Nach einem gemütlichen Aufstehprozeß begab ich mich zur Kathedrale von Oaxaca, weil dort die Free Walking Tour beginnt. Als zwei Minuten vor 10 Uhr immer noch keiner da war, zweifelte ich ja ein wenig, aber dann kam Gabi doch noch. Und erst in diesem Moment kamen auch die interessierten englischsprechenden Touristen zusammen. Dabei traf ich auf ein älteres englisches Ehepaar, das mich aus dem Hotel in Mexiko City wieder erkannte. Und woran? Na klar, die grünen Haare. Die beiden sind schon viel in der Welt herumgekommen und er hat mir auf jeden Fall Kolumbien als Reiseziel empfohlen. Die anderen waren wieder einmal Amerikaner, Kanadier und Australier sowie für eine dieser Touren insgesamt überdurchschnittlich alt.
Schon zu Beginn der Tour bemerkte ich, daß Gabi nicht so fundierte über Geschichte und Politik Bescheid wußte, wie ich es bevorzuge. Ihre Spezialität sind wohl mehr die einfachen Dinge der Stadt bzw. des Landes, aber das gefällt vielen auf jeden Fall auch gut. Unsere Tour war insgesamt nicht so lang (räumlich), gab aber einen kleinen Überblick, vor allem über die zahlreichen Kirchen. Die Tour endete dementsprechend auch wieder vor einer Kirche, wo sich die alte Kanadierin sogar ohne Tipping vom Acker machte. Meine Güte, hier ist alles so billig, da könnte man wirklich dem Menschen, der einem gerade 2,5h Einblick in Oaxaca gewährt hat, etwas geben. Ganz abgesehen davon, daß diese Touren nur auf dieser Basis funktionieren.
Nun ja, wir trennten uns also und ich testete zusammen mit den Engländern noch schnell eine Eisform, die hier nieve (= Schnee) genannt wird. Von der Konsistenz ist es eher Sorbet. Mandarine war gut, Schokolade eher nicht so, viel zu flüssig, obwohl Schoko mit Milch hergestellt worden sein soll. Allerdings gibt es hier eh nur magere Milch, vielleicht liegt es daran. Danach lief ich ein weiteres Mal zum mir bekannten Busbahnhof und erwarb zwei weitere Bustickets, damit ich dieses Mal bessere Plätze – nämlich ganz vorn – habe. Die bestehenden Schwierigkeiten bei der Platzreservierung meisterte mein Verkäufer gut gelaunt und schließlich hatte ich meine Tickets, die im Vorverkauf übrigens auch immer reduziert sind, manchmal bis zu 50%. Sodann schlenderte ich durch die Straßen Richtung Zocalo und stopte bei einem Friseur. Für umgerechnet 4,60 Euro (Trinkgeld eingerechnet) ließ ich mir die Haare schneiden, was einfach mal wieder überfällig war. Sprachlich war das eine echte Herausforderung! Und wieder ging es weiter durch die Straßen. Ich wollte noch nach einer Agentur suchen, die evtl. Hiking-Touren in der umgebenden Sierra anbietet. Während der Tour hatte ich einen Laden gesehen. Dort erfuhr ich jedoch, daß es für Samstag keine Tour (außer Biking, nee, da sterbe ich in der Höhe und mit dem Auf und Ab) gab. Doch der Preis hätte mich wohl eh abgehalten… Also beschloß ich, nun auch noch gleich zu erkunden, wo genau der andere Busbahnhof liegt und wie lange ich wohl vom Hotel dorthin brauchen werde. Dazu spazierte ich weitere unbekannte Straßen und sah so einiges vom Zentrum der Stadt, z.B. Skater im Stadtpark. Das andere Terminal ist superneu und deutlich geräumiger als das im Hinterhof. Hier kann man auch geschützt auf genügend Sitzplätzen seinen Bus erwarten. Im Anschluss war ich müde und ging zurück ins Hotel, wo ich ein Ferngespräch mit Deutschland führte, das mich ob der anregenden Unterhaltung entspannte. Nun galt es nur noch, etwas essen zu gehen und die Vorräte wieder aufzufüllen. Den Abend ließ ich dann mit dem „Spieler“ ausklingen, wobei ich wieder einmal feststellte, daß der russische Hang zum Tragischen zwar zum Nachdenken anregt, aber eher aufwühlt, als entspannt. Keine Kost zur Dauerbeschallung!