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"Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, die die Welt nie angeschaut haben." – A. v. Humboldt

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NP Tierra del Fuego (30.12.2026)

Posted on Dezember 30, 2016Mai 23, 2026 by hobbit

Durchtrainiert ist anders!

Gleich das wichtigste vorweg: Ich bin am Ende zwar gekrochen, aber selbst den Nachhauseweg habe ich noch geschafft. Ich könnte das ja auf mein Alter oder das Klima oder am besten auf beides schieben, jedoch fürchte ich, daß es mehr mit meinem Trainingszustand zu tun hat. Wovon ich eigentlich spreche? Tja, vom Wandern im Nationalpark, ist doch klar.

Das Wandern ist des Naturliebhabers Lust

Vom Busterminal – haha, genau genommen handelt es sich dabei um einen Parkplatz – fahren stündlich Minivans (Collectivos) zum Nationalpark. Anders kommt man nicht hin. Schön, mit dem eigenen Auto schon. Also war ich auf diese Busse angewiesen und vor allem den Preisen ausgesetzt. Am besten nicht mehr darüber nachdenken… Im Park halten diese Busse an drei Stellen, nachdem man am Eingang seinen ebenfalls heftigen Obolus entrichtet hat. Diese Haltepunkte werden jede Stunde angefahren, so dass man bei a) aussteigen und bei c) wieder einsteigen kann. Das ist praktisch und wurde von mir gleich avisiert. Als geübter Wanderer – hmm, jaja, da denke ich noch einmal drüber nach – wollte ich nicht nur so ein bißchen herumlaufen, sondern gleich möglichst alles abgrasen. Dabei schloß ich mich der Empfehlung der Busticketverkäuferin an.

Nachdem ich am ersten Haltepunkt ausgestiegen war, war ich ob der Aussicht begeistert: Ich stand direkt an einer Bucht des Beaglekanal, der Wind wehte, die Sonne schien, die Anden erwiderten meinen Blick, wenige Menschen, ein vielversprechender Pfad.

Costera Trail im NP Tierra del Fuego

Dieser erste Wanderpfad war wunderschön und wegen seiner Länge (8 km) auch ziemlich einsam. Dies wirkte so erholsam! Meist führt er direkt an der Küste entlang, auch wenn die letzten paar Kilometer doch eher landeinwärts führen und weniger spektakulär ausfallen.

Manchmal ist der Weg so schmal, daß man sich dünne machen muß. Manchmal hängen Bäume über dem Weg, dann heißt es den Kopf einziehen. Manchmal ist er so verwurzelt oder steinig, daß man die Füße bewußt setzen sollte, wenn man nicht stolpern oder den Hang hinunter kullern möchte. Und zwischendrin hört man Vögel mit den Flügeln schlagen, singen oder durch das Unterholz hopsen. Und an den Stränden gibt es so viele schöne Steine zu bewundern, daß man sich in der Betrachtung verlieren könnte. Wenn dann noch die Sonne scheint, vergehen diese drei Stunden des Wanderns trotz wiederkehrender Beschwerden wie im Fluge.

Eine Pause, ein See und noch mehr Wasser und Grün

Danach stiefelte ich zum nächsten Pfad. Dabei kam ich am Besucherzentrum vorbei, wo ich eine kleine Pause einlegte und das Kindermenu futterte. Ausgewählt nach Geschmack und Preis, doch reichte es allemal für einen kleinen Erwachsenen. Im Anschluss machte ich mich auf zum Roca-See, der mir gegenüber als sehenswert bezeichnet worden war. Dazu lief ich etwa einen Kilometer am Lapataia-Fluß entlang. Der See entpuppte sich tatsächlich als schön, doch war es inzwischen etwas kühler geworden (Sonne oft hinter den Wolken) und meine Muskeln hatten außerdem begonnen, mir Vorhaltungen zu machen. (Anmerkung: Es ist immer gut, wenn dann klar ist, wer der Herr ist: Wille und Kopf!) Also kehrte ich rasch um, weil ich noch einige andere Pfade erkunden wollte.

Nun begann eine Strecke, die immer wieder auch einmal auf die Ruta 3 zurückführte. Diese ist die letzte Straße des Kontinents, von deren Ende es über 17.000 km bis nach Alaska sind. Im Nationalpark ist sie jedoch nur noch eine schmale und sehr staubige Straße. Von ihr führten einige Pfade ab, so z.B. der zu einer kleinen Insel. Die Vegetation und der Untergrund änderten sich gegenüber dem Küstenpfad. Es wurde deutlich feuchter und grasiger. Die Felsen blieben.

Und es veränderte sich noch etwas: die Erkennbarkeit des Weges. Die Pfade sind immer mit gelben Holzpflöcken markiert, doch hier fand ich auf den schmalen und zuwuchernden Wegen manchmal gar nicht den nächsten, weswegen ich zu Umwegen, Kletterpartien an Minifelswänden, Ehrenrunden und Sprüngen getrieben wurde. Dies trieb allerdings zu diesem Zeitpunkt meiner Wanderung gelegentlich etwas das Adrenalin in die Höhe, da meine Muskeln und vor allem mein Rücken durch den Rucksack verdammt steif geworden waren. Und wer will schon irgendwo im Nirgendwo von einer Felswand abrutschen und jammernd im Dreck liegen?

Am Ende erreichte ich einen herrlichen Ausguck (mirador) über die Lapataia-Bucht und erblickte vor allem auch das Ende meines Weges. Ich sah den Parkplatz für die Minivans in nicht mehr allzu großer Ferne vor mir liegen. Dort kam ich Punkt sechs Uhr an und hatte so viel Glück wie selten, denn ein Minivan stand noch dort und wollte gerade losfahren. Ich erstürmte ihn oder besser: ich quälte mich die hohe Stufe hoch und ließ mich stöhenend auf den erst besten Sitz plumpsen. Endlich sitzen und bloß nicht an den langen Weg in Ushuaia denken…

Ushuaia (29.12.2016 – 2.1.2017)
Beagle-Kanal (31.12.2016)
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