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"Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, die die Welt nie angeschaut haben." – A. v. Humboldt

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Der dritte Tag: Pumas out, Landschaft in (9.1.2017)

Posted on Januar 9, 2017Mai 23, 2026 by hobbit

Anläßlich des dritten Tages, an dem wir morgens Richtung westlichen Parkteil aufgebrochen sind, werde ich ein wenig ausführlicher von der Landschaft und Sonstigem des Nationalparks Torres del Paine erzählen. Es sei gleich vorweggenommen, daß wir nachmittags eine weitere Puma-Lauer höflich, aber bestimmt abgelehnt haben. Wir waren alle nur noch kaputt, der Wind eisig (jedenfalls wenn man stundenlang Pumas beobachtet) und die Puma-Erlebnisse konnten auch nicht mehr getoppt werden.

Auf zum Lago Grey

Um zu diesem (grauen) See zu kommen, mußten wir den Park einmal durchqueren, was wegen der Hügel, Flüsse und Lagunen nicht ganz direkt erfolgen konnte. So fuhren wir auf der unbefestigten Straße fast zwei Stunden, um diesen großen See zu erreichen. Er war wirklich tiefgrau und, wie Sebastien versicherte, lag das keineswegs nur an dem trüben, wolkenverhangenen Wetter. Er sei wegen der Sedimente immer grau. Wahrscheinlich manchmal nur etwas weniger grau, denke ich. Auf meine Frage, warum der See ein englisches Attribut habe, hatte Sebastien keine Antwort. Es schien, daß ihm diese Überlegung noch gar nicht gekommen war. (Der See sollte spanisch korrekt Lago Gris heißen.)

Wälder, Büsche, Berge

Die Wälder sind hier leider dank einiger Waldbrände etwas reduziert – manchmal sieht es aus wie ein Geisterwald, weil Lenga nicht immer ganz herunterbrennt -, auch wenn das nie mit deutschen Wäldern vergleichbare waren. Das liegt vor allem an der Bodenbeschaffenheit. Dadurch daß die patagonische Steppe meist auf Felsen ruht, haben die Wurzeln kaum Möglichkeiten in die Tiefe zu wachsen. Daher wurzeln sie oberflächlich, was wiederum zu geringerem Halt und damit weniger Widerstand gegen die hier tobenden Winde führt. Aber auch bei Bränden sind die Bäume anfälliger. Insgesamt herrscht hier bei den Laubbäumen das Lenga vor, Nadelbäume gibt es nicht. Dafür aber (immergrüne?) Büsche, die dem Lebensbaum relativ ähnlich sind, oder aber den berühmtesten Busch hier, El Calafate, der auch Früchte trägt (ähnlich der Blaubeeren). Ansonsten gibt es viele sehr dornige Büsche, die längst nicht alle erkennbar Blätter tragen. Und dann wird es noch niedriger: Gräser, Bodendecker und andere Niedriggewächse säumen die großen, weiten Flächen. Faszinierend sind die Farbschattierungen: tiefes Grün, mattes Grün, so starkes Grün, daß es einen beinahe blendet. Das gleiche gilt für die gelben und braunen Farbtöne.

Lagunen, Lagos, Saltos

Wenn schon die Farbspielereien in der Vegetation und bei den Bergen faszinierend sind, so sind die Blau-/Türkistöne der Gewässer noch beeindruckender. Vor allem das tiefe Türkis im Rio Paine, das den Fluß schimmern läßt. Dies ist auf das sie bereichernde Gletscherwasser und die dabei mitgeschwemmten Sedimente zurückzuführen.

Tiere

Zu den Tieren habe ich ja schon einiges geschrieben. Es bleibt noch zu ergänzen, daß diese Tiere, ob in der Luft oder am Land, viel Platz haben und vor Menschen kaum zurückschrecken, weil es von den Zweibeinern nur eine überschaubare und eher rücksichtsvolle Menge gibt. Deswegen lassen sie oft die Menschen recht nahe an sich heran oder posieren gar vor der Kamera (jaja, es wirkt nur so, ich weiß). Außerdem gibt es hier viele bedrohten Arten in einer verhältnismäßig großen Menge (z.B. etwa 22 Pumas im östlichen Park). So sieht man regelmäßig die Könige der Lüfte am Himmel, Condore, die man anderswo sehr suchen muß. Selbstverständlich gibt es auch bei einigen Tieren sehr viele ihrer Art, z.B. Guanacos und echte Hasen, doch sie sind wichtig in der Nahrungspyramide für die größeren Tiere.

Wetter

Das Wetter ist äußerst wechselhaft. Und der Wind kann unglaublich stark werden, wobei er meist in gefährlichen Böen auftritt. Heute am Abfahrtstag hat mich, beladen mit zwei Rücksäcken (über 20kg Zusatzgewicht), eine langanhaltende Böe vom Weg getrieben und beinahe umgeworfen. Diese Böen begleiteten uns noch lange auf der Fahrt, so daß der Minibus regelmäßig geschüttelt wurde, ganz zu schweigen von leichten Ausreißern auf der Fahrbahn.

