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"Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, die die Welt nie angeschaut haben." – A. v. Humboldt

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Trelew (24.-29.12.2016)

Posted on Dezember 24, 2016Mai 23, 2026 by hobbit

Allgemeine Informationen zu Trelew und den Ausflugszielen

  • Einfallstor zur Halbinsel Valdés
  • Lage: im Nordosten der Provinz Chubut, 25 Kilometer westlich der Atlantikküste
  • Einwohner: knapp 100.000
  • Gründung: Ende des 19. Jh.
  • Unterkunft: Hotel Touring Club

Trelew entstand durch Einwanderer aus Wales, die Ende des 19. Jahrhunderts in das argentinische Patagonien kamen und mit dem Bau einer Eisenbahn den Neuen Golf mit dem Tal verbinden wollten.
Im Januar 1886 wurde der Vertrag mit jenem Unternehmen unterzeichnet, das die Konstruktion der Eisenbahnlinie übernehmen sollte. Unmittelbar danach begannen die Bauherren, Lewis Jones und Thomas Davies mit der Konstruktion. Lewis Jones war der Hauptinitiator beim Bau der Eisenbahn und trieb dadurch die Entwicklung der Kolonie wesentlich voran. So wurde er auch zum Namensgeber der Stadt Trelew: Tre = Dorf oder Siedlung auf Walisisch, Lew = Kurzform von Lewis.
Nach Trelew reist man, weil sich hier der Flughafen befindet, um tagelanges Reisen mit dem Bus zur Peninsula Valdés zu verhindern. Trotzdem bietet Trelew selbst und seine Umgebung mehr als Wal- und Vogelbeobachtung auf der Halbinsel. Z.B. kann man nach Gaiman, einem von Schotten gegründeten Ort, oder nach Punta Tombo fahren. Zum letztgenannten Ort begibt man sich, wenn man mal so richtig viele Pinguine auf einem Fleck sehen will. Und das ganzjährig!

Der lange Weg nach Trelew

Teil 1: Die Überfahrt über den Rio de la Plata

Mit der für südamerikanische Verhältnisse sehr pünktlichen Abfahrt begann eine ruhige „Dampferfahrt“, die gut drei Stunden dauern sollte. – Ich habe übrigens ein richtiges Schnäppchen mit dem Preis gemacht: Im Internet hätte ich in Argentinischen Pesos knapp 28€ gezahlt, vor Ort mußte ich allerdings nur gut 18€ in Uruguayos berappen. – Die Sonne schien, dann ging sie unter, schließlich wurden die Sterne sichtbar, … Wie man liest, sehr beschaulich. Während des Tuckerns rückte ich im Hörbuch vor. Dabei kam mir so in Erinnerung, wie geheimnisvoll gerade der Rio de la Plata für mich seit meiner Karl May-Zeit gewesen war, und ich staunte nun darüber, tatsächlich auf eben diesem damals so sagenumwobenen Fluß – einem Zusammenfluß des Rio Paraná und des Rio Uruguay – von einem Land in das andere einzureisen. Es war ein wenig, wie der Abschluß eines Kapitels…

Beim auf Buenos Aires Zuhalten erkannte ich viele Gebäude wieder, auch wenn BA nachts und von der Wasserseite etwas anders aussieht. Vor allem entdeckte ich, wie geschickt der Obelisk aufgestellt resp. wie ausgeklügelt die neuen Gebäude errichtet worden waren. Hält man direkt auf den Hafen von BA zu, bilden zwei Hochhäuser quasi ein Tor, durch das der Obelisk wie eine Nadel sehr lange und sehr gut zu sehen ist. Faszinierend!

