Allgemeine Informationen zu Montevideo
- Ursprünglicher Name: San Felipe y Santiago de Montevideo
- Lage: am Rio de la Plata, gegenüber von Buenos Aires
- Einwohner: rund 1,3 Mio.
- Gründung: ab 1724 durch spanische Krone veranlasst, am Ort der heutigen Ciudad Vieja; als militärischer Schutz vor den aus Brasilien einfallenden Portugiesen gedacht.
- Unterkunft: Puerto Mercado Hotel
Montevideo gilt als eine der sichersten Städte Lateinamerikas und bietet ein hohes Maß an Lebensqualität. Für Touristen ist es wegen seiner Überschaubarkeit, interessanter Museen, Theater und Sehenswürdigkeiten und insbesondere seiner Strände attraktiv. Und doch gibt es nicht allzu viele Hotels oder gar einen Massentourismus.
Die liebe Not mit dem Geld
Nachdem ich nun mein Gepäck im Flughafen von Montevideo zusammengeklaubt hatte, machte ich mich auf nach draußen. Auf dem Weg wurde mir „Exchange money, very good offer“ angeboten, was ich aber dankend ablehnte. Was hätte ich wechseln sollen? Außerdem wartete meine Visa-Card bereits ungeduldig auf ihren Einsatz. In der „großen“ Halle des Carasco-Airports fand ich auf einen Hinweis hin auch gleich einen wunderbaren Geldautomaten. Doch dessen Zauber verflog zunehmend, als ich ihn auf keine Weise überzeugen konnte, mir doch endlich etwas Geld zu geben. Vier frustrierende Anläufe und eine Kontaktaufnahme mit der Information bei langsam aufkeimender Verzweiflung später fand ich überraschenderweise in dem Miniairport einen weiteren Geldautomaten, der sich zwar auch erst etwas zierte, doch dann endlich klein beigab. 500 $ (Uruq. Pesos) spuckte er aus, nachdem ich endlich die richtigen Zwischenschritte („checking“) getroffen hatte. Seltsamerweise wird zwischen verschiedenen Abhebearten unterschieden, wie mir dann auch wieder von den letzten Malen eingefallen war. Jedenfalls hatte ich nun endlich genug Geld, um mich in den nächstbesten Bus Richtung Stadt zu drängeln.
Das Gekurve in die Stadt
Im Bus war ich endlich in Südamerika angekommen. Offene Fenster, altes Outfit, seltsame Verzierungen vorn über dem Fahrer (z.B. Masken aus dem Karneval, deren Augen leuchten, wenn der Fahrer bremst). Aber auch hier sind fast alle still, mit dem Mobile beschäftigt oder wenigstens mit Kopfhörern von der Außenwelt abgeschnitten. Leise Mitfahrer also! Der Busfahrer heizte relativ harmlos durch die zu dieser Tageszeit verhältnismäßig leeren Straßen, selbst das Bremsen war selten überaus spontan. Von der Umgebung bekam ich wegen meines kleinen Gepäckstückes kaum etwas mit, doch was ich sah, wirkte typisch. Allerdings springen einen weder Armut noch Müll unbedingt an, doch das kleine Uruguay hält sich wohl auch ziemlich wacker.
Einige dreißig Minuten später rief der Fahrer „Ciudad vieja“ und ich hopste aus dem Bus, stand in einer Straße, deren Namen ich nicht kannte, und fluchte etwas, dass ich mir keinen Plan von Google maps besorgt hatte.
Die Suche nach dem Hotel – vielleicht doch 18kg?
Ich dachte noch einmal genau über die Lage und den Namen des Hotels nach, das ich im Oktober gebucht hatte. Also es heißt Puerto Mercado, klasse Hafen. Der Hafen war rechts zu sehen. Es lag irgendwie ziemlich weit Richtung Meer an der Spitze der Ausbuchtung des alten Montevideo, also irgendwo nach vorn / geradeaus gehen. Gut, also los! Ganz schön warm … Und sonnig … Schwarzes T-Shirt, lange Ärmel, dunkle, warme Jeans, ein etwas zu voll geratener Rucksack hinten und vorn auch ein etwas fetter Tagesrucksack. Hmm, Krafttraining wäre doch wohl empfehlenswert gewesen!
