Zu groß und zu viele Menschen
Heute hieß es ohne Frühstück loszuwandern, um rechtzeitig am Touristenpier für die Exkursion auf dem Beagle-Kanal anzukommen. Erschwerend kamen die steifen und klagenden Muskeln der gestrigen Dauerwanderung hinzu. Doch dank einer Banane, die bei mir keineswegs ein ordentliches Frühstück ersetzen kann, und einiger Sonnenstrahlen lief es sich ganz gut. Am Pier bzw. den Touranbietern herrschte Hochbetrieb. Im Schnelldurchgang erhielt ich mein Ticket und konnte zum Pier aufbrechen. Aber nicht, ohne zuvor auch für den Zugang zum Pier extra zu zahlen, obwohl in meiner Buchungs-E-Mail stand, dieser Eintritt sei bezahlt. – Am Ende folgte ich anderen Touris zum Boot und stellte enttäuscht fest, daß es ein riesiger Kataraman war. Riesig = viele Menschen, weit weg von den Tieren.
Beagle-Kanal: Kaiserkormorane, die Pinguinen ähneln
Der erste Stop (immer ohne Ausstiegsmöglichkeit) war die Isla de los pajaros, die Insel der Vögel. Dort saßen und standen unzählige Kaiserkormorane, die von weitem tatsächlich den Magellan-Pinguinen zum Verwechseln ähnlich sehen. Doch sie können fliegen, ein eindeutiges Indiz auf ihre Identität.Außerdem sehen sie aus der Nähe selbst im Stehen den Pinguinen nur begrenzt ähnlich (ein Dank an mein kleines Fernglas). Doch aufgrund der Art der Tour blieb nicht viel Zeit, sie zu beobachten. Es hatte mehr Ähnlichkeit mit den Touren der Japaner: Kurz anhalten, fotographieren und weiter.
Beagle-Kanal: Faro Les Eclaireurs
Während des Ansteuerns der nächsten Sehenswürdigkeit unterhielt ich mich mit meinen begrenzten Möglichkeiten mit einer Argentinerin, mit der ich bereits vor dem Ablegen in erste Gesprächsfetzen gekommen war. Früher sei sie viel gereist, spreche aber trotzdem kein Englisch. Na klar, wie könnte es auch anders sein? Sie kannte die Tour schon und begleitete eine Freundin, die übrigens deutlich weniger gesprächig und meist gar nicht unter Deck war. So hatte ich etwas Abwechslung, auch wenn es sich manchmal schwierig gestaltete, den spanischen und englischen Erläuterungen des „Schiffsguides“ und meiner Gesprächspartnerin zugleich zu folgen. Es störte sie allerdings gar nicht, wenn ich kurz mal verschwand, um z.B. den Leuchtturm aufzunehmen. Unkompliziert und nett.
Beagle-Kanal: Isla Martillo
Dieser Name bedeutet „Hammer-Insel“, weil sie irgendwie so aussehen soll, doch das konnte ich vom Schiff aus leider nicht überprüfen. Also keine Gewähr! Hier hausen viele bis ganz viele Pinguine, hauptsächlich zwei Arten (Magellan-Pinguine und ???). Und manchmal verirrt sich ein armer Königspinguin hierhin, so wie heute. Und da er allein war, wird sein Partner wohl schon gestorben sein und nun ist er allein unterwegs. Dabei folgt er den jährlichen Gepflogenheiten und kehrt zu den Brutplätzen zurück. So allein und durch das Alter gerupft gab er einen sehr traurigen Anblick ab. Doch gleichzeitg ermöglichte seine Anwesenheit einen unerwarteten Größenvergleich. Er ist doch um einiges größer als die Magellan-Pinguine.
Beagle-Kanal: Estancia Harberton
Zuletzt legten wir am Kai der Estancia Harberton an, die vom Anglikaner Thomas Bridges als erste Estancia auf Feuerland um 1885 gegründet wurde. Ihren Namen erhielt sie nach dem Geburtsort seiner ebenfalls englischstämmigen Ehefrau. Nach etwa 100 Jahren der Schafzucht wurde diese in den 90er Jahren aufgegeben (deutlich früher bereits der Handel mit dem hier typischen Lenga-Holz). Heute lebt der Ur-Ur-Enkel immer noch in demselben Wohngebäude wie der Begründer. Die Estancia lebt ausschließlich vom Tourismus und der Arbeit von Freiwilligen im Acatushún Museum, das zugleich über Meeressäugetiere informiert und ein Labor für die wissenschaftliche Auswertung der gefundenen Skelette zur Verfügung stellt.
Zuerst erhielten wir eine Führung zur Geschichte der Estancia. Ausnahmsweise entschied ich mich für die englische Fürung, da die Teilnehmerzahl deutlich geringer ausfiel. Eine gute Wahl, denn so passierte doch tatsächlich auch etwas Witziges. Der andere Guide verließ mit seiner riesigen Gruppe die ehemalige Scheune und – sperrte uns ein. Unsere Führerin war so erstaunt, daß sie naheliegenden Lösungsvorschlägen meinerseits (durch die Schafsluke hinauszukrabbeln) nicht zustimmte, sondern durch den Türspalt nach dem anderen rief und ohne Empfang ihn mit ihrem Mobile zu erreichen versuchte. Es war erheiternd! Aber mit dem Problemlösen haben sie es nicht so … Danach konnte man im Restaurant mit Ausblick auf die Bucht des Beagle-Kanals essen oder davor die Sonne genießen, um anschließend gestärkt eine Führung im Museum zu erhalten. Diese war übrigens sehr gut und wurde von einer Freiwilligen (Biologie-Studentin aus BA) durchgeführt. Voller Begeisterung erzählte sie sehr anschaulich, so daß es nicht langweilig wurde.








