Heute stand eine besondere Tour zu den Lagos Escondido y Fagnano auf dem Plan, auch wenn ich das irgendwie vorher nicht so ganz klar im Blick hatte. Über 4×4-Allradantrieb sollte man immerhin soweit nachdenken, daß man zu dem Schluß kommt, daß diese Autos nur benutzt werden, wenn die Straßen entsprechend aussehen. Nun ja, man kann unmöglich an alles denken!
Des morgens, doch längst nicht zu früh, holte mich Alejandro als erste ab, weswegen ich den Platz auf dem Beifahrersitz bekam. Muy bien! Danach lasen wir noch ein italienisches Pärchen und eine Argentinerin auf, was einen zu 95% spanischen Tag mit sich brachte. (Übrigens sind dies ohnehin die mir am häufigsten über den Weg laufenden Nationalitäten. Manchmal frage ich mich wirklich, ob noch jemand von den wohlhabenderen Italienern in Italien ist. Ich stolpere ständig über sie.)
Auf dem Weg zum Lago Escondido
An der Ruta 3 hielten wir bald außerhalb Ushuaias, um einen Aus- und Überblick über einen Turbal und die angrenzende Bergkette zu erhalten. (Leider sind die Bilder heute etwas dunkel, da die Wolken einfach nicht über die Berge steigen wollten. ) Dort trafen wir auch die anderen beiden 4×4 Autos derselben Agentur. Wie sich noch herausstellen sollte, fahren sie nicht ohne Grund (mit Funk verbunden) in der Kolonne.
Nach dieser kurzen Pause fuhren wir zur nahegelegenen Husky-Zucht, bei der ich nahezu einen Eklat heraufbeschwor, weil ich nicht noch einmal extra etwas bezahlen wollte, denn das hatte man mir mal wieder nicht gesagt. – Irgendwie wird man als Tourist das Gefühl leider nicht los, daß alle Welt so viel wie möglich herauspressen möchte und dafür auch mal das eine oder andere vergißt oder verändert. Das funktioniert am besten bei Leuten wie bei mir, die sich sprachlich nicht genug ausdrücken können. – Doch Alejandro war nicht etwa genervt, sondern entgegenkommend, so daß ich nichts bezahlen mußte. So folgte ich schließlich den spanischen Erklärungen zu den Huskies, nahm anschließend ebenfalls einen ganz schön schweren Nachwuchs auf den Arm und schaute mich ein wenig um, während die anderen z.T. noch etwas Tee genossen. Doch dann ging es weiter.



Ein Blick auf den Lago Escondido und die Fahrt auf der alten Ruta 3
Einige Zeit danach erreichten wir den Abzweig der alten Ruta 3 und nun erfuhr ich eher unsanft, warum ich in einem 4×4 saß. Die Qualität und Enge verhieß wenig Gutes. Da ich mir im Allgemeinen einfach zu viele Gedanken mache, mag ich das, was andere spannend und aufregend finden, in der Regel nicht (sehr). Also konnte ich auch dem Gerumpel und halb senkrecht Stehen des Autos wenig abgewinnen. Auch eine besondere Nähe zu Abhängen und hohe Geschwindigkeit bei staubgetrübter Sicht sind mir eher fremd. Dabei hilft mir auch das Bewußtsein, mit einem Profi unterwegs zu sein, nur wenig.
Doch allzu viele Extras hat unser Fahrer nicht eingebaut, vielleicht auch weil er meine Verkrampftheit bemerkt hat. Ihm lag vor allem daran, uns viel Spaß zu bereiten und uns genauso viel über die Umgebung zu erzählen. So habe ich viel über gefräßige Bieber, über die Aussagekraft der Bärte von Bäumen, über die „Früchte“, die aus dem Kampf eines Baumparasiten und eines Baumes hervorgehen, und über andere Dinge erfahren. Alles auf Spanisch, was ohne ein gewisses Maß an Weltwissen sicherlich nicht möglich gewesen wäre. So konnte ich an Konzepte andocken und mir einen Haufen an Wörtern in Ergänzung zu den bekannten erschließen.
Am Ziel: Lago Fagnano
Während der Fahrt wurde nun deutlich, warum wir in Kolonne fuhren und warum sich die Fahrer stets über Funk verständigten. Das erste Fahrzeug meldete Auffälligkeiten jeder Art, sei es einen entgegenkommenden Radfahrer (un locito!) bzw. Autos, sei es eine Vogelfamilie am Wegesrand. wie sehr die drei Fahrer als Team arbeiteten, wurde auch bei der Zubereitung des Mittagessens deutlich, das wir am Lago Fagnano einnehmen wollten. Da wir die ersten waren, begann Alejandro mit dem Heizen unseres Eßraumes und schickte uns spazieren gehen. Nach nicht einmal einer Dreiviertelstunde waren der Raum warm und der Tisch gedeckt, der Grill lief auf Hochtouren und wir konnten uns gemütlich bedienen lassen. Diese Wartezeit hatten wir alle zu mehr oder weniger ausgedehnten Ausflügen am Seeufer entlang überbrückt. Der Wind erwies sich zwar als ziemlich frisch, doch der Blick und die Schönheit der Natur waren wie gewohnt Motivation genug, draußen zu bleiben.
Almuerzo! Muy rico!
Das Essen war unglaublich gut: Ich bekam ein wunderbares vegetarisches Essen (vorher angesagt), das aus verschiedenen gegrillten Kartoffelscheiben, Zwiebeln und etwas Paprika bestand. Dazu gab es für alle Salat (Tomate, Rotkohl, Endivie). Nach knapp zwei Wochen endlich einmal ein sättigendes und wohlschmeckendes Mahl! Aber auch die anderen waren von ihren „asados“ begeistert. Es gab sogar noch Kaffee und so einen italienischen Kuchen (schüttel) zum Nachtisch. Kein Wunder, daß wir (allerdings ohne die Fahrer, die ja grillten) eine ganze Weile zusammensaßen und uns unterhielten (ich zu Beginn englisch mit dem ital. Pärchen). Das Ganze war sehr entspannend und vor allem mitten in der Natur.










Knapp entkommen
Schließlich wurde eingepackt und wir brachen auf. Auf dem Rückweg war die staubige Straße zum Lago Fagnano ziemlich stark befahren, so daß es viele Funksignale gab. Danach ging es auf der neuen Ruta 3 weiter, während es zu regnen anfing. Neu heißt übrigens nicht, daß sie sich in einem Top-Zustand befände. Wir kurvten manchmal hart am Rand entlang und da gab es einige Löcher in der Begrenzung oder im Belag. Inzwischen schüttete es und wir fuhren an zweiter Stelle der Kolonne. Vor unserem ersten Wagen fuhr ein etwas langsameres Fahrzeug, das man aber wegen der Wetterbedingungen und zahlreichen Kurven nicht überholen konnte. So dachten jedenfalls unsere Fahrer. Nicht jedoch ein Raser, der uns überholte, das entgegenkommende Auto nicht sah und es im Prinzip nur der Warnung meines Fahrers an unser erstes Fahrzeug verdankt, daß wir nicht alle einem Riesencrash zum Opfer gefallen sind. Es war verdammt knapp, da die Fahrbahn nicht für drei Autos ausgelegt ist. Es blieb nicht der einzige Raser, doch der bei weitem gefährlichste. Zuletzt erreichten wir Ushuaia, wo ich zuerst abgesetzt wurde und sich alle sehr persönlich – Umarmen und „Küßchen“ – verabschiedeten. Südländer …