Ich ging los, selbstverständlich etwas bergauf, obwohl es hier überhaupt keine Hügel gibt. Zwei, drei Straßen weiter die Frage der Frage an einen Zeitungsverkäufer: „Busco la calle Cerrito, donde esta?“ Und zu meiner Erleichterung war ich fast richtig, nur eine Parallelstraße weiter „abajo/unten“. Dort angekommen erblickte ich die Hausnummern. Tja, 6oo und ein paar Zerquetschte. Mein Hotel hat aber eine 200er Nummer. Also weiterlaufen und schön durchhalten. Einige Blöcke später – ein Block ist in Amerika einfach etwas mehr als bei uns – kam dann mein Hotel in Sicht. Ich schleppte mich zur Rezeption und war froh, mein Gepäck wenigstens kurzfristig loszuwerden.
Der erste Stadtrundgang – ohne Karte, aber mit Ruhe
Obwohl ich total übermüdet und fertig war – meine Fremdsprachenkenntnisse sinken dann immer auf beängstigende Tiefpunkte -, packte ich nur das Notwendigste aus und zog mich um.
Das Zimmer ist winzig und befindet sich direkt an der Straße über einer Bushaltestelle. Aber es reicht. Das Bad entspricht gutem Standard und müffelt nur wie so oft in Südamerika etwas nach Schimmel. Aber immerhin darf man hier das (einlagige) Toilettenpapier auch in die Toilette werfen.
Nach dieser Inspektion und den anderen Maßnahmen schlenderte ich durch die Stadt, von Hunger und dem Verlangen nach Sonne getrieben. Wahrscheinlich habe ich in der Altstadt schon fast alles gesehen, was es zu sehen gibt, aber bei der Statdtour zu Fuß werde ich auch noch etwas über die Gebäude erfahren. Vieles ist heruntergekommen und verrät nur den ursprünglichen Charme. Und doch ist das Feeling angenehm und entspannend. Auch am Meer bin ich entlangspaziert und habe mir gleich für den nächsten Tag Sonnencreme verordnet. Zu den Beobachtungen schreibe ich noch etwas extra (s. weiter unten).








Die Müdigkeit nimmt zu
Ganz kurz: In einem kleinen Laden leistete ich mir eine Empanada und zwei Bananen. In einer Konditorei noch etwas Süßes. Geld besorgte ich noch einmal, etwas zu trinken ebenfalls. Danach zog ich mich in mein Zimmer zurück und begann mit dem Blog. Die persönlichen Nachrichten aus der Heimat erhielten ebenfalls die notwendige Aufmerksamkeit. Doch dann hieß es endlich schlafen (nach fast 40 Stunden) und vor allem liegen und ausstrecken…
Free Walking Tour
Nach einem typischen Frühstück fühlte ich mich gestärkt genug, um den Blog fortzusetzen. Außerdem wollte ich nicht zu früh aufbrechen, da hier erst um zehn Uhr irgend etwas auf der Straße los ist. Doch dann brach ich auf. Zuerst ging es zum Hafen, in dem ich zwei Riesenluxusliner bestaunte. Es ist doch immer wieder erstaunlich, was alles schwimmen kann und das auch noch in einem Hafenbecken.