Eine sturmumtoste Wanderung

Naja, das mit dem Sturm ist wahrscheinlich doch etwas übertrieben, aber es war schon sehr windig. Ich mußte meine Mütze, ein Basecap, meine Kapuze und die Kapuze der Jacke aufsetzen, damit mir weder mein Cap wegfliegt noch meine Ohren erfrieren. Wir liefen an der Küste des grauen Sees entlang und bewunderten die im Vergleich zum östlichen Teil vollkommen differente Vegetation. Hier war es soviel grüner und waldiger, doch auch deutlich frischer und kälter. In der Ferne sahen wir den Grey-Gletscher, einen Ausläufer des südamerikanischen Eisfeldes. Über ihn und die gesamte Länge des Sees kann der Wind richtig Fahrt aufnehmen.

… über eine Hängebrücke …

Dann überquerten wir auf einer Hängebrücke (max. 6 Personen) einen ziemlich schnell fließenden Zuleitungsfluß des Sees, um einige Enten besonderer Art zu beobachten. Danach gingen wir weiter über eine Art Damm im Lago Grey, um zu einem Aussichtsfelsen hinaufzuklettern. Endlich ein Blick auf einen Gletscher! Und Eisbrocken von eben diesem. Ihre Farbe ist genial: unten blau, nach oben lichter werdend. Das hängt mit der starken Kompression zusammen, so daß es nicht etwa nur ein Eisblock ist. Er besteht aus etwa fünf Schichten und ganz oben ist es Schnee mit nahezu keiner Dichte. Die unterste Schicht hingegen weist fast eine Dichte von 1,0 auf (Max.) und ist kaum noch zerbrechlich. Sie sorgt auch für den blauen Stich im Eis.

… und zurück

Im Anschluss umrundeten wir beim Abstieg den Felsen und gelangten so sogar mal in den Windschatten. Um wieviel wärmer es doch gleich wurde. Dann machten wir uns an den Rückweg, um unser Lunch im Van einzunehmen. Schließlich ging die Suche nach dem Huemul (kleiner Hirsch) weiter, doch wir fanden ihn leider nicht. So bleibt doch tatsächlich noch ein Tierchen unentdeckt. Kurze weitere Zwischenstops (Aufnahme des Serano-Tals, Info-Center von CONEF) ermöglichten ein Beinevertreten, bevor wir den langen Weg zurück antraten (und wie bereits gesagt, dankend einen weiteren Puma-Ausflug ablehnten).

Und zuletzt noch etwas zu den Hotels

Vielleicht noch etwas zu den Hotels bzw. zu unserem Hotel im Speziellen. Da das Tal abgeschottet liegt, muß alles an- und abtransportiert werden, d.h. es gibt auch außerhalb der Hotels/ Refugios keine Versorgungsmöglichkeiten und die Preise sind entsprechend. Da es obendrein keine weiteren Baugenehmigungen gibt, ist die Anzahl der Touristen begrenzt. Allerdings ist damit auch die Auswahl an Hotels begrenzt, was sich dann doch etwas auf den Service niederzuschlagen scheint. Das fällt vor allem auf, wenn man das Personal beobachtet: Sie sind auf beflissen, überfreundlich und ostentiv diensteifrig getrimmt, doch wenn sie sich umdrehen, dann erzählen ihre Gesichter oft etwas anderes. Ihnen scheint es mehrheitlich überhaupt keinen Spaß zu machen, im Servicebereich zu arbeiten. Dies merkt man auch an den wichtigeren Dingen im Service, wie z.B. die Bestellungen ordentlich aufzunehmen, ein fehlendes Messer nachzulegen, auch später Erschienenen noch die gleichen Aperitifs zu kredenzen, Duschmatten nicht falsch herum in die Wanne zu legen (was mir einen Ausrutscher inkl. Schmerzen am Knie einbrachte), zügiges Abarbeiten der Bestellungen.

Aber vor allem ist dieses offensichtliche Vortäuschen von Zuvorkommenheit kaum erträglich, wenn man genau hinschaut. Nun sind die meisten sicherlich eher mit sich selbst beschäftigt oder mögen dieses Oberflächliche, aber mich hat das von Tag zu Tag mehr gestört. Es ist eben ein Monopol und irgendwelche Leute haben sich dieses Verhalten ausgedacht, weil sie es für wirksam gegenüber den reichen Touristen halten. Denn reich oder zumindest wohlhabend muß hier jeder sein, der einige Tage im Hotel bleibt.

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Pumas hautnah – einige bekämen wohl Angst (8.1.2017)
Königspinguine bei Porvenir (11.1. – 12.1.2017)
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