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"Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, die die Welt nie angeschaut haben." – A. v. Humboldt

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Also Mini-Trekking auf (!) dem Gletscher (22.1.2017)

Posted on Januar 22, 2017Mai 23, 2026 by hobbit

So die Überschrift verdeutlicht schon mein Problem. Es hieß auf dem Gletscher, d.h. für mich wirklich auf dem Gletscher, also oben auf der Ebene/ der Oberfläche des Gletschers, nicht etwa nur am Rand. Doch letzteres ist es geworden, was mich störte. Denn am Rand ist das Eis sehr dreckig, es gibt weniger seltene Formationen oder gletscherspezifische Auffälligkeiten. Auch sieht man eben nicht so viel vom eigentlichen Gletscher, denn der ist ja oberhalb der eigenen Position. Ganz zu schweigen von den vielen anderen, den Ausblick trübenden Mini-Kraxlern, die ebenfalls ihre kleine Runde am Rand drehen. Diese Tour ist doch schon ziemlich auf Masse ausgelegt, was ebenfalls verschwiegen wird. In der Agentur heißt es, die Gruppe sei unter 20 Leuten groß. Stimmt! Aber es gibt drei bis fünf parallele Gruppen á max. 18 Personen. Grummel…

Ein langer Weg zum Gletscher

Morgens sollte ich gegen halb acht abgeholt werden. Als um acht noch kein Bus zu sehen war, wurde ich langsam sehr unruhig und schimpfte schon vor mich hin. Doch dann, oh Wunder, kam der Van doch noch. Genau genommen hatte ich ihn schon bei mir vorbei fahren gesehen, aber ich stand wohl noch nicht auf der Liste. Da ich beinahe die letzte war, ging es los zum Nationalpark Los Glaciares, etwa 70-80km außerhalb von El Calafate. Da der Fahrer keine Fremdsprachen beherrschte, gab es alle Informationen vom Band – dreisprachig: Spanisch, Englisch, Portugiesisch. Nach den ersten beiden Sprachen war ich dann soweit, auch noch etwas vom Portugiesischen zu verstehen. Aber die Infos waren ganz gut und bezogen sich zuerst auf die Gegend durch wir kamen, die Patagonische Steppe, später im Nationalpark auf selbigen und den Gletscher. Und als wir während der Fahrt einmal am See hielten, um einige Panoramafotos machen zu können, bemühte sich der Busfahrer, dies zu erklären. Freundlich sind sie ja.

Eintritt bezahlen, einschiffen und am Gletscher entlang schippern

Der Eintritt wird in ungewohnter Effizienz im Van abgeknüpft. Ein Verkäufer kommt herein und dann bezahlt jeder entsprechend seiner Herkunft. Fremde zahlen doppelt. Von dort fuhren wir weiter. Nach einem kurzen Zwischenstop für „El Bano“ erreichten wir den Minihafen und unser Schiff, mit dem wir übersetzen sollten. Während der Fahrt bekam ich schon einen ersten Eindruck vom Perito Moreno Gletscher, vor allem von seiner Höhe durch den Vergleich mit unserem Boot. Auf dem anderen Ufer wurden wir von Guides empfangen, die nach englisch- und spanischsprechenden Personen gruppierten. Wie zu erwarten gewesen war, war die Spanisch-Gruppe. Also blieb ich bei den Englischen, obwohl die dann doch noch recht groß wurde.

Entlang des Gletschers (auf der Rückfahrt)

Auf das Eis mit Crampons

Wir erhielten die Möglichkeit, einige unserer Sachen in einer naheliegenden Hütte abzulegen, aber ich behielt meine Sachen wie immer lieber bei mir. Dann gingen wir eine kurze Strecke, erhielten ein paar Erklärungen zu Gletschern, ihrer Entstehung und zum Perito Moreno im Speziellen und wurden in drei Gruppen aufgeteilt, da wie schon gesagt nur 18 Personen max. in einer Gruppe sein sollen. Wer geht freiwillig in die spanische Gruppe? Ich wechselte, da ich immerhin spanische Erklärungen verstehe. Es ist jedoch erstaunlich, warum so etwas spontan organisiert werden muß. Es ist ja nicht so, daß wir nicht überall unsere Nationalität angeben müssen. Es war von vornherein klar, daß mehr als 18 Leute englisch sprechen würden.  Danach mußten wir als letzte Gruppe (der Guide erwies sich übrigens als zweisprachig) am längsten warten, bis auch wir mit den Crampons ausgestattet waren, die ein Laufen auf dem Eis überhaupt erst ermöglichen. Witzigerweise schnürte ein junger Mann meine Eisschuhe, der etwas deutsch konnte, was er gleich ausprobieren wollte. Aber irgendwie war ich so gar nicht auf Deutsch gepolt, daß ich ihn gar nicht verstand.