Im Anschluss besorgte ich mir die obligatorische Touristenkarte im entsprechenden Büro (auch erst ab zehn Uhr möglich – hier gilt vielleicht „festina lente“). Eigentlich brauchte ich sie nicht mehr so richtig, da ich in der Altstadt schon alles abgelaufen war. Aber was soll’s. Mein Weg führte mich nun zur Piazza de Independencia, da sich dort der Treffpunkt für die free walking tour befindet (11 Uhr). Zwei nette Studenten sammelten dort die Leute um sich und bald darauf ging es auch (pünktlich) los. Witzigerweise konnte der eine sogar deutsch, das er im Goetheinstitut gelernt hat. Die Gruppen wurden nach Englisch und Spanisch aufgeteilt und ich schloss mich der kleineren Gruppe an: Spanisch. Tja, um es gleich vorweg zu nehmen, ich habe nur Teile verstanden und vor allem, wenn es um das Leben und die Einstellungen der Leute aus Uruguay ging, bin ich ausgestiegen, weil ich mir nichts zusammenreimen konnte. Geschichte und bloße Fakten gehen ja noch, aber wo, wer, warum einkauft oder wieso, was, warum so ist, wie es ist, blieb mir insgesamt verschlossen, so dass ich zum Ende der Tour doch wieder zur Englischen wechselte. Überhaupt bin ich vollkommen aus der Übung mit Spanisch, a big mess. Naja, eine Übung war es trotzdem. Ich muss einfach nur wieder etwas Spanisch lesen und diese dummen Alltagsfloskeln irgendwie lernen…
Insgesamt haben die beiden die Tour aber gut gemacht. Für den Lärm können sie ja nichts. Wie so oft bei diesen Touren haben die Guides Spirit und erzählen auch aus persönlicher Sicht, was vieles anschaulicher werden lässt.



Was lässt sich noch alles erlaufen?
Nach der Tour stand ich mal wieder am Puerto Mercado, d.h. am anderen Ende der Altstadt nahe meines Hotels. Nun ja, das andere Ende ist Definitionssache. Aber wenn man zu den Stränden oder zum Park Rodo laufen möchte, liegt dieser Ort weitest möglich entfernt. Selbst eine kurze Rast zur Nahrungsaufnahme – dos Panchos (Frankfurters, gemeinhin Hot Dogs) con una Coca Cola – überzeugte mich nicht unbedingt davon, bei 28-30 Grad im Schatten vier Kilometer in der prallen Sonne dorthin zu laufen. Und trotzdem lief es letztlich darauf hinaus, weil ich mich nicht mehr erinnern konnte, wo man Fahrräder leihen kann. Von dem Anmarsch gibt es in beide Richtungen wenig zu erzählen, auch wenn es schon interessant war, so durch die Straßen zu wandern. Touristen sah ich keine. Dafür kreuzte mein Weg der Zentralfriedhof, der allerdings um vier geschlossen wurde. Ich hatte genau noch zehn Minuten Zeit! Mein ursprüngliches Ziel, der Park Rodo, befindet sich weitgehend im Reparaturstadium, ist trotzdem ganz nett und vor allem schattig. Leise wird es auch hier nicht, denn dafür gibt es rundherum zu viele Straßen. Ansonsten war es einfach irgendwann anstrengend, so durch die Gegend zu latschen, vor allem an den Ramblas entlang, zwischen Meer und sechsspuriger Straße. Einheimische sitzen hier teilweise und genießen das Meer. Doch wie sie das hören wollen oder sich gar unterhalten bzw. verstehen können, ist mir ob des Krachs der Autos ein Rätsel. Und Schatten kann man auch nur finden, wenn man klein genug ist, um von den Pfeilern der Brüstung profitieren zu können.









Ausklang in Montevideo
Irgendwann war ich wieder zurück und habe mir ein zweites Mahl gegönnt – eine Riesenportion Pommes, die bei uns locker für zwei Portionen gereicht hätte. Jaja, das hatte der Guide erzählt: Die meisten Portionen entsprechen eher den Maßstäben von zwei Portionen. Demnächst werde ich zu Beilagen übergehen, das dürfte mir allemal genügen. Danach trottete ich müde und angenehm satt zurück.
