehr (jedenfalls im Sommer) wurde die Straße größtenteils geteert. Der Rest soll noch folgen, doch bei der Arbeitsgeschwindigkeit hier (noch viel langsamer als in Deutschland, allerdings sind die Entfernungen zwischen den Nachschubmöglichkeiten um ein Vielfaches größer) wird die Fertigstellung wohl noch etwas dauern.

Doch selbst wenn die Straße geteert wurde, dann nur mit so wenig Breite wie möglich. Im Klartext: Es müssen ein Bus und ein LKW aneinander vorbeipassen, doch bitte nicht fragen wie. Es erinnert an die Trabbi-Breiten auf deutschen Straßen und dem Versuch, mit zwei dicken Westautos aneinander vorbeizukommen, ohne im Graben zu landen. Es ist wirklich so. Weil das so eng ist, reduzieren beide ihre Geschwindigkeit und selbst dann „pfeift“ es noch ganz schön oder der Bus wird leicht auf den (unbefestigten und ausgefransten) Rand getrieben. Man sieht daher entsprechend viele Reifenspuren auf dem Teer und im steinigen Randstreifen.

Neben diesen oft sehr brüchigen Straßenrändern – bei den Temperaturschwankungen hier kein Wunder – gibt es selbstverständlich auch viele kleine und größere Löcher mit mehr oder minder guter Ausbesserung. Aber immerhin ist die Mitte markiert, das Überholen an vielen Stellen verboten – wen schert es? – und man wird vor in die Straße einmündenden Zufahrtstraßen gewarnt. Warum eigentlich? Sollte durch Zufall sich tatsächlich einmal ein Auto auf einer dieser Straßen auf die Ruta 40 zubewegen, dann kann es nicht übersehen werden. Es sei denn, es wäre kleiner als ein niedrigwachsender Busch und könnte sich hinter ihm verstecken.

Rund um die Ruta 40: die patagonische Steppe

Wir haben Sommer, es ist also trocken. Das ist immer dann sehr auffällig, wenn wir eine „Minibrücke“ überqueren, vor der zuvor ein Schild „Rio X“ angekündigt hat und … weit und breit kein Fluß zu sehen ist. Ich gebe zu, man erkennt das Flußbett und manchmal sieht man sogar ein Rinnsal, aber es ist trocken. Rechts und links der Straße ist es in unterschiedlichen Abstufungen gelb bis braun, mit kleinen grünen Farbtupfern ergänzt, wenn dort etwas mehr Feuchtigkeit vorhanden ist. Alles wächst sehr niedrig, vielleicht 20-40cm hoch. Das Land selbst ist manchmal leicht wellig, ansonsten flach, so daß man sehr weit sehen kann.

Auf der Straße kann man das eine oder andere überfahrene Tier, meist Hasen oder Füchse, betrauern. Doch das Aas liegt hier nicht lange, da z.B. der Caracara trotz Verkehr “aufräumt“. Ist man sehr weit von jedweder menschlicher Behausung entfernt, fehlen die Nutztiere (Schafe, Kühe, Pferde) am Rand und man trifft nur noch auf Guanacos, Nandus (auch mit ihren lieben Kleinen), Füchse und eher selten Wildpferde.

An der Ruta 40 gelegen

Ab und zu sieht man auch eine alte Brücke der alten Straßenführung, die einfach stehen gelassen wurde, weil ein Abtragen anscheinend zu müheselig gewesen wäre. In der Nähe der sehr spärlich verteilten Siedlungen gibt es Minischreine, deren Zugang mit alten Plastikflaschen markiert ist. Ansonsten wird die Ruta 40 von Schildern und Überlandleitungen begleitet. Parkplätze? Tankstellen? Versorgungsmöglichkeiten? Bitte bis zum nächsten Ort warten … Und wann kommt der? Nun ja, das kann man sicher nicht pauschal beantworten, aber durchschnittlich 100km anzunehmen, kommt der Tatsache recht nahe. Man sollte deswegen sehr genau wissen, wie lange die eigene Tankfüllung reicht.

Auf dem ersten Abschnitt (500km nur auf der Ruta 40) habe ich insgesamt zwei Orte gezählt, durch die wir gekommen sind. Auf dem zweiten Abschnitt (450-500km) waren es sogar ganze drei Orte. Man könnte auch von Siedlungen sprechen und in zwei Fällen vielleicht sogar von Kleinstädten, da diese Ort mehr (geteerte) Straßen als nur die eine Hauptstraße aufwiesen.