Eine keinesfalls 1,5h lange Tour auf dem Eis

Die Tour selbst war schon nett, aber eben nicht das, was ich mir erhofft hatte. Hinzu kam ein nerviges argentinisches Pärchen, das wirklich alles fotographierte. Er war besonders schlimm, da er ein Selfie nach dem anderen schoß. Und das bei seiner Figur, schwabbelig, schräg gekleidet (Fellmütze), halbes Nagetier. Okok, das ist jetzt gemein, aber er ging mir so auf die Nerven… Sie hatten nie einen Blick für die Natur, nur für sich selbst. Generation XYZ? – Letztlich kletterten wir ein wenig auf dem Gletscherausläufer herum und dann wurde das Ganze noch mit einem „Wir machen jetzt mal das Gruppending“ (Eiswasser vom Gletscher mit Whiskey trinken plus ein Schokobonbon) abgeschlossen. Also auch wieder nur stehen und sich selbst beweihräuchern. Irgendwie bin ich für diese Touren nicht gemacht…

Und was kam danach?

Zuerst einmal gaben wir die Crampons ab. Dann ging jeder für sich zum Ufer zurück und hatte noch etwas Zeit für eine Mittagspause. Um 14/15 Uhr ging es mit dem Schiffchen zurück. Inwischen war es ganz schön wolkig geworden, was den Gletscher in ganz anderem Licht schimmern ließ. Aber der Kontrast zwischen Himmel und Gletscher war auch schlechter geworden. Auf dem anderen Ufer angekommen wurden wir mit unserem Van zu den Aussichtsbalkonen verfrachtet, wo uns neue Guides erwarteten und schnell zur obersten Aussichtsplattform hinunterführten.

Wir hinkten wohl dem Zeitplan etwas hinterher, doch dafür konnten wir nichts, was ich am liebsten der einen Führerin ins Gesicht gesagt hätte. Ich habe doch nicht viel Geld gezahlt, damit ich mich abhetze. Naja, nach der (sehr) kurzen Erläuterung (wozu ein weiterer Guide, wenn nicht nur als ABM?) stromerte ich allein einmal über alle Plattformen. Hier hatte ich jedenfalls einen schönen Ausblick auf (!!!) diesen immer noch riesigen Gletscher. Die Oberfläche ist bizarr, formationsreich und reicht sehr weit in die Anden hinein. Manchmal kalbte sogar ein Ministück und vorher war stets ein Knacken und Knirschen zu hören. Wenn es nicht von herumtollenden Kindern übertönt wurde… Doch unsere Zeit war sehr knapp bemessen. Um kurz vor fünf brachen wir auf Richtung El Calafate, wo immerhin galt „Die letzten werden die ersten sein.“.

Das Leben in El Calafate ohne Touren (23.1.)

Ohne Touren? Ja, denn die interessanten Angebote (Kayak und Trekking, Trekking und Fossilien) sind in Teuerland (=Argentinien) unbezahlbar. Na gut, ich will nicht übertreiben: Sie wären bezahlbar, aber wer will allen Ernstes für jede Tagestour zwischen 150 und 250 Euro hinblättern, ohne Lunch wohlgemerkt? Selbst meine Unterkunft kostet für vier Tage keine 250€!

Und dann ist da noch das Ding mit der Fitness bzw. mit dem Rücken und seinen Auswirkungen auf den Rest der Statik. Kurzum: Ich bin einfach im Ort geblieben – denn ohne Tour oder Auto kommt man nicht sehr weit – und habe mich mit meinem PC, meiner Diss, Filmen, Musik, Hörspielen, Telefonaten und nein, nicht mit dem Blog, beschäftigt. Es wäre eine gute Zeit gewesen, doch leider gab es fast kein Internet. So mußte ich auf andere Dinge umstellen. Ach ja, und ich war einmal ausgiebig schaukeln…

El Calafate (21.1. – 25.1.2017)
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