- Lage: an der Nordwestgrenze der Provinz Santa Cruz im argentinischen Teil Patagoniens
- Einwohner: knapp 5000, steigende Tendenz
- Gründung: 1910
- Unterkunft: Hotel americano
Perito Moreno ist die „Hauptstadt“ des Departamento Lago Buenos Aires. In der Nähe des Ortes entspringt der Río Fénix, der in den Río Deseado mündet. Als Kreuzungspunkt der Ruta Nacional 40 und der Ruta Provincial 43 ist Perito Moreno das regionale Zentrum. Leichter Anstieg des Tourismus und Alterswohnsitz zeigen die Perspektive dieses kleinen Ortes auf. Bisher gibt es kaum Hotels dort.
Cueva de las Manos (26.1.)
Nach meiner nächtlichen Busfahrt kam ich zwar etwas müde, doch im Großen und Ganzen recht fit in Perito Moreno an. Auf der Fahrt hatte ich mich mit einem deutsch-österreichischen Pärchen unterhalten, das auf der anderen Seite vom Gang im Bus saß. Zwischen uns, d.h. neben mir und am Gang, saß ein netter, junger und kräftiger Argentinier (Hezekiel), der kein Problem mit einem Gespräch über ihn hinweg hatte, nachdem wir uns zunächst noch auf Englisch und zu viert unterhalten hatten. Das Pärchen will sechs Monate in Südamerika touren, wenn das Geld noch solange reicht (patagonische Preise treiben nahezu jeden, den ich treffe, in die Verzweiflung). Und sie wollten ebenfalls in Perito Moreno aussteigen und, oh Wunder, dieselbe Tour zur „Höhle der Hände“ (cueva de las manos) unternehmen.
Cueva de las Manos – in der Pampa, wo sonst?
Also beobachteten wir gemeinsam die Uhr, ob wir es wohl rechtzeitig bis Perito Moreno schaffen würden. Auf meinem Ticket stand „Ankunft: 8.20 Uhr“ und die Tour sollte um 9.00 Uhr starten. Als wir gegen halb sieben eine T-Kreuzung erreichten und es nach Los Antiguos ging, sah ich meine Exkursion wegschwimmen. Der Umweg über Los Antiguos am Lago Buenos Aires (auf chilenischer Seite heißt derselbe See nach einem General, un poco loco) würde uns zwei Stunden kosten. Und so kam es auch. Zwanzig Minuten vor neun erreichten wir das Terminal von Perito Moreno, zwar innerhalb der Ortschaft gelegen, doch am Ende der zentralen Straße. Und wie das Schicksal in diesen Momenten so spielt, lag die Niederlassung des Tourenanbieters nahezu am anderen Ende selbiger. Also schulterten wir unser Gepäck und marschierten im Eiltempo los, wobei ich schnell etwas zurückfiel. Über 20kg und Eile sind zu viel…
Auf dem Weg ein Abstecher zu „Kreidefelsen“
Doch wir schafften es! Und ich mußte sogar nicht einmal die gesamte Strecke laufen, da ich nach ¾ der Strecke auf mein Hotel traf, dort mein Gepäck stöhnend abstellte, mein T-Shirt gegen ein kurzärmeliges austauschte und dann sogar abgeholt wurde, weil mein Gastwirt beim Unternehmen angerufen hatte. In der Agentur traf ich die anderen wieder und mit nur geringer Verzögerung (max. eine halbe Stunde) ging es im Minibus los. Acht Teilnehmer, vier Spanisch-Natives, dreimal Deutsch, einmal Italienisch. Die Führerin sprach sogar halbwegs verständlich Englisch, wobei ich lieber beim Spanischen blieb. Hier gab es mehr Infos und es war insgesamt verständlicher.
Wir rasten los, jaja, rasten, was auch gleich zu einem weiteren toten Tierchen führte. Nichts, was der Geschwindigkeit Abbruch tat. Wir deutschen saßen hinten und waren von der Fahrt und der Hetzerei müde. Trotzdem genoß ich den Sonnenschein und die Wärme. So schönes Wetter! Zunächst steuerten wir ein Hostel in der Pampa an, in dem wir die letzten Banos für eine längere Zeit sahen und unsere Eintrittstickets erwarben. Dann ging es weiter zu farbigen Felsen, die wahrscheinlich den frühen Einwohnern dieses Gebietes die Farben in die Hand gaben und damit die Höhlenmalereien ermöglichten. Hier spazierten wir nur kurz herum, aber die Sonne brannte so erbarmungslos, daß die beiden anderen (z.T. auch aus Krankheitsgründen) entschieden, nicht an der kleinen anstehenden Wanderung durch den Canadon del Rio del Pinturas teilzunehmen.
