Dieses Zimmer liegt ganz weit in einer Ecke im zweiten Stock und ist so angenehm ruhig (und warm genug). Ich schlief fantastisch und war recht früh wach. Zum Frühstück gab es eine Pampelmuse und eine Art Croissant von gestern. Dann beschloß ich, mich vor der Tour noch um mein Busticket nach San Cristobal zu kümmern. Oaxaca und das Hotel gefallen mir, also werde ich wirklich erst Sonntagabend Oaxaca verlassen, wie ich es geplant hatte. Nun ja, ich hätte mir einiges Hin und Her mit der nächsten Unterkunft ersparen können, aber was soll es, wird schon alles werden.
So brach ich zum Hinterhof-Terminal auf und erwarb auch ziemlich schnell mein Ticket. Allerdings sagte mir der Verkäufer, daß der Bus an einem anderen Terminal abfahre. Soweit, so gut, das hatte ich verstanden. Aber wo? An dieser Erklärung wären wir beinahe nicht weitergekommen, doch eine nette Mexikanerin schaltete sich ein. Sie spreche Englisch, ob sie helfen könne. Ich erklärte ihr, ich hätte alles verstanden, nur wisse ich nicht, wo der andere Bahnhof sei. Währenddessen schrieb es mir der Verkäufer auf und sie bot mir an, mich dorthin zu führen, da sie ohnehin ganz in die Nähe davon müsse. Ich nahm dankend an und wir liefen los, zunächst einmal in Richtung Zocalo. Im Verlauf unseres durch die Innenstadteilens unterhielten wir uns. Sie (Esmeralda) war fünf Jahre illegal in Kalifornien gewesen und hatte dort Englisch gelernt. Sie bedauert, nicht mehr dort sein zu können, zumal ihr Mann und ihr jüngerer Sohn noch dort sind. Sie mußten sich aufteilen, weil ihr Sohn Leukämie hat und nur dort eine entsprechende Behandlung erhalten konnte, während sie mit ihrem älteren Sohn (geboren in den USA = Amerikaner) wieder zurück nach Oaxaca gekommen ist, da ihre Schwester gestorben ist (und ich vermute mal, daß es Eltern oder Angehörige gibt, die diesen Schritt notwendig machten). Sie hält nicht viel von der mexikanischen Regierung – das ist noch euphemistisch ausgedrückt. Wörtlich meinte sie, dieses Land arbeite gegen seine Einwohner. Wenn sie könnte, würde sie auf jeden Fall wieder zurück gehen, da sie dort mehr Geld verdienen könne in einem geringeren Arbeitspensum. Aber die Illegalität sei doch hart, fragte ich. Sie meinte, ja schon, vor allem weil man jedes Jahr den Arbeitsplatz wechseln müsse, weil dann nach echten Papieren gefragt werde. Aber dennoch, sie hätte es dort wundervoll gefunden (Arbeit in privaten Haushalten als Putzkraft und Babysitter). Nun versuche sie hier in Oaxaca, so oft wie möglich Englisch zu sprechen, aber das sei unter Mexikanern nicht gern gesehen, weswegen sie Gefahr laufe, ihr Englisch zu vergessen. Es war ein sehr interessantes Gespräch, während wir durch die Straßen eilten. Doch ein Blick auf die Uhr verriet mir, daß ich mich nun sehr sputen mußte, um rechtzeitig zum Treffpunkt der Tour am Zocalo zu kommen. Also verabschiedete ich mich von ihr, noch bevor wir das andere Terminal wirklich erreicht hatten (wir waren aber dicht dran). Ich rannte zurück…
Als ich am Zocalo auf die Minute pünktlich erschien, stellte sich jedoch heraus, daß die Zeitvorgabe wohl nur eine Sicherheitsvorgabe gewesen war, um Verspätungen der lieben Touristen vorzubeugen. Ich schnaufte und schwitzte und das für umsonst! Ich hatte noch nicht einmal etwas zu essen dabei für die Tagestour. Nun ja, dem half ich noch ab, indem ich in eine Panaderia ging, weil ich ja doch noch Zeit hatte. Dann wurden wir in einen Minibus verfrachtet und zur zapotekischen Ausgrabungsstätte Monte Alban kutschiert (20min). – Wörter verraten so viel, wenn man nur einmal über sie nachdenken würde. Ich kannte Abbildungen von Monte Alban: weites Gelände. Was dachte ich also? Claro, flaches Land, naja in 1500m Höhe, aber eben flach. Und was sagt uns der Name? Monte = Berg! Also liegt diese zapotekische Stätte keineswegs im flachen Land, sondern auf einem Berg, der zuerst von den Menschen in der damaligen Zeit abgetragen und abgeflacht wurde. Wie Macchu Pichu, Akropolis oder Burgen im Mittelalter, der Mensch liebt es offensichtlich, seine wichtigsten Bauten auf Bergen zu errichten.