Quintessenz Montevideo
- Lärm : Busse und Autos jeden (!) Alters … Mehr muss man nicht sagen.
- Einbahnstraßen: Vor allem in der Altstadt, aber auch drumherum herrschen Einbahnstraßen vor. Da aber alles als Schachbrettmuster angelegt ist, fällt die Orientierung dennoch leicht: Jeweils Parallelstraßen führen in die entgegengesetzten Richtungen.
- Park-Boys und Parkraum: Auf den Ramblas kann man am Rand parken, aber dann kommt gern mal ein wahrscheinlich selbst ernannter Parkraumbewacher, der für seine Mühe wie Helfen beim Einparken belohnt werden möchte. Wie überall will das längst nicht jeder bezahlen, was zu skurilen Wegfahrszenen führen kann. Was den Parkraum in der Innenstadt angeht, haben es die Einwohner clever gelöst: Da man an den schmalen Straßen nicht parken kann, gibt es beinahe in jeder Straße einen (manchmal auch überdachten) Innenhof oder ein erstes Geschoss, in das tagsüber (abends wird geschlossen) die Autos verfrachtet werden. Natürlich alles bewacht!
- Essen auf der Straße: Dies scheint nicht goutiert zu werden, jedenfalls wenn ich den relativ empörten Blick eines älteren Mannes mal so deute, als ich gestern abend meinen Nachtisch im Gehen verspeiste. Daraufhin habe ich heute mal geschaut: kein Coffe-to-go oder Essen/ Snacken auf der Straße.
- Zustand der Gebäude: Wie bereits angedeutet sehen viele der Gebäude erschreckend baufällig aus, so dass der neokoloniale Stil mit postmodernem Zerfall zu kämpfen hat. Dies ist wirklich schade, weil viele der Gebäude wunderschön aussehen könnten. Interressant ist auch, wie klein manche Gebäude sind (Ende des 19. Jh. gebaut). Nur die Gebäude aus Uruguays Blütezeit (30er Jahre des 20. Jh.), das dank der „Rinder in Dosen“ damals auch als Schweiz Südamerikas bezeichnet wurde, sind immer noch sehr gut erhalten. Irgendwie hat man damals nicht nur sehr groß – Palazzo Salgo, höchstes Gebäude Südamerikas bei Eröffnung 1937 – , sondern auch sehr haltbar gebaut.
- Polizei und Touristen: Dazu nur soviel: Solange die Touris der großen Schiffe in der Stadt sind, scheint es plötzlich deutlich mehr Polizei zu geben. Oder sie ist vor allem nur in der Tagschicht im Einsatz (zwischen 10 und 18 Uhr).
- Sauberkeit: Hier ist es – jedenfalls in der Innenstadt – ziemlich sauber. Besonders auf den Straßen liegt wenig herum, die Müllkörbe werden weitgehend genutzt. Klar kann man dreckige Ecken finden, aber in Berlin stößt man inzwischen auf mehr Dreck als hier.
- Gerüche und Geräusche: Hier zieht alles durch die Straßen: Grillgeruch (sehr angenehm), Mief aus feuchten Kellern/ Räumen, Seeluft, ggf. mit Algengeruch gemischt, Abgasgestank (manchmal ist es sehr schwarz hinter einem Bus), Parfüms, … Neben dem Straßenkrach hört man regelmäßig irgendwo Baulärm, den einen oder anderen Musiker, die Händler mit ihren Waren (nicht die Passanten anschreiend wie anderswo), die Sedgeways der Polizisten. Wenn die Autos und Busse nicht wären, wäre es hier extrem ruhig, weil sich die Uruguays (kein Schimmer, wie das Volk heißt) eher leise und zurückhaltend verhalten.
p.s.: Sorry für den Blaustich in den Bildern, der Weißabgleich war auf künstliches Licht eingestellt, sehr ärgerlich. Leider hat das Bearbeiten der Bilder nur sehr begrenzt geholfen.
