1. Pumas sind dämmerungsaktiv, ich definitiv nicht!
Zuerst etwas für unsere Fremdwörterkiste: dämmerungsaktiv (zool.) heißt auf englisch crepuscular, seltener twilight-active, was ja auch ginge. Gibt es Tips, womit diese Bezeichnung zusammenhängt?
2. Pumas sind energiesparend veranlagt, ich auch, aber anders
Pumas bewegen sich gern auch stundenlang nur wenig. Sie können selbst bei Wind in der Sonne liegen, nur bedingt von niedrigen Büschen geschützt, und frieren dabei nicht. Wenn ich ihnen gegenüber hocke und sie beobachte, beginne ich trotz verschiedener Lagen so langsam von innen heraus durchzufrieren. Schön, wenn man dann einen Puma-Tracker und einen Guide dabei hat, die selbst nichts spüren und vor schierer Begeisterung für die Tiere sogar die Zeit und dabei das Frühstück, hilfe, neeiiiin, vergessen.
3. Pumas frieren im kalten Wind nicht, ich schon
s.o. Auf einer Puma-Safari hier im Nationalpark muß man sich schichtweise einpacken, aber letztlich reicht es trotzdem nicht. Vor allem dann nicht, wenn man zu früh aufstehen mußte und weder eine Dusche noch ein Frühstück bekommen hat. Bis zu einem gewissen Grad machen die Pumas, so man sie denn sieht, das wieder weg, aber eben nur bis zu einem gewissen Grad, wenn man nicht zu den passionierten Puma-/Katzen-Jägern gehört wie unser Tracker Jorge.
4. Pumas sind groß, schwer und schnell, ich klein, leicht und langsam
Will man sich den Pumas nähern, sollte man ihre Geschwindigkeit nicht außer Acht lassen (bis zu 75km): Man ist immer langsamer. Aber auch ihre Masse mit bis zu 100kg ist nicht kuschelig, auch wenn die Tiere geradezu zum Streicheln einladen. Allerdings haben sie an Menschen kein wirkliches Interesse, solange „Mensch“ sie in Ruhe jagen, fressen und ausruhen läßt. Also nicht ihre Kreise stört.
Klingel, surr, fieb – es ist 4.10 Uhr
Wenn man abends noch bloggt und daher bis um Mitternacht nicht schläft, kommt der Morgen bzw. die späte Nacht zu schnell. Was ist das für eine Quälerei, nur um evtl. einen Puma zu Gesicht zu bekommen, denke ich mir. Warum nur? (s. 1.)
Dunkel war’s, der Mond schien helle
So, dann los mit dem Minibus, den Tracker abholen. Danach fahren wir nur kurz und raus geht es in den eisigen Wind. So langsam wird es etwas heller (es ist schon fast fünf Uhr). Der Tracker George kennt sich aus und wir werden ein wenig ins Gelände geführt und sehen in der Dämmerung, so wir denn sehen (?!), einen Puma sich von uns entfernen. Für Bilder ist es noch zu dunkel, doch meine Kamera ist ohnehin im Fokus/ Zoom zu schlecht. Also kein Check!




Glänzender Sonnenschein, beißender Wind
Zurück ins Auto und zur nächsten Stelle am Lago Sarmiento. Nun heißt es anschleichen. D.h. selbstverständlich nicht, daß wir gekrochen sind. Aber es fehlte nicht so viel. Jorge geht immer voran und checkt die Lage. Wir anderen warten und Sebastien baut das Teleskop auf. Sobald Jorge ein Pumalein gefunden hat, führt er uns näher heran. Dabei gilt es Kleinigkeiten wie Windrichtung, Sichtfeld, Laune der Katze, Begleitung durch Junge o.ä. zu berücksichtigen.
