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"Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, die die Welt nie angeschaut haben." – A. v. Humboldt

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Auf dem Weg von Argentinien nach Chile (2.1.2017)

Posted on Januar 2, 2017Mai 23, 2026 by hobbit

Start nach Punta Arenas

Dank lieber Zimmernachbarn – ein wirklich amüsantes älteres Pärchen, das morgens um 5.20 Uhr Scherze á la „Hier könnte man glatt Urlaub machen, aber haha, wir machen hier ja schon Urlaub“ von sich gibt – benötigt der geplagte Reisende keinen eigenen Wecker, um rechtzeitig aus der Falle zu klettern und ohne Frühstück zum Busbahnhof (Taxi) aufzubrechen. Dort standen überraschenderweise zwei Busse nach Punta Arenas, was doch etwas viel ist, wenn man weiß, daß eigentlich nur ein Bus auch nur dreimal die Woche dorthin fährt. Jedenfalls sammelten sich die Reisewilligen und die meisten kamen auch nicht auf den letzten Drücker wie vier junge Amerikaner. Und dann ging es ziemlich pünktlich los.

Bis zur Grenze und dann … stehen, stehen, stehen

Wie so oft regnete es auch heute, hin und wieder, mal stärker, mal schwächer, nie lange. Doch wir fuhren mitten hindurch, sowie durch die sehr tief hängenden Wolken in den Ausläufern der Anden. Dann wurde es flacher, nur leicht wellig. Soweit das Auge blickte gab es nur noch die Patagonische Steppe zu sehen. Gelegentlich liefen auch ein paar Guanacos vorbei. Ansonsten sah ich unglaublich großräumig eingezäunte Flächen, auf denen wollige Schafe (einmal sogar Shaunies!) und korpulente Rinder grasten. Zwischendurch fand sich ein Abzweig zu einer Estancia. Keine Menschen, fast kein Verkehr. Nur der Bus auf weiter Flur.

Wir fuhren an Tolhuin und Rio Grande vorbei, immer weiter auf der Ruta 3, bis wir gegen 11.30 Uhr die argentinische Grenze erreichten. Der Grenzübergang heißt San Sebastian und teilt sich in zwei Grenzposten, je einem auf jeder Seite.

Es erinnert etwas an frühere Formalitäten bei Transitfahrten durch die DDR. Allerdings waren die Schlangen im Gegensatz zu damals eher kurz. Doch die Länge einer Schlange gibt keinerlei Auskunft über die sich ergebende Wartezeit! Nach nur knapp eineinhalb Stunden durften wir alle ins Niemandsland zwischen den beiden Posten ausreisen. Yippieh!

Doch wenn schon die Ausreise soviel Zeit in Anspruch nimmt, wen verwundert es, daß die Einreise in ein Land mit strikten Einfuhrbestimmungen (nichts Frisches: Obst, Gemüse, Wurst, Milchprodukte, Pflanzen, Tiere) dem Einreisewilligen deutlich mehr Zeit abverlangt? Der geneigte Leser darf einmal schätzen, wie viel…

Richtig liegt, wer die erste Wartezeit verdoppelt hat. Für die Einreise standen wir weitere drei Stunden herum: die einen draußen im heftigen Wind (ich z.B.), die anderen sitzend im Bus. Zwischendurch durchsuchte ein junger, immer noch sehr verspielter Drogenhund unser Gepäck und – jo, schlug doch tatsächlich an. Also noch mehr Zeit, da eine Reisende ihren Rucksack bis auf das letzte Stück ausräumen durfte (Fehlalarm). Da wir aber eh noch wegen der Stempel anstanden, störte das Ganze nur geringfügig. Immerhin bin ich zu interessanten Unterhaltungen gekommen: mit zwei jeweils allein reisenden Holländerinnen, einem älteren britischen Ehepaar (er Professor für Geochemie in Oxford) und einer sehr netten Chilenin, die mehr französisch als spanisch mit allen sprach. Wie sooft komme ich selten mit Deutschen ins Gespräch, was wohl a) an ihrem Pärchenverhalten und b) an ihrer Langweiligkeit und Abgeschlossenheit liegt. Durch die Gespräche erhielt ich Reisetips für Indien, erteilte selbst welche für Patagonien und erfuhr andere interessante Dinge (z.B. auch einen Witz, der in den Niederlanden über Deutsche und ihr Englisch kursiert, echt komisch). Doch finally, finalmente, finalment, endlich waren die Einreiseformalitäten erledigt und wir durften weiterfahren.

