- Lage: rund 140 km nördlich der Stadt Puerto Natales
- Größe: 2420 km²
- Gründung: 1959, 1978 wurde er zum Biosphärenreservat der UNESCO erklärt
- Unterkunft: Hotel Las Torres
Paine heißt in der Sprache der Tehuelche-Indianer (Aonikenk-Indianer, Patagonier) „himmelblau“, Torres del Paine also „Türme des blauen Himmels“. Der Nationalpark ist durchzogen von bis zu beinahe 3000 m hohen Bergen, Gletschern, Fjorden und großen Seen. Im Sommer liegen die mittleren Temperaturen bei 11 °C und im Winter bei ca. 1 °C
Im Nationalpark Torres del Paine gibt es nur sehr wenige Übernachtungsmöglichkeiten, weswegen die Preise entsprechend ausfallen. Ein weiterer Ausbau an Unterkünften ist verboten, um die Natur zu schützen. Auch so ist die Belastung durch Tourismus bereits grenzwertig, jedenfalls zur Hochsaison, d.h. im europäischen Winter.
Vor Einrichtung des Parks durch die Regierung Chiles hatten die Grundbesitzer bereits große Teile der Wälder abgebrannt, um Schaf-Weideflächen zu gewinnen. Heute ist die Landschaft wieder der Natur überlassen. Allerdings haben Feuer, die von nachlässigen Touristen verursacht worden waren, große Teile der Wälder zerstört.
Die Tierwelt im Park ist vielfältig. Auffällig sind die Guanakos, Darwin-Nandus, Andenkondore und viele kleinere Vogelarten.
Aufbruch zur Puma-Tour (6.1.2017)
Eine Minigruppe findet sich
Morgens um 7.20 Uhr vom sehr netten älteren Hostal-Betreuer verabschiedet (que vayas bien!), im Hafen ein Kreuzfahrtschiff (Hurtigruten) gesehen, den leichten Dauerregen begrüßt und auf die Abholung gewartet. Dann kam der Minibus mit Sebastien (Guide) und Norman (Fahrer) und las mich auf. Anschließend fuhren wir zwei weitere Hotels ab, um schließlich todo completo zu sein (2 amerikanische ältere Ehepaare, beide keine Trump-Befürworter (das wurde schnell klar, aber auch, daß man unter den Amerikanern vorsichtig ist, sich zu positionieren), und einen Brasilianer. Danach mußte nur noch das Lunchpaket aufgegabelt werden, para mi: vegetariano, und los ging es. Dachte ich!
Von der Magellan-Straße zum ersten Feuchtgebiet (Humedal)
Ich hatte vergessen, nun in einer neuen Welt von Tour angekommen zu sein. Hier gibt es überhaupt keinen Streß, bei jedem Bedarf wird gehalten, alles kann genau beobachtet werden. Vor allem Vögel, womit ich nun keineswegs in dieser Ausprägung gerechnet habe. Ich bin wirklich kein Ornithologe. Ein Vogel hat zwei Flügel und kann – ja, fliegen, meist auch laufen und/ oder in der Gegend herumstehen, z.B. die Flamingos, hier chilenische Flamingos. Ok, ich weiß noch, es gibt Aasfresser (scavenger) und hmm, wie heißt das noch gleich, ah ja, Raubvögel (predators). Ansonsten sind die Vögel eben groß oder klein, fliegen schnell oder langsam, schlagen hochfrequent oder niedrigfrequent mit ihren Flügeln. Aber mit diesen rudimentären Kenntnissen ist es ziemlich peinlich unter ausgemachten Tierfreaks. Mich rettet nur, daß keiner deutsch kann, also auch nicht merkt, daß ich auch auf deutsch nicht weiß, wovon gerade gesprochen wird. Das wirkt sich übrigens beim Lernen der Namen auch aus: Ich kann die spanischen und englischen Namen wenig anbinden, mir also auch schwer merken. Ok, ok, ein paar Flügelschläger kenne ich, aber … Die anderen sind wirklich gut und der Guide ausgezeichnet. Und sie erklären, teilen das Fernglas mit mir, sind wirklich sehr hilfsbereit. Warum ich das alles erzähle? Weil es über Stunden hinweg bei nahezu jedem Halt um Vögel ging, so auch gleich bei Punta Arenas, im Feuchtgebiet. Übrigens heißt ganso – wer weiß es?