Nach der nur geringfügig verspäteten Landung schnappte ich mir mein Gepäck (etc., pp), ließ es wie hier üblich auch bei der Einreise nochmals durchleuchten (wer weiß, vielleicht ist ja inzwischen irgendetwas vom Himmel in meinen Rücksack gefallen?) und schulterte alles für den kurzen Marsch zu „Manuel Tienda Leon“, meiner Transfermöglichkeit zum Flughafen Ezeiza, der sehr weit außerhalb von BA liegt. Während meines Spazierganges dachte ich mal wieder über die Bedeutung „Blocks“ nach. Dieser eine Block zog sich etwa so lang hin, wie bei uns die Haupstraße eines Ortsteiles oder Dorfes ist. Demnach mußte ich ein wenig laufen, direkt an einer der am stärksten befahrenen Straßen BAs entlang. Obwohl dies nur eine normale Straße ist, heizen auf ihr alle Vehikel so schnell sie nur irgendwie innerhalb einer Stadt können, deutlich schneller als sie dürften!

Teil 2: Die „Busfahrt“ zum Flughafen und die Übernachtung dort

Als ich bei „Tienda“ ankam, war es viertel nach Elf und ich ziemlich müde. Der Bus zum Flughafen sollte gegen Mitternacht fahren. Sollte! Wie sich herausstellte, kam er nicht. Das Personal war entsprechend aufgeregt, denn wir standen ja herum und mußten irgendwie zum Flughafen kommen. Wir hatten schließlich dafür bezahlt. Der erste Lösungsansatz sah vor, einen anderen Bus umzuleiten. Also stieg ich ein, ließ mich nieder und dachte mir: „Ich habe Zeit, hier im Bus ist es bequem und ich kann dösen.“ Jojo, genau so weit kam ich mit meinen Gedanken, bis mich derselbe Mitarbeiter, der mich gerade hineinbefördert hatte, wieder aus dem Bus lotste. Gut, es mußte wohl eine andere Lösung her, da inzwischen etwa 16 bis 20 Reisende zu diesem verflixten Flughafen wollten. Also Lösungsansatz zwei! Das Unternehmen bietet auch PKW-Fahrten zu den Flughäfen an, weswegen einige Fahrer gerade da waren. Sie bekamen die Anweisung, mit ihren privaten PKWs die Fahrt der Passagiere zu übernehmen, so daß wir nun für unseren Bustarif im deutlich schnelleren „Taxi“ chauffiert wurden. Das nenne ich mal eine unkomplizierte und kundenorientierte Lösung.

Und dann stand ich am Terminal C – etwa so abgelegen wie die Terminals der Billigflieger in Deutschland. Zugegeben, Aerolineas Argentinas gehört auch in diese Rubrik. Inzwischen war es nach ein Uhr in der Nacht, keine Gepäckabgabe möglich und das Gebäude etwas frisch. Also schlich ich vollkommen übermüdet wieder hinaus, um draußen zu nächtigen. Irgendwie ist das eine Reminiszenz an den Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv, Israel. Damals konnte ich nicht schlafen, weil es zu hart, aber vor allem ohne Decke nachts zu kalt war. Hah, ich habe ja genau deswegen einen Schlafsack dabei! Also suchte ich mir eine Steinbank, legte an beiden Enden meine Rucksäcke ab, den Schlafsack und mich legte ich dazwischen: den Kopf auf dem kleinen Tagesrucksack, die Beine auf dem großen. Aber mal ehrlich, wer will schon so einen schweren Klops stehlen? Doch Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste oder so ähnlich. Ich döste tatsächlich etwas ein, doch es war kalt und feucht. Also aktivierte ich noch meine Winterjacke, rollte mich wieder zusammen (Wecker gestellt, man weiß ja nie) und sackte erstaunlicherweise sogar immer wieder etwas fester weg. Doch gegen fünf wurde es zunehmend betriebsamer, so daß ich mich gegen halb sechs hoch quälte, alles verstaute und endlich mein Gepäck abgab. Doch so richtig wach wurde ich nicht und nahm mir vor, gegen meine Gewohnheit in Trelew ein frühes Mittagsschläfchen zu machen.