Ripio – befestigte Straße – Magellan-Straße

Chile begrüßte uns zur Abwechslung mit, na klar, dem Gerumpel auf einem ripio und etwas Regen. Ansonsten sah Feuerland selbstverständlich immer noch gleich aus.  Wellig, großflächige Weiden, keine Menschen, nur die wenigen Lebensmüden, die den Grenzübergang nutzen wollten, Herden, einzelne Pferde und Estancias. Wir fuhren weiter, inzwischen auf einer schmalen befestigten Straße, eine Stunde, noch eine Stunde. Und endlich kam die Magellan-Straße in Sicht.

Wir hielten darauf zu und es sah beinahe so aus, als ob wir gleich bis ins Wasser weiterfahren würden, weil überhaupt nichts genau dieses verhindert hätte. Und dann erschien unser zweiter Busfahrer und erzählte etwas auf Spansisch, was akustisch nicht bis zu meinem Platz vordrang. Hmm, irgendetwas war da nicht so ganz, wie es sein sollte. Also bat ich mal wieder die neben mir sitzende Kanadierin (Calgary, Elektro-Ing.) aufzustehen. Ich fragte dann meine „Grenzgesprächspartner“ und – was soll ich sagen – der Wind sei so stark, daß nicht sicher sei, ob die Fähre fahren würde und es auch nicht klar sei, wann das feststehe. Alles inklusive! Das britische Ehepaar will morgen nach Santiago fliegen, andere sind auf den Anschlußbus nach Puerto Natales angewiesen. Spannend!

Allerdings blieb es „leider“ gar nicht so lange spannend, denn die vor der Zufahrt liegende Fähre ließ die Klappe hinunter und … nahm nur zwei LKWs, darunter einen Schaftransporter (ultraeng), auf, obwohl noch so viel Platz gewesen wäre. Wieder warten… Mitten auf der Weg fing diese Fähre jedoch ganz schön zu Schlingern an. Klar, es war windig, aber doch nicht so sehr, oder? Und dann kam die Anweisung, zum zweiten Anlegeplatz, i.e. eine Rampe, die ins Wasser führt, zu gehen. Alle, die etwa noch im us waren, mußten aussteigen. Und beim Entladen der ankommenden LKWs wußte ich auch, warum. Die mußten ganz schön zirkeln, um von der sich frei an der Rampe bewegenden Fähre herunterzufahren. Hier gibt es keine Haltetaue oder was auch immer. Es wird nur mittels Motorkraft gegen die Strömung gearbeitet, was zum Ausschlagen des Hecks führt. Doch finally, finalmente, finalment, endlich fuhren die Busse und Autos hinauf und wir dackelten zwischendrin hinterher, um in einem schmalen Passagierraum (schmaler als in einer U-Bahn) die Überfahrt zu erleben.

Das letzte Stück, inkl. Marsch durch „halb“ Punta Arenas

Das letzte Stück verlief unspektakulär. Das Übliche eben: Regen, Steppe, Tiere, keine Menschen, spannende Wolkengebilde, Sonne zwischendurch. Der eine Busfahrer klärte, wer noch weiter nach Puerto Natales wollte, ich hörte wie fast den gesamten Tag Musik, schaute hinaus und dachte über Verschiedenes nach (inkl. über einige Notizen zur Diss). Zwei weitere Stunden gingen ins Land. Als wir den Rand von Punta Arenas erreichten, war es 21.15 Uhr. Und nun machten die Busfahrer und das Busunternehmen den Buswechsel der Weiterreisenden in einem nahezu fliegenden Wechsel möglich. Gutes Timing! Wir selbst wurden bei Bus Sur in der Innenstadt abgesetzt, da es in Punta Arenas kein Busterminal gibt. Sofort verschwanden alle, das britische Paar verabschiedete sich noch kurz von mir und schon stand ich allein da. Ohne Plan von Punta Arenas, ohne Plan, wo ich lang gehen sollte, ohne Plan, wie das doofe GPS beim Handy funzt. Doch Problemlösen ist etwas Schönes: Ich sah ein Hotel, fragte dort, erhielt sogar eine Karte, die weit mehr nutzte als die Wegbeschreibung, und orientierte mich dann anhand der Karte und meinem Orientierungssinn. Gut zwanzig Minuten später kam ich in meinem Hostel an, etwas erschöpft, aber zufrieden. (Übrigens ist es hier ziemlich frisch und abends herrscht Totenstille.)

Lagos Escondido y Fagnano (1.1.2017)
Punta Arenas (2.1. – 6.1.2017)
  • Grenzübergang
  • Magellan-Straße
  • Pampa
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