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"Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, die die Welt nie angeschaut haben." – A. v. Humboldt

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Pumas hautnah – einige bekämen wohl Angst (8.1.2017)

Posted on Januar 8, 2017Mai 23, 2026 by hobbit

Und wieder früh raus

Nun ja, es war doch wenigstens etwas Verbesserung gegenüber dem Vortag zu erkennen: Abfahrt um 5 Uhr. Das Treffen mit Jorge fand dieses Mal gleich vor Ort statt, d.h. im Gelände. Er hatte etwas für uns besonders Spannendes entdeckt…

„Hmm, das schmeckt ja gut“

Ich spreche von einem weiblichem Puma, der genüßlich seine Beute, ein junges Guanaco, verspeiste. Doch bevor wir dieses Paradeexemplar eines Pumas zu sehen bekamen, mußten wir eine Weile an einem der vielen Drahtzäune ins Gelände hineinlaufen. Sebastien führte uns auf Funkanweisung durch Jorge, bis wir auf ihn selbst trafen oder er auf uns, ganz wie man es nimmt.

Näher…

Dann führte er uns näher heran. Dazu überstiegen wir eben diesen Zaun, um auf der gleichen Seite mit dem Puma zu sein und dadurch eine bessere Sicht zu erhalten. Jorge erklärte, daß die Pumas diese Zäune gern nutzen, um die jungen Guanacos zu erlegen, die diese oft noch nicht so gut überspringen können. In einiger Entfernung sahen wir dann den Puma. Vor allem wenn sie an einem Teil ihrer Beute riß, tauchte ihr Kopf über dem Gras und den niedrigen Büschen auf. Sie war sehr beschäftigt… Und wir näherten uns weiter. In der bekannten Prozedur, schön langsam und hintereinander. Schon bald waren wir so nah herangekommen (vielleicht 50m), daß wir sie im zunehmenden Licht deutlich sehen konnten.

Und noch näher …

Jorge ging langsam weiter und, wenn er es für angebracht hielt, folgten wir ihm. Bald standen wir gebannt nur noch etwa 20-30m entfernt. Nun ging Jorge noch weiter und näherte sich auf etwa 5-10m und forderte immer einen auf, zu ihm zu kommen, um ganz aus der Nähe Fotos aufnehmen zu können. Ich war an zweiter Stelle dran und das war genau der richtige Zeitpunkt.

Ganz nah und wieder fern

Als ich neben ihm stand, konnte ich endlich einige Fotos mit meiner Kamera machen, da die Entfernung nun mit Zoom erfreulich gering war. Gleichzeitig sah ich, wie sie mal an einem Knochen riß, dazu den Kopf herumwarf, dann wieder genüßlich kaute oder sich das Maul schleckte. Plötzlich veränderte sie ihre Haltung, reckte sich, gähnte und beschloß aufzustehen. Sie kam also auf uns zu – nahm jedoch herzlich wenig Notiz von den zwei Menschen vor ihrem Frühstückstisch. Sie würdigte uns eigentlich nur eines müden Blickes und trollte sich an uns vorbei zum nächstgelegenen Gras, wahrscheinlich um sich noch etwas zu „reinigen“. So sah es jedenfalls aus. Danach lief sie auch an den anderen sehr nah vorbei und setzte ihren Weg auf dem Pfad fort, auf dem wir uns ihr genähert hatten. Man sah ihren vollen Bauch etwas hin und her wippen, während sie sich mit vollkommener Ruhe und majestätisch von uns fortbewegte. Was für ein Anblick!

Puma nach dem Schmaus

Wie war’s?

Selbst unsere Guides haben so etwas selten mit einer kleinen Gruppe erlebt, auch wenn Jorge selbstverständlich als Puma-Tracker diese Erlebnisse häufiger hat, wenn er allein unterwegs ist. Deswegen waren beide auch kurz besorgt, daß wir uns eventuell falsch verhalten könnten. Das konnte ich wenigstens aus der Anspannung bei Jorge entnehmen. Doch wir waren einfach nur gebannt und zumindest ich nicht ängstlich. Warum auch? Der Puma hatte gerade gefressen und, wenn ich ihn nicht reize, hat er bzw. sie ohnehin kein Interresse an mir doofem Zweibeiner.

Frühstück und weiter

Klar, daß das Top-Erlebnis war. Nach dem Frühstück ging es aber schon wieder weiter. Wir fuhren nun Richtung Mitte des Parkes und hielten mal hier, mal dort. So sahen wir den Lago Nordenskjöld direkt vor dem mächtigen Monte Almirante Nieto. Danach fuhren wir den Salto Grande und den Lago Pehoe an, um einerseits die Landschaft zu bewundern, um andererseits auch nach anderen Spezies zu fahnden, da wir die Pumas ja nun im Kasten hatten.

Andere Spezies im Nationalpark

So erwischten wir endlich Caracaras (Geierfalke) und ein Armadillo (Gürteltier) aus nächster Nähe. Letzteres war von einer knisternden Schokaldenverpackung samt Inhalt so verzückt, daß es kaum bemerkte, wie es von allen anderen drumherum fotographiert wurde. Ein Abgleich mit unserer (imaginären) Checkliste aller hier besonderen Tiere ergab folgendes: Condor – check, Aguila mora (Adler) – check, Carancho (Caracara) – check, Puma – check, Guanaco – check, Armadillo – check, Liebre (echter Hase) – check, Chingue (Stinktier) – check, Nandu – check, Caiquen (Magellangans) – check. Es fehlten nur zwei wesentliche Tiere: Zorro culpeo (Fuchs) und Huemul (Andenhirsch).