Teil 3: Der Flug nach Trelew und der Rest

Die Sicherheitskontrolle war mal wieder der Brüller. Die Schuhe mußte ich ausziehen, ähm alle. Meinen PC konnte ich im Rucksack lassen, meinen Gürtel mußte ich auch nicht abnehmen und vor allem durfte ich meine Wasserflasche mitnehmen. Letzteres war mir auch dunkel von den anderen Inlandsflügen in Südamerika im Gedächtnis geblieben. Irgendwie sind die inländischen Flugbestimmungen doch sehr unterschiedlich. Der Flug selbst war ereignislos, aber das ist sicherlich positiv zu bewerten. Beim Anflug bekam ich einen ersten Vorgeschmack, was Weite und Pampa bedeuten. Der Flughafen liegt im Nirgendwo, die Zufahrtstraße ist einfach geteert, ansonsten sieht man nichts außer flachen Gräsern und Büschen, trockener Erde, ggf. einen Bewässerungskanal, einige Windräder – oh Mann, hier könnte man viel mehr davon aufstellen, bei so viel Platz.

Entsprechnd klein ist das Flughafengebäude, auch wenn es selbstverständlich noch viel kleiner ginge (z.B. auf den Galapagos-Inseln). Im Ausgangsbereich gibt es theoretisch eine Touristeninformation und sogar praktisch einige Autovermietungen und einen Transfer nach Puerto Madryn. Doch ich wollte nach Trelew und dazu etwas von der Information wissen. Laut Reiseführer, bestätigt durch meinen Eindruck, sind die Boxen dort immer dann besetzt, wenn ein Flugzeug landet (wahrscheinlich max. zweimal pro Tag) und potentielle Kunden liefert. So hätte es auch mit der Touristeninfo sein sollen. Grrr. Schon wieder mußte ich jemanden einfach so fragen, der als typischer Argentinier sehr viele Fremdsprachen spricht, nämlich immerhin halbwegs verständliches Spanisch (außer dieser allgegenwärtigen sch-Laute: schamada, portugesch, oder der weiteren südamerikanischen Besonderheiten). Aber nett sind die Befragten allemal gewesen, das zählt schließlich. So erfuhr ich, wie viel ich etwa für ein Taxi zu bezahlen hätte.

Die Ermittlung dieses Betrages ist eine empfehlenswerte Maßnahme, um nicht als Touri genappt zu werden, auch wenn das hier vielleicht weniger wahrscheinlich ist als in BA. In diesem Sinne nahm ich die Taxifahrt in Angriff, die angenehm kurz war. Mein Hotel ist wegen seiner Geschichte idealerweise in ganz Trelew bekannt. Sehr praktisch. Und dann stand ich endlich im Hotel, meldete mich an und freute mich auf mein Bett. Ok, eins wurde auch klar: Hier komme ich nur noch mit Spanisch weiter. Egal, einfach nur hinlegen, ausruhen, Hörbuch weiterhören und erholen. Jaja, das Alter ist unerbittlich…

* Der Weg hätte ohne Flug noch viel länger sein können: Mit dem Bus braucht man von BA bis Trelew etwa 24h.