Von Stop zu Stop näher an die Pumas heran
Die Fahrt sollte viel länger dauern, als ich aufgrund meiner Entfernungskenntnisse angenommen hatte. Aber wir hielten ja oft an, fotographierten und besprachen, was zu sehen war. Sebastien ist ein leiser, in sich gekehrter Guide, der den Eindruck eines Naturliebhabers durch und durch macht. Er erklärt nur das Nötige, um nicht zu überfordern. Sein Englisch ist manchmal sehr kanpp, aber mit mir spricht er eh spanisch. Also alles super! Und lernen kann ich hier viel… Außerdem sind die anderen schon viel gereist, auch da lässt sich noch einiges lernen. Elias z.B. ist ein Zoo-Freak. Sorry, aber anders kann man das nicht nennen, wenn man von einer neuen Stadt vor allem die Zoos kennt. Zu Berlin: „Yes, I’ve been two times in Berlin. The Zoos are very good.“ At first I didn’t understand: „zuuus“??? Tja, wer denkt denn bei einer touristischen Erklärung an Zoos, was ja im englischen auch noch so komisch ausgesprochen wird? Ich jedenfalls nicht. Ich kannte den Kontext nicht. Nämlich, daß Elias ein Zoo-Freak ist (ich sage nur: drei Tage Zoo in Singapur). Entsprechend sieht auch die Kamera aus. Für die könnte man glatt einen Träger engagieren. Wie wirklich winzig ist dagegen meine Digicam…
Gefährliche Straßen und Winde
Bei allen Stops wurden Tiere jeder Art gesichtet, selbst wenn es nur ein Steppenfuchs war und wir eigentlich gerade aus anderen Gründen hielten. Faszinierend, mit welchem Enthusiasmus die anderen dabei sind. Ansteckend und anregend! Die beiden Amerikanerinnen (one a retired geek) arbeiten freiwillig in den Zoos ihre Städte. Sagte ich schon etwas über Zoo-Freaks?
Doch einmal hielten wir aus einem völlig anderen Grund. Bereits von Weitem (Straßen geradeaus bis zum Horizont) sahen wir es: Ein Fahrzeug lag überschlagen am Straßenrand, andere vorbeikommende Autos – von denen es nicht viele gibt – hielten sofort und halfen. So auch wir, denn eigentlich sollte das Fahrzeug mit vereinten Kräften wieder umgedreht werden. Aber davon wurde dann doch Abstand genommen, weil man die Verletzten (leicht bis mittel, nicht lebensgefährlich) nicht bewegen wollte. Die Ambulanz war bereits angerufen und unterwegs, was nur eine halbe Stunde dauern würde, weil Puerto Natales schon nah war. Überhöhte Geschwindigkeit und vor allem die Windböen sorgen hier regelmäßig für derartige Unfälle, wie Sebastien erklärte. Von unserem Guide bekamen sie Wasser, aber dann fuhren wir los, weil wir nicht weiterhelfen konnten. So ein Fahrzeug turned over aus der Nähe zu sehen, ist schon krass. Aber hier hilft wirklich jeder, was den Anblick gleich verbessert.
Ein Spaziergang im Park
Kurz danach – immer noch nicht in Puerto Natales, ganz zu schweigen vom NP Torres del Paine, unserem Ziel – pausierten wir in einem privaten Hotelpark und hielten Ausschau nach Vögeln. An einer künstlichen Lagune herrschte plötzlich große Aufregung: a kingfisher. Nun ja, ich kann das sicherlich übersetzen und dachte mir auch, daß es wohl ein Vogel ist, aber verdammt noch einmal, wie soll ich in dicht belaubten Bäumen einen Vogel finden, von dessen Aussehen ich nicht den leisesten Schimmer habe??? Mit vereinten Kräften und einem Fernglas sah auch ich irgendwann den Vogel. Ein hübsches Lufttier, im deutschen Eisvogel, was ich eben gegoogelt und heute mittag nur geahnt habe.
