Rawson – schwarze Delphine, doch wo sind sie?
Zuerst stand heute mit derselben agencia von gestern ein Ausflug nach Rawson an. Morgens wurde ich zu einer vernüftigen Zeit, kurz vor neun, vor meinem Hotel abgeholt, weil Trelew auf dem Weg liegt. Gleich sah ich, daß es Fahrer und Guide vom Vortag waren. Ok. Dann stieg ich ein und war nicht gerade erfreut festzustellen, daß ich gestern vom „Verkäufer“ hintergangen worden war. Ich hatte explizit danach gefragt, ob Kinder auf der Tour dabei wären. Nein! Tja, was soll ich sagen: Es befand sich dasselbe schreckliche Zwillingspärchen mit Familie vom gestrigen Tag im Bus. Und am Schreien waren sie auch schon.
Es ging also heute so weiter, wie es gestern geendet hatte. Aber immerhin war der Bus nicht voll. In Rawson angekommen erwarben wir Tickets für die Bootstour zu den schwarzen Delphinen (Toninos), die eineinhalb Stunden dauern sollte. Das Boot ist ein für derartige Touren typisches Dinghy, d.h. ein relativ großes Schlauchboot mit Außenbordmotor. Durch Zufall landete ich neben der Brasilianerin (Christina, Sao Paolo) aus unserer kleinen Gruppe. Während der Fahrt auf das Meer fing ich ein Gespräch mit ihr an, das von uns beiden sehr viel Flexibilität verlangte. Warum? Nun ja, wir verständigten uns wie folgt: Sie sprach französisch, ich englisch, weil wir wenigstens passiv die jeweils andere Sprache so halbwegs verstehen. Sie kann kein Englisch und auch kaum Spanisch, ich kein Portugiesisch. Es dürfte klar sein, wie mühsam das war, doch es ging erstaunlich gut. So hat sich mein Schulfranzösisch nach so vielen Jahren doch endlich einmal gelohnt, wer hätte das gedacht. Ich erfuhr z.B. , daß sie in Brasilien ebenfalls (bezogen auf Europa und Nordamerika) mit einer aufstrebenden rechten Bewegung zu kämpfen haben. Dinge, die man noch vor nicht langer Zeit nicht offen gesagt hätte, werden nun ganz unverblümt ausgesprochen. Wir wurden allerdings immer wieder unterbrochen, wenn es dann doch einmal danach aussah, als könnte ein Delphin auftauchen. Irgendwann tauschte ich meinen Platz gegen einen trockneren ein, weswegen wir die Fortsetzung unseres Gesprächs auf den Bus verschoben. Nach einiger Zeit gab ich schließlich die Hoffnung auf und schützte mich nur noch vor der heftigen Sonneneinstrahlung, weil mir schon leicht komisch wurde. Im Prinzip bewahrheitete sich meine Ahnung: Bis zum Ende der Fahrt sahen wir ganz kurz genau zwei Delphine. (In der Touristeninformation hatte man mir ja auch den Nachmittag für eine solche Tour empfohlen. Wahrscheinlich sind sie nachmittags zuverlässiger anzutreffen.)

Insgesamt war dieser Ausflug eher ein (teurer) Reinfall, auch wenn ich mich ganz gut unterhalten habe. Irgendwie sind die Tierchen hier auch alle in den Ferien!
Punta Tombo – gaaanz viele Pinguine
Punta Tombo, das Ziel des Tages, erreichten wir nach knapp 1,5h Fahrt. Dort muss man zuerst einmal Eintritt bezahlen (als Ausländer immer das Doppelte) und dann kann man auf einem 1,5km langen, ausgebauten Pfad seiner Freude an Magellan-Pinguinen frönen. Sollte einmal ein kleiner Held den Weg kreuzen, hat er selbstverständlich Vorrang. Das riesige Gebiet des Reservates wird von sehr vielen Buschen geziert, klar, es gehört ja zur patagonischen Steppe. Doch daß unter jedem Busch mindestens eine Pinguin-Familie haust, sieht man erst beim Durchwandern eben dieser Steppe. Darüber hinaus sind hier natürlich auch andere Tiere wie Guanacos, Choiques und Adler zu finden.

Den angesprochenen Weg bin ich zusammen mit Christina gegangen. Dabei haben wir unser Gespräch über ihre Forschungsthemen, vor allem das der Dissertation, fortgesetzt. Es hatte sich nämlich etwas absolut Kurioses herausgestellt: Sie ist „Professorin“ für Philosophie und Altgriechisch an der Uni in Sao Poalo. Ihre Dissertation hat sie über einen Vergleich des Hippolytus mit den Arkadiern geschrieben, doch Einzeleinheiten sind hier sicherlich nicht sinnvoll. Ausgehend von der Gemeinsamkeit hinsichtlich der Antike konnten wir immer wieder unser Gespräch fortsetzen. Es war schlichtweg cool, jemanden zu treffen, mit dem man über antike Komödien oder Platon oder die Bedeutung von Sprache reden kann. Währenddessen haben wir selbstverständlich die Pinguine nicht aus den Augen verloren, wie auch die Bilder in der Galerie belegen.










Gaiman, die Zweite
Hmm, hier schwächelte der Veranstalter bzw. der Guide etwas. Eigentlich sollte es eine Miniführung in Gaiman geben, doch diese wurde zugunsten eines Teehausaufenthaltes sang- und klanglos übergangen. Christina wollten den Tee versuchen, doch ich blieb mit einem französischen Pärchen (eigtl. Franzose und Griechin) draußen. Wir gingen etwas spazieren und unterhielten uns über weitere Reisemöglichkeiten, da die beiden vorhaben, übermorgen ebenfalls nach Ushuaia aufzubrechen. Erst deutlich später bekam ich heraus, daß sie den Bus nehmen werden. Na dann viel Spaß! Zwei Tage Busfahrt? Nein, danke. Sie wollen eine ähnliche Route nehmen wie ich plus Peru und evtl. Galapagos. So konnte ich ein wenig von meinen Erfahrungen berichten und wir vertrieben uns auf diese Weise die Zeit. Dann ging es zurück und zwar heute mal nach Trelew, so daß ich schneller als die anderen wieder im Hotel ankam.
