- Lage: im Süden Chiles, in den Anden
- Größe: mit ca. 35.000 km² der größte Nationalpark in Chile
- Unterkunft: Schiff
Der Park ist nach Bernardo O’Higgins, dem ersten Präsidenten Chiles, benannt. Der Park schließt einen großen Teil des Campo de Hielo Sur-Gletschergebietes ein. Eine seiner Hauptattraktionen ist der Pío XI-Gletscher, der größte Inlandsgletscher des Campo de Hielo Sur. Mit einer Fläche von 1.265 km² und einer Höhe von bis zu 75 m ist er der größte Gletscher der Südhalbkugel außerhalb der Antarktis. Der Gletscher ist in den letzten 50 Jahren etwa 10 km vorgerückt. An den Klippen in der Nähe von Punta Barrosa kann man Andenkondore und Adler beobachten. Häufig trifft man auf Seelöwen- und große Kormoran-Kolonien.
Mit dem Schiff in den Nationalpark O’Higgins
Tag 1: Wo muß ich eigentlich hin? (17.1.2017)
Die Frage aller Fragen. Niemand möchte am falschen Ende der Bucht feststellen müssen, daß das Schiff gar nicht da ist. Also klärte ich auf den letzten Drücker per E-Mail, wo es denn nun genau vor Anker liege. Und wie hätte es anders sein können, selbstverständlich liegt das Schiff „Skorpios III“ etwa 4-5km außerhalb des Zentrums der Kleinstadt Puerto Natales im eigenen Hafen. Nun ja, ein Spaziergang an der Bucht entlang kann nicht schaden, dachte ich. Und da ich einen großen Teil meines Gepäcks im Hostel gelassen hatte, sollte es keine Probleme geben. Dachte ich. Hmm, selbst diese abgespeckte Variante (kleiner Rucksack, Beutel und Netbooktasche) quälte mich dann doch mehr als erwartet. Verdammte Unbeweglichkeit und Steifigkeit nackenabwärts. Sicher, ich hätte auch ein Taxi nehmen können…
Check-In
Als ich an diesem Hafen ankam, war es noch ziemlich früh. Aber in der heutigen Info zum Hafen hatte es geheißen, ich solle lieber etwas früher da sein, weil gegen vier eine Gruppe käme. Also alles richtig gemacht, es war nämlich noch vor drei Uhr. Daher ging es sehr schnell und ich konnte auch gleich noch regeln, daß ich mit Cindy und Ed, den Amerikanern der letzten Tour, zusammen sitzen kann. Manchmal ist Spanisch von Vorteil, auch wenn die für das Check-In verantwortliche Frau gut Englisch sprach. Noch war nicht so viel los. So zog ich durch das Schiff, nachdem ich meine recht geräumige Kabine (sehr nah am Bug, Backbord, Anker und Maschine gut zu spüren, 2. Deck von unten) bezogen hatte. Nicht, daß das Abstellen meines Beutels sehr lange gedauert hätte.
Teatime, Infotime and Dinner
Wie zu lesen ist, stand wieder ein Wechsel in den Sprachen bevor. Meine beiden Amerikaner kamen kurz nach mir mit einem direkten Transport aus Punta Arenas an und ab der für 17 Uhr angesetzten Teatime hockten wir zusammen und unterhielten uns etwas. Wir halten uns mehr aneinander, weil wir alle drei die vielen Menschen plus ihren Gesprächslärm kaum ertragen können.
So sitzen im Eßsaal zehn Leute um einen Tisch, zusammengepfercht und ohne Bewegungsraum für die Arme (Sitzplatzbreite = Unterlegtellerbreite). Unser Tisch ist der Mutlikulti-Tisch mit Englisch-Sprechern. 2x Canada, 5x USA (davon einer ursprünglich aus Indien), 2x Israel, 1xDeutschland. Wir sind damit auch der Tisch mit den meisten Essensauffälligkeiten, was aber irgendwie nicht klappt. Keine Ahnung warum, aber die Information, daß ich Vegetarier bin, ist hier schlichtweg nicht angekommen und der alte (sehr hilfsbereite) Ober kapiert es einfach nicht, obwohl ich Spanisch mit ihm spreche.