Trelew – busy und öde zugleich

Sagen wir mal so: Würde ich einen Reiseführer über Patagonien schreiben, würde ich vielleicht doch noch etwas dezidierter von diesem Ort abraten, auch wenn es einiges Gutes hat, hier zu nächtigen. Beispielsweise sorgt man für seine Gesundheit, indem man zu beiden Touristeninformationen läuft, in der Hoffnung, wenigstens eine der drei (s. Flughafen) sei besetzt. Oder aber man wird zum Hungern und Abnehmen gezwungen, weil nachmittags kaum ein Restaurant oder eine Bar geöffnet hat oder eben gerade beim Eintreten schließt. Sicher, es gibt einige Lokalitäten, die tagsüber geöffnet bleiben, doch deren Speisenbandbreite schließt kaum etwas Anderes ein als die üblichen Gerichte (ohne Gemüse, mit viel Brot/ Papas). Auch schön ist, daß es mit einer einzigen Ausnahme keine Tourenanbieter zu den Highlights der Region gibt. Und die Ausnahme – hat am samstag ab 13 Uhr geschlossen, am Sonn-/Feiertag überhaupt nicht geöffnet. Wenn man sich dann überlegt, es könnte ja doch ein Auto gemietet werden, um das zuvor genannte Problem etwas zu umgehen und vor allem auch unabhängig zu sein, dann stellt sich das Gleiche heraus wie für die Tourenanbieter und die Touristeninfos: Keiner ist irgendwo da. Nun ja, aber immerhin lernt man so die Innenstadt gut kennen, tut durch das Umherlaufen etwas für die Gesundheit – hmm, in der prallen Sonne von 28 Grad im Schatten? – und freut sich, wenn dann wenigstens ein Supermarkt aufgetan werden kann, in dem es übrigens fast kein normales Brot, d.h. etwas Anderes als Kuchenbrot, gibt, nur so als kleine Anmerkung. Doch immerhin gab es am Busbahnhof noch jemanden, der vor Touristen nicht flieht, so daß ich einen „Horario“ für die Busse nach Gaiman bekam.

Das zum Thema öde. Es gibt hier allerdings wohl ein gutes Paläoontologisches Museum mit Dinos und so, doch ist das nicht so ganz meine Stoßrichtung. Ein paar Kirchen, z.T. noch aus der Zeit der Waliser, gibt es auch. Aber sonst? – Nun gut, Trelew war auch immer nur als (billigerer) Ausgangspunkt für die Sehenswürdigkeiten gedacht. Dafür wäre es ja ausreichend, wenn man die Ausflüge organisieren könnte.

Ansonsten ist Trelew eine typische regionale Hauptstadt. Es gibt ein paar mehr Einwohner, im Zentrum kann man shoppen gehen (heute ganz besonders intensiv, inkl. Geschenkeinpacktischen vor den Läden, z.B. wurde ein Fußball eingewickelt), es gibt überall Ampeln, ein Bussystem und zwei, drei Plätze und einen „Park“ (eher ein halbwegs grüner Platz mit Spielgeräten und Denkmälern). Normaler geht es kaum noch. Und weil es zurzeit wohl für die Einwohner sehr warm ist, wenn ich mal die Äußerung des Taxifahrers entsprechend interpretiere, läuft jeder möglichst nah an den Häusern entlang und sucht Schatten. (Anderssprachige) Touristen habe ich übrigens kaum gesehen. Die dürften wohl alle in Puerto Madryn herumhängen und die Qual der Wahl bei den Tourangeboten und Autovermietungen haben. Übrigens sieht man hier genauso wie in den anderen südamerikanischen Ländern sehr viele dicke bis fette Menschen, je jünger, desto häufiger fett. Wenn man sich aber dann in Restaurants das Essen (Art und Menge) und die Getränke oder den Einkauf der Leute bzw. die vorhandenen Angebote in den Supermärkten anschaut, ist diese Entwicklung kaum verwunderlich. Interessant wäre zu erfahren, ob dagegen etwas von staatlicher Seite wie beispielsweise in GB unternommen wird.

Und noch zuletzt etwas für die Weihnachtsmuffel: Hier gibt es zwar ab und zu Weihnachtliches in den Geschäften (Lichterketten, Mützen, geschmückte künstliche Bäumchen, originale engl. W-Lieder in spanischer Sprache), doch insgesamt kaum einen vergleichbaren Hype wie in Europa. Keine Schokosachen, keine Braten oder so etwas. Sicherlich wird morgen der Weihnachtsfeiertag (nur der erste gilt hier als Feiertag) im Kreis der Familie mit gutem Essen und Geschenken zugebracht und es scheint auch Ferien zu geben, doch es ist wohl hauptsächlich auf zuhause begrenzt. Sehr angenehm!

Colonia del Sacramento (22.-23.12.2016)
Gaiman / Puerto Madryn (25.12.2016)

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