Fliegen: Niemals ohne Komplikationen!
So, bald geht es los. Endlich sind soweit alle Flüge gebucht, aber gerade kam eine unmögliche Flugbuchungsänderung herein: Die Konsequenz wird noch eine Nacht auf einem Flughafen sein und dann auch noch auf dem bescheuerten Flughafen von Buenos Aires, ganz weit außerhalb der Stadt. Da hätte ich doch Uruguay weglassen können. So ein Mist!
Was ist mitzunehmen?
Ansonsten sind die Überlegungen für etwaige Erwerbungen größtenteils abgeschlossen. Es wird nichts mehr gekauft. Die Klamotten müssten reichen, Akkus etc. sind vorhanden, Schlafsack und Fernglas auch. Ein paar Dollars wären nicht schlecht, richtig da war noch was. Auf jeden Fall sind warme, möglichst auch wetterfeste Sachen wichtig. Hmm, und eine neue riesige (!) Flashcard sollte es wohl doch noch sein.
Was ist noch zu erledigen?
Na, z.B. das Hotel in Perito Moreno buchen. Noch eine mühsame spanische E-Mail entfernt… Und dann sollten ein paar Bustickets besorgt werden, jedenfalls bei den Bussen, die nur einmal am Tag fahren, z.B. von Ushuaia nach Punta Arenas. Außerdem sollte ich mal an meinem Spanisch etwas arbeiten, aber irgendwie fehlt mir gerade die Lust.
Aufbruch
TXL: 17.45 Uhr >> CDG: 19.30 Uhr | CDG: 23.20 Uhr >> MVD: 11.25 Uhr
Schneller wäre es auch gegangen, aber nicht viel. Die Spitzenwerte liegen bei 18,5 Stunden, da sind die 21 Stunden gar nicht so viel, wenn man bedenkt, man könnte auch zwei Tage unterwegs sein. Hin ist es diesmal Air France, mal schauen, wie das Essen ist und ob es nette Filme gibt.
Der erste Abschnitt: Berlin – Paris
Nach einem letzten Abstecher in die Uni erreichte ich am 19.12.2017 kurz vor vier den Flughafen Tegel, wo ich mich mit Caro traf, die es sich trotz Krücken – ups, Gehhilfen – nicht hat nehmen lassen, mich zu verabschieden. Zuerst wurde ich mal mein Gepäck los – doch schwerer, als ich gedacht hatte: 18kg laut Aufkleber, doch das scheint mir etwas viel. Danach plauderten wir noch einige Zeit, bis ich mich durch die Sicherheit quälen musste. Wie immer, ein reines Vergnügen… Und dann ging es fast pünktlich los, nur 20min Verspätung, die wir seltsamerweise in Paris nicht mehr hatten. Wieder einmal bin ich ins Grübeln gekommen: Ob die Fluggesellschaften diese Verspätungen bereits in ihre Zeitplanungen einkalkulieren?
Egal, ich war jedenfalls fast pünktlich in Paris und musste nahezu vier Stunden totschlagen. Das Flughafengebäude sieht von der Form her fast wie eine Boing aus, runde Wände und „Bullaugen“, und – ganz wichtig – es gibt einen echten Transferbereich, so dass man kein zweites Mal durch die Sicherheit muss (anders als in Amsterdam). Es gibt auch Wifi for free und Ladestationen – hahah, beide funktionieren nur nicht! Gut, dass man durch eine gründliche Suche auch andere (französische) Steckdosen finden kann, um etwas am Netbook schreiben und gleichzeitig laden zu können. Zeit totschlagen eben!
Der zweite Abschnitt: Paris – Buenos Aires
Wieder einmal zu spät los! Aber was macht schon eine halbe Stunde aus, wenn man eh die nächsten dreizehn Stunden eingepfercht und tiefgekühlt verbringen kann? Gegen die Friererei haben selbst meine heißgeliebte Winterjacke und die verteilte Fleecedecke kaum geholfen. Jetzt schniefe ich schon etwas … Ansonsten hatte der Flug seine Höhen und Tiefen und das bitte wörtlich nehmen, denn es schaukelte bisweilen sehr. Doch da die meisten geschlafen haben, was mir methodisch auf immer ein Rätsel bleiben wird, gab es kein Gestöhne. Ich hingegen wusste schon sehr bald nicht mehr, wie ich mich noch positionieren sollte, um neben der Schlaflosigkeit nicht auch noch Schmerzen ertragen zu müssen. Wäre ich ein Elb, könnte ich durch Wachträume regenerieren. So blieb mir nur der Wunschtraum eines tiefen und erholsamen Schlafes. (Zum Zeitvertreib gab es zuerst X-Men Apocalypse, dann ca. acht bis zehn Musikalben, schließlich neun Folgen der Big Bang Theory, um an meinen Bildungsdefiziten zuarbeiten. Meine Augen und ich wurden dabei aber nicht unbedingt wacher.) Aber irgendwann war auch diese Tortur zu Ende und wir sollten alle aussteigen. Hmm, warum eigentlich? Ich sollte doch mit diesem Vogel nach Montevideo weiterfliegen. Aber zahlreiche, wiederholte, verwirrende und z.T. falsche Ansagen später – meist auf Französisch und Spanisch, bei Englisch sind die Ansager manchmal in die Knie gegangen und haben es einfach sein gelassen – stand auch ich mit einem Transitschein in Buenos Aires im Flughafen und räumte im Rucksack auf, um … in Panik zu geraten, weil mein Audiobook weg war. In meiner Verschlafenheit hatte ich es doch tatsächlich im Flugzeug gelassen! Doch die Leute waren nett und holten es mir, Erleichterung! Allerdings hätten sie es auch drin lassen können, weil wir eh mit dem gleichen Flugzeug unsere Reise fortsetzen sollten. Aber egal: Ich hatte es zurück. Die Maschine war dann auch fast pünktlich. Es gab nur eine knappe halbe Stunde Verspätung, was übrigens fast so viel beträgt, wie der gesamte Flug von Buenos Aires nach Montevideo. (Nicht, dass wir nicht schon an eben diesem Montevideo vorbeigekommen wären.)


Der dritte Abschnitt – Buenos Aires nach Montevideo
In einem inzwischen ziemlich leeren Flugzeug, das obendrein durch die zuvorkommende Sonne etwas aufgewärmt worden war, ließ sich der kurze Trip über den Rio de la Plata gut aushalten. Die versäumte halbe Stunde konnten wir leider auch nicht aufholen.^^ Und dann kam das dicke Ende: Da sie in Uruguay nicht so viele an die Passkontrolle setzen, standen wir in 15 Reihen – drei Flugzeugladungen – fast eine Stunde lang Schlange, um einreisen zu dürfen (mit Augenaufnahme/ Foto und Fingerabdruck). Nun ja, es hatte selbstverständlich auch etwas Gutes: Ich musste nicht mehr auf mein Gepäck warten, weil es wie die übrigen Stücke auf dem Band gemächlich seine Bahnen zog. So konnte ich es herunterzerren und meinen Rucksack noch mehr bepacken, um mich endlich in die Stadt aufzumachen. Aber das gehört hier nicht mehr hin.