Die Infos laufen in zwei Sprachen, ok, ich höre also bei Spanisch zu und gebe dann den Treffpunkt zur Info-Veranstaltung weiter. Tja, Pech gehabt, für die „Englischen“ gibt es einen anderen Treffpunkt, denn die Erklärungen (zum Tagesablauf, zu den Gletschern) werden vernünftigerweise getrennt gegeben. Zu dumm, daß ich bei der englischen Ankündigung schon nicht mehr zugehört hatte. So mußte Ed, der wirklich sehr mit den Treppen zu kämpfen hat, die zwei Etagen wieder hinaufklettern. Aber er nahm es mit Humor und meinte, so trainiere er sich wenigstens etwas. Als wir also wieder dort ankamen, wo wir schon gesessen hatten, eroberten wir sogar unsere Plätze zurück und lauschten aufmerksam der Einführung zu Gletschern und ihrer Entstehung. Vieles kannte ich schon aus eine Grafik im Torres del Paine Parkcenter, aber doppelt hält vielleicht besser.
Vor dem Essen (Prae-Phase)
Anschließend hieß es noch eine Stunde bis zum späten Abendmahl (8.30 Uhr Beginn) zu überbrücken. Dies gelang mir in angenehmer Weise auf meinem Zimmer, ups, in meiner Kajüte/ Kabine. Endlich hatte ich mal wieder Lust, etwas zu lesen.
Das Abendessen war laut und eher wenig ansprechend, zumal der besagte Ober es eben nicht kapiert und mir ständig „Fischzeug“ anbietet. Auch das Andere, was ich dann bekam, war alles andere als gut. Hier setzt man wieder einmal auf den Schein. Es soll exklusiv aussehen, doch daß einfache Kost oft besser ankommt, ist den Küchenleuten nicht beizubringen. – Es ist wirklich immer das gleiche: Je teurer eine Unterkunft, desto exklusiver (aus meiner Sicht: unerfreulicher) das Essen.
Während des Essens (Dum-Phase)
Während des Abendessens wurden Gespräche geführt, kreuz und quer, nach dem Motto: Wie haben nur zwei volle Tage Zeit, also müssen wir uns schnell kennenlernen. Vor allem die anderen Amerikaner und die Kanadier (1975 ausgewandert aus Südafrika) wählten diese Vorgehensweise. Meine Güte, was ich so gleich alles erzählt bekam. Nicht, daß ich es hätte wissen wollen. Und ich bekam den (ersten) Eindruck, ausgerechnet neben (aufgeklärteren) Republikanern gelandet zu sein, wie eine Randbemerkung der Ehefrau (Obama habe überhaupt nichts getan) nahelegt. Weiß, wohlhabend, kaum tiefere Kenntnisse über diese Region hier, schnelle, oberflächliche Gespräche, keine Fremdsprachenkenntnisse, used to do as they like. Der „Inder“ (Professor für „construction engineering“ in Berkeley) scheint dagegen eher zur anderen Seite zu gehören und meine beiden wollen im Urlaub nicht über Politik sprechen. Die Israelis halten sich bedeckt, so daß ich mir meine eigenen Gedanken über ihre Einstellung zu ihrer Regierung und zu den Amerikanern mache. Er jedenfalls ist ein gläubiger Jude, denn er trägt die Kippa. Der Mix ist faszinierend, doch ist wegen der allgemeinen Lautstärke kaum etwas zu verstehen.
Nach dem Essen (Post-Phase)
Nach dem Essen hielt der Kapitän eine kurze Laber-Rhabarber-Rede auf Spanisch, da er kein Englisch beherrscht. Also erhielten die Englischen ein Gerät, um der Übersetzung zu lauschen. Sein Spanisch ist ziemlich deutlich, wenn er abliest, also konnte ich ihn gut verstehen. Als er seine mitreisende Mutter begrüßte, fand ich das mehr als seltsam. Aber kurz darauf kam ein Ruf auf die Brücke und wir waren erlöst. Und schon verschwanden Cindy und Ed (22 Uhr). Ich floh kurz darauf, als eine Vorstellungsrunde begann (Name und Land pro Tisch). Was zum Henker soll das? Niemand merkt sich diesen Quatsch. Und es zieht die Tortur im Eßsaal nur in die Länge. Die Zeit verbrachte ich besser: Ich begann, an meinem Film über die Reise zu basteln.