Canadon del Rio de las Pinturas
Mir ging es zwar auch nicht so gut, doch noch länger in einem Bus zu sitzen, hatte ich auch nicht vor. Es wenig Training für Beine, Knie und den Rest konnte nicht schaden. Mir machte nur zu schaffen, daß mein Wasservorrat ziemlich begrenzt war. Egal, wenn nötig laufe ich wie ein Kamel in der Wüste auch dürstend noch ganz gut weiter. So stieg ich wie die übrigen Teilnehmer am Canyonrand aus dem Minibus und bestaunte den langen und breiten Canyon.
Dann hieß es, den steilen Abstieg zur Talsohle zu bewältigen. Hier blieb ich immer etwas zurück und mußte mich manchmal ganz schön konzentrieren, um nicht ins Rutschen zu kommen und damit mein Knie ungebührlich zu belasten. Nach einiger Zeit gelangten wir unten an und begannen unsere Tour am schmalen Bach entlang. Leider rannte die Führerin beinahe, so als ob wir einen dringenden Termin hätten. Ich wollte doch auch etwas schauen und genießen, da ich gerade diese Felsmassive sehr mag.
Nur mit Mühe konnte ich ab und zu ein Foto machen, um mich dann gleich wieder abzuhetzen und aufzuschließen. Während dieser Tour wurde mir übrigens auch zum ersten Mal bewußt, woran man merkt, daß man alt wird. Nun, woran wohl? Ganz einfach: Wenn auf einmal jüngere Tour-Teilnehmer stehen bleiben, sich besorgt umdrehen und schauen, ob man denn noch nachkommt. Dann ist man unzweifelhaft „alt“ bzw. gehört zu den älteren Herrschaften, um die man sich kümmern sollte. GRRR!
Nach etwa einer Stunde bei Wind und Sonne erreichten wir schließlich unser Ziel, die Höhlenmalereien. Diese lagen allerdings deutlich weiter oben, weswegen wir nun wieder zum Rand hinauskletterten. Hah, hinauf bin ich dann wie so oft schneller als manch anderer. Das war mir eine Genugtuung. A propos Höhlen. Dies sind keineswegs Höhlen, sondern nur „Halbhöhlen“, also nach vorn offen, mehr Überhänge. Und nun wurde auch klar, warum wir so hatten rennen müssen, denn die nächste Führung sollte um zwei beginnen (es war 13.45 Uhr).
Cueva de las Manos – negativ und links sind Trumpf
Bevor Irrtümer entstehen, sei die Überschrift erläutert. Auf den Felsen sieht man vor allem Handabdrücke, wie schon die Benennung nahelegt. Diese wurden auf zwei Wegen erzeugt. Zum einen wurde die jeweilige Farbe (rot – Eisenoxid, grün/ blau – Kupferoxid, gelb – ?) mit einem Strohhalm über die auf dem Felsen ruhende, meist linke Hand geblasen, so daß Negative der Hände entstanden. Zum anderen wurden gelegentlich die dann meist rechten Hände in den Staub eingetaucht und auf den Felsen gedrückt (Positivabdrücke).
Neben den zahlreichen Händen dieser jahrtausendealten Nomaden-Kultur (ca. 9300 alt) finden sich auch Zeichnungen von Guanacos und der Jagd nach ihnen oder weitere Einzelzeichnungen, wie z.B. eine gebärende Frau oder Symbole, die auch an anderen ähnlichen Orten gefunden wurden. Faszinierend ist, wie gut erhalten die Farben sind. Doch dies liegt am ultratrockenen Klima (ähnlich wie in Ägypten). Die vorhandenen Beschädigungen gehen allesamt auf die Einwirkung von (modernen) Menschen zurück.
Die Führerin war echt gut und enthusiastisch. Nur schade für meine deutschen „Amigos“ ist, daß sie alles ausschließlich auf Spanisch erklärte, das beide nicht so gut verstehen. Mein Angebot, ihnen etwas von den Erklärungen nachzureichen, nahmen sie nicht so an. Wahrscheinlich waren sie wirklich fertig und haderten ein wenig damit, diese Tour gebucht zu haben. Mir haben die Erläuterungen zu allen Abbildungen gut gefallen. Auch war es cool, daß sie wirklich klares Spanisch und kein Zwischen gesprochen hat. Schnell wurde klar, daß sie besonders mir alles zeigen und erklären wollte, vielleicht weil sie hoffte, damit die fehlenden Englischkenntnisse auszugleichen. Doch eigentlich ist es gleich, für mich war es informativ.
Nach der Führung kehrten wir nach Perito Moreno – Ripio, was sonst, und befestigte Straße – zurück, wo ich abends nach diesem Tag und der durchwachten Nacht vollkommen erschöpft auf meinem Bett zusammensank. Ich war einfach nur noch tot.