Oben angekommen erwarteten uns wie immer die fliegenden Händler. Unser Guide besorgte die Tickets und führte uns hinein. Dann verwies er die englischsprechenden Teilnehmer auf einen anderen Guide, weil es zu lange dauern würde, immer alles in zwei Sprachen zu erklären. Ich vermute mal, er wollte sich eben nicht die Mühe machen, weil ihm das Englische nicht so leicht viel und er wirklich gut Bescheid wußte, was er aber auch Englisch nicht hätte vermitteln können. Also trennten sich drei jungen Frauen von uns und ich zögerte. Als die andere Gruppe dann endlich auch anfing, ging ich kurz zu ihr hin und hörte, daß hier zweisprachig und rasend schnell erklärt wurde, was mich irgendwann wuschig gemacht hätte. Ergo wandte ich mich wieder meiner spanischen Gruppe zu und lauschte so zumindest gut intonierten und fundierten Erklärungen. Allerdings verstand ich nicht alles, was zu erwarten gewesen war, doch das Meiste. Einiges schien mir irgendwie nicht zu stimmen, doch letztlich weiß ich über die zapotekische Kultur auch nichts, außer daß es bis heute Zapoteken gibt, die eine eigene Schrift haben (in der Ausgrabung aufgrund der dreisprachigen Schilder gelernt). Nach genau einer Stunde Führung brach der Guide plötzlich ab und gab uns eine weitere Stunde Zeit für freies Herumwandeln. Naja, Herzblut sieht anders aus, doch für den Preis der Tagestour (200 Pesos = unter 10 Euro) konnte ich auch nicht mehr erwarten. Die Ausgrabung und vor allem die Lage sind beeindruckend, so daß ich evtl. noch einmal allein hinfahre, da ich in der kurzen freien Zeit nicht einmal alles anschauen, geschweige denn die Beschriftungen lesen konnte. Außerdem ist es hier wundervoll sonnig und ruhig, sieht man einmal von den vielen Händlern ab, die einem etwas verkaufen wollen. Aber wenn man freundlich ablehnt, lassen sie einen in Ruhe.
Nach diesem Highlight der Tour ging es weiter. Und nun offenbarte sich, daß die Tour dem gleichen Rhythmus aller Touranbieter folgte und Verkaufselemente enthielt, über die ich so nicht informiert worden war. Daraus folgte für mich, daß ich keine weitere Tour mehr machen wollte. So wurden wir nun zu einer Werkstatt für Holzhandwerk kutschiert (Alebrijes), in der es vor allem darum ging, uns zu überzeugen, etwas zu kaufen. Danach folgte ein – mir ebenfalls nicht angekündigtes – Mittagessen. Hier konnte man sich für 150 Pesos (man vergleiche den Gesamtpreis 200 Pesos für die Tour) an einem mexikanischen Buffet durchfuttern. Schnell nacheinander trafen auch hier alle Minivans ein und es wurde voll. Ich verzichtete auf das Essen, weil ich niemals für 150 Pesos hätte essen können und ich dieses Essen ohnehin nicht so mag. Es hat wenig mit dem zu tun, was man in Berlin bei einem Mexikaner erhält.
Danach folgte nun noch ein kulturelles Erlebnis, weil wir die niemals fertiggestellte Basilika von Cuilapam besichtigten. Sie stammt aus der Zeit der Konquistadoren – Hernan Cortez und sein Sohn Martin wollten sie erbauen lassen. Doch aufgrund politischer Querelen mit der spanischen Krone durfte sie nicht fertiggestellt werden, weswegen bis heute nur ein Rohbau steht. Lange Zeit blieb auch hier nicht und schon ging es weiter zum Barro Negro, in dem es eine Vorführung zur Arbeit an einem typischen schwarzen Stein der Region gab. Dieser folgte ich nicht, sondern unterhielt mich lieber mit Jan (Freelancer aus Berlin). Wir hatten uns schon bei der Free Walking Tour in Mexiko City getroffen, später noch einmal in T-kan und nun hier wieder. Doch erst bei diesem letzten Stop sprach er mich an – ist ja nicht so meine starke Seite, dies selbst zu tun. So unterhielten wir uns über Mexiko, unsere Touren und wo wir bisher schon waren etc. Wenn es paßt, wollen wir uns evtl. am Sonntagnachmittag noch einmal treffen und dann Reiseerfahrungen austauschen. Nach diesem letzten Stop ging es zurück in die Stadt. Ich war von der Sonne und dem ganzen Tag angenehm müde. Im Prinzip war die Tour nicht verkehrt, da ich so etwas aus der Stadt herausgekommen war und mehr vom Land und den Leuten sehen konnte. Dennoch ist diese Form der Tour nicht mein Ding, also werde ich in Oaxaca bleiben und ggf. nur den Shuttleservice zur Ausgrabungsstätte in Anspruch nehmen. Am liebsten würde ich ja mal in den umliegenden Bergen wandern gehen, aber dies ist ohne Tour (sehr teuer) und ohne Auto eher nicht machbar. Außerdem gibt es genug in Oaxaca zu sehen, auch wenn ich sicherlich nicht alle Museen abklappern werde. Ach so, abends war ich übrigens im einheimischen Markt essen. Es gab Tlayuda con frijol, quaeso y kohl. Für 50 Pesos (etwas über 2 Euro) bekam ich eine Riesenportion, die ich nur schaffte, weil ich irgendwann den Käse abpflückte (der ist eh nicht mein Ding). Dann schlich ich erschöpft zum Hotel und ignorierte das lebhafte Treiben auf den Straßen.