Ganz vorne oben im Bus …

Abschnitt 2 auf der Ruta 40: Perito Moreno – Esquel

Zwei Tage nach meinem ersten langen Ritt auf der 40 stand ich morgens am „Hauptbahnhof“ von Perito Moreno und wartete, wartete und wartete. Der normalerweise für diese Distanzen erstaunlich pünktliche Bus kam nicht. Informationen gibt es selbstverständlich keine. Als er dann aber doch erschien, lud er die Leute aus und … fuhr erst einmal davon. Wieder ohne irgendeine offizielle Information. Da ich den Busbegleiter gefragt hatte, war ich mir ziemlich sicher, irgendetwas von „in Ordnung bringen“ verstanden zu haben. Man kann sich die Panik bei einigen vorstellen, als der Bus einfach davonfuhr. Und niemand konnte annehmen, er wolle nur tanken, denn die Tankstelle befindet sich in Perito Moreno direkt neben dem Terminal. Da half nur warten… Inzwischen kam sogar schon der nächste Bus, der allerdings ebenfalls seine Leute ausspukte und verschwand.

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Doch schon kam mein Bus zurück und nahm alle wieder auf. Das Gepäck der Neuen an Bord wurde noch irgendwie in den Gepäckraum hineingequetscht und, als dort kein Platz mehr war, mußte der Busfahrer Rucksäcke als seine Beifahrer akzeptieren. Nach diesem Schieben und Stopfen ging es mit nur 1,5 Stunden Verspätung los.

Der Busfahrer drückte mächtig auf die Tube, soweit er konnte, man erinnere sich an die Straßenverhältnisse. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit liegt auf den ausgebauten Straßen bei 80 bis 100 km/h, auf den Ripios bei 40 bis 60 km/h oder notwendigerweise darunter. Dies erklärt dann wohl auch, warum man bei einer Gesamtstrecke von rund 500km sieben Stunden Fahrtzeit (wieder ohne jede Pause, nicht einmal ein Fahrerwechsel) anvisiert.

Tja, anvisieren und erreichen sind nicht dasselbe. In diesen Plänen ist eine exzessive Polizeikontrolle beispielsweise nicht vorgesehen, die uns an einer T-Kreuzung mitten im Nirgendwo ereilte. Penibel wurden alle Pässe kontrolliert und die Sachen in der Ablage über den Sitzen inspiziert. Doch immerhin blieb uns eine Gepäckkontrolle erspart. Wer weiß, vielleicht hätten die Busfahrer darüber dann doch einmal ihre Ruhe verloren. Auch Baustellen, an denen zwar niemand arbeitet, die dennoch eine Umleitung über einen Ripio mit sich bringen, verlangsamen das Vorankommen. Schließlich erreichte ich Esquel durchgeschwitzt (keine Klimaanlage) am frühen Abend mit nur zwei Stunden Verspätung. Wie sehr ich das Aufstehen, das Verlassen meines spanischen Sitznachbarn (, der plitscheplattbreit in seinem Sitz residierte und meinen Aktionsraum unmäßig einengte) und die frische Luft genossen habe, kann man sich sicher vorstellen.

Abschnitt 3 auf der Ruta 40: Esquel – El Bolsón

Die beiden folgenden Abschnitte sind deutlich kürzer. Mit dem Erreichen von Esquel habe ich eine imaginäre Grenze in Patagonien überschritten. Die Landschaft hat sich massiv geändert, ist etwas fruchtbarer (grüner) geworden und dementsprechend gibt es nun wieder mehr Menschen und Ortschaften bzw. Städtchen. Dieser Streckenabschnitt ist etwa 250km lang und sollte in drei Stunden zu bewältigen sein.

Abschnitt 4 auf der Ruta 40: El Bolsón – San Carlos de Bariloche

Mein letzter Abschnitt auf der sagenumwobenen Ruta 40 ist noch einmal etwas kürzer als der vorangegangene.

Also Mini-Trekking auf (!) dem Gletscher (22.1.2017)
Perito Moreno (26.1. – 28.1.2017)
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