Das Annähern erfolgt so: In einer Linie gehen, langsam gehen, Abstand untereinander einhalten, am Ort angekommen sich klein machen und warten, bis die nächste Phase gestartet werden kann. Die zurückgelegten Strecken werden in jeder Phase kürzer. Zuerst beginnen wir mit 100m, dann werden es 80m, dann 50m, bis wir irgendwann nur noch einige Schritte weitergehen. Das braucht offensichtlich Zeit. Und in den Zwischenpausen sollen sich die beobachteten Tiere an uns gewöhnen können. Auf diese Weise haben wir uns einer Puma-Dame mit ihren beiden Jungen (2-3 Monate alt) genähert, die zwischen Büschen auf einem Felsen in der Sonne lagen. Mir knurrte dabei der Magen, die Füße wurden eiskalt und trotz des kalten Windes kam die Müdigkeit durch. Und doch war es cool, die Pumas live zu sehen.
Frühstück und Pause
Hierzu ist fast alles in der Überschrift gesagt, nur so viel: Wir kamen auf den letzten Drücker beim Frühstücksbuffet an, doch es reichte (zeitlich und dann auch materiell). Danach war eine Pause bis um zwei angesetzt, um sich ggf. von der verkürzten Nacht zu erholen, zumal unser Fahrer auch eine Pause brauchte. Ich hing jetzt schon total in den Seilen. Bloggen, Musikhören, dösen …
Cascada Paine und eine erneute Puma-Safari
Der Ausflug zum Wasserfall erfrischt mich etwas. Die Landschaft ist wunderschön. Der kalte Wind ist auf seine Weise angenehm, wenn man genügend Lagen angezogen hat. Danach machten wir uns auf einem „Umweg“ zur zweiten Puma-Safari auf. „Umweg“ meint Extrahalte für andere Tiere. Gegen vier erreichten wir erneut die Bucht am Lago Sarmiento, wo uns Jorge schon erwartete. Er hatte dieselbe Puma-Mutter wie am Morgen mit ihren zwei Jungen gesichtet. Sie lagen auf Steinen in der Sonne, die Kleinen hinter der Mutter, so daß sie kaum zu sehen waren. Nun ja, zuerst war eh nur – wenn überhaupt – ein andersfarbiger Fleck auf dem Felsen zu sehen. Selbst mithilfe des Teleskops oder des mir von Jorge geliehenen Fernglases sah ich kaum etwas. Doch dann begannen, wir uns aus der ersten Richtung zu nähern, und es wurde ein wenig besser mit meiner Aussicht.
Schon bald ging es da aber nicht weiter, also wieder zurück und von woanders nähern. Am Ende tasteten wir und zusammen mit Jorge, aber ohne Sebastien, der mit dem Teleskop und einer besseren „Draufsicht“ auf die drei Pumas zurückgeblieben war, am Wasser an die Sonnenfelsen heran. Schließlich standen wir vielleicht noch zwanzig Meter entfernt und konnten alle drei Pumas sehen, da die Kleinen von ihrer Mutter gerufen wurden, herbeikamen und der eine sogar etwas mit ihr herum“schmuste“, bis es ihr zuviel wurde. Da stand sie auf und verschwand einige Zeit später in den Felsen, in Richtung Wasser, also grob dorthin, wo wir uns immer noch befanden und unser Glück ob der genialen Fotos der drei Tiere kaum fassen konnten. Da entschied der Tracker, daß wir langsam, aber bestimmt den Rückzug antreten sollten. Doch wir hatten ja auch alles gesehen. Puma – check!








Cena um 19.30 Uhr, Flucht ins Bett (4.40 Uhr aufstehen)
Wie schon beim Frühstück kamen wir zu spät, aber Puma-Jägern wird das verziehen. So konnten wir unser Essen noch bestellen, denn hier wird in zwei Schichten das Abendbrot abgefertigt (die zweite beginnt typisch südländisch um 20.30 Uhr). Nach einem Mahl aus mit Käse gefüllten Paprika verschwand ich schnell nicht nur im Zimmer, sondern auch im Bett. Der Tag war sehr lang und sehr anstrengend gewesen und der nächste versprach ebenfalls einige Beanspruchung.