Puerto Natales – ein überraschendes Wiedersehen
Bei einem kurzen Stop in Puerto Natales zum Tanken erhielten wir die Möglichkeit im Souvenirshop die Wartezeit zu verbringen. Ich ging zur Tür herein und traf … eine meiner holländischen Reisebegleiterinnen von Ushuaia nach Punta Arenas. Sehr witzig. Sie hat inzwischen doch die weitere Route geplant, nachdem sie feststellen durfte, wie viel Zeit man verliert, weil längst nicht alles so gut angebunden ist, wie der Europäer denken mag. Danach haben wir übrigens noch am Ufer gehalten und schwarze Schwäne gesehen, die m.E. vollkommen zu Unrecht so heißen, weil sie nämlich nur einen schwarzen Hals und Kopf haben. Sie sollten Schwarzhalsschwan heißen, das wäre viel präziser.
Fortsetzung folgt, denn ich muß morgen um 4 Uhr aufstehen und jetzt ist es bereits halb zwölf! … Warum? Das verrate ich morgen …
So jetzt habe ich ein paar Minuten Pause für die Fortsetzung, aber nicht lange. Der Zeitplan ist eng.
Cerro Castillo – und noch ein Halt
Inzwischen war es schon nach zwei. Wir fuhren aus Puerto Natales los und immer mehr auf die Anden zu. In der nächsten Stunde wurde es immer kurviger, aber nicht viel höher. Am Wegesrand zappelten immer noch Vögel in der Luft, doch hielten wir nun nicht mehr so oft. schließlich erreichten wir Cerro Castillo, einen weiteren Grenzübergang zwischen Chile und Argentinien, der mindestens ebenso unterbesetzt wirkt wie der in San Sebastian. Kurze Pause aus verständlichen Gründen, dann ging es aber weiter.
Nationlpark Torres del Paine – Puma-Tour live
Die Straßen wurden schlechter, sowohl in ihrer Breite als auch Beschaffenheit. An einer Gablung zu zwei Parkeinfahrten verwandelte sich unsere Straße in einen ripio. Nun ging es langsamer und rumpelnder voran. Und wir sahen mehr Guanacos und Vögel. Der Busfahrer ist die Ruhe in Person und auf eine derartige Tour gut vorbereitet. Bei den geringsten Andeutungen, es könnte etwas zu sehen geben, schaltet er herunter oder hält sogar. Da sehen wir vor uns ein haltendes Fahrzeug am Rand und auf der anderen Seite einen Mann mit einem Feldstecher. Und außerdem einen sehr unruhigen Guanaco-Wächter. Messerscharf geschlossen durch unseren Guide: Puma! Wir klettern aus dem Van und da sehe ich einen Puma hinter einem Busch hervorlugen. Mit dem Fernglas von Sebastien kann ich das Raubtier genauer sehen. Für Bilder reicht meine Digicam aber wegen der Entfernung und des Gestrüpps leider nicht – da muß ich auf andere zurückgreifen. Doch jetzt kommt das für mich Typische: Diesen einen Puma habe ich als störendes Detail vor den Farben der Büsche gesehen, nicht jedoch den, der nahezu direkt an der Straße entlanggelaufen ist. Egal, Puma ist Puma! Mission erfüllt, bevor wir überhaupt den Nationalpark erreicht haben.
Danach erreichten wir die Parkgrenze, Sebastien zahlte den Eintritt und legten das letzte Stück des Weges (noch einmal eine halbe Stunde) zum Hotel Torres del Paine zurück. Inzwischen war es kurz vor sechs, zum Abendessen trafen wir uns um 7.30 p.m., danach bloggen und schlafen, wegen der Puma-Jagd ab vier Uhr morgens am nächsten Tag.