Armadillo

Und noch einmal Pumas

Obwohl der Tag doch schon so lang und erfolgreich gewesen war, trafen wir uns erneut mit Jorge, der inzwischen an einer anderen Stelle eine Puma-Familie ausgemacht hatte. Ich wäre lieber zurück zum Hotel gefahren, da ich müde war. Aber die anderen artikulierten dies nicht so, vielleicht weil sie es nicht für angemessen hielten. So hielt unser Minibus also ein weiteres Mal in der Puma-Gegend und wir zogen los. Doch dieses Mal war es unglaublich windig und daher sehr kalt und staubig, als wir in Position gingen. Vier Pumas (Mama, Papa, 2 ältere Kinder, Beute), wow! Nur konnte man sie leider nicht bzw. kaum sehen. Und dann dauerte es auch nicht lange, daß ich dieses Hocken, Stehen, Sitzen in der Kälte und vor allem den Wind und den Staub Leid wurde (zumal ich heute größere Probleme mit Steifheit etc. hatte). Ich wollte zurücklaufen, sagte dies Sebastien und diskutierte noch kurz mit ihm. Danach stiefelte ich zum Bus und erklärte Norman, was ich vorhatte. Ich wollte über den Berg gehen und dann könnten sie mich auflesen oder auch nicht. Notfalls würde ich eben den ganzen weg zu Fuß zum Hotel gehen. Ich brauchte auf jeden Fall dringend etwas Bewegung.

Über den Berg durch Pumaland

So, da hatte ich also meinen Willen durchgesetzt, meinen Rucksack geschultert und begonnen, den Berg auf einem Trampelpfad zu erklimmen. Als ich so den Weg nahezu hinauf rannte, mußte ich ganz schön schnaufen. Oben angekommen durfte ich feststellen, daß oben relativ ist und es weiterhin schön auf und ab gehen würde. Und ich begann über meinen Weg und mein Lauftempo sowie die Uhrzeit – es war schon nach sieben – nachzudenken. Je mehr ich dachte, desto mehr beschleunigte ich meine Schritte. Warum? Tja, ich sage es mal so, es war nicht die drohende Dunkelheit, die tritt nämlich erst zwischen halb elf und elf Uhr ein. Daher war mir auch klar, daß ich die Strecke über den Berg bis zur zum Hotel führenden Straße (etwa 5,5km) gut schaffen würde. Aber, Moment mal, war da nicht etwas mit Pumas??? Ich lief gerade durch ihr Jagdgebiet, die Dämmerung setzte ein und rechts und links gab es herrlich viele Guanacos zur freien Auswahl. Büsche und Zäune fehlten auch nicht, also alles ideal für ein kleines Jagdabenteuer. Das käme wohl sehr komisch, wenn ich als Entschuldigung für spätes Auftauchen im Hotel sagen würde: „Sorry, but there was a puma in my way.“

Büsche, Lagunen, Guanacos, Malereien, Knochen, Überreste

Dies sah ich alles oder wenigstens den Hinweis (indigene Malereien) darauf, während ich nun wirklich ziemlich schnell weiter hastete. So schön der Sonnenschein war, die Büsche wurden mir unheimlich. Wenn da ein Puma lauern würde? Nicht daß er es auf mich abgesehen hätte, aber ich käme ihm vielleicht beim Jagen in die Quere… Und wenn ich einmal von mir ausgehe: Ich wäre auch ziemlich sauer, wenn mir jemand bei der Vorfreude auf ein gutes Mahl dazwischenkäme oder gar meine Mahlzeit verscheuchte. Gut war, daß ich inzwischen die Rufe der Guanacos und ihre Aufstellung (Wächter etc.) kannte. So orientierte ich mich an ihnen, um mich vor Pumas warnen zu lassen. Und weiter ging es …

Nach 75min voller Rastlosigkeit kam ich schneller als die meisten an besagter Straße an. Wie ein imaginärer Puma doch treiben kann, ist sagenhaft. Wie schnell ich gewesen war, wurde deutlich, als ich schon auf der Straße zum Hotel unterwegs war und aus der Ferne unseren Minibus am Ende meines Pfades ankommen sah. Wieder einmal hatten sie sich also nicht von den Pumas trennen können, was mir jedoch half, weil sie mich auflasen und ich dadurch nicht mehr alles zu Fuß zurücklegen mußte. Tja, und Sebastien und wohl auch Norman waren sehr erstaunt, wie weit ich schon gekommen war. Na wenn die wüßten, was mich getrieben hatte. Da war das Bedürfnis nach Bewegung noch der kleinste Antrieb gewesen.

Über den Nationalpark schlechthin

Kurz zur Erinnerung: Paine heißt in der Sprache der Tehuelche-Indianer (Aonikenk-Indianer, Patagonier) „himmelblau“, ergo bedeutet Torres del Paine etwa „Türme des blauen Himmels“. Dies spielt auf die Farben der Felsmassive an, die allerdings auch rot erstrahlen können, wenn nur das Licht entsprechend fällt. Generell wandeln sich die Farben der Berge hier im Laufe eines Tages, sofern sie sichtbar sind. Wegen der vorbeiziehenden Wolken ist dies nämlich durchaus nicht immer der Fall. Es gibt allerdings einen Trost: Aufgrund des Windes und des sich schnell verändernden Wetters sieht man selbst bei nur drei Tagen Aufenthalt die Torres mit Sicherheit einge Male. Es fragt sich eben immer nur, in welcher Farbe.

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Puma-Safari: 1. Tag – Was wir lernen können (7.1.2017)
Der dritte Tag: Pumas out, Landschaft in (9.1.2017)
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