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"Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, die die Welt nie angeschaut haben." – A. v. Humboldt

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ERDBEBEN und bunter Markt (16.8.2014)

Posted on August 16, 2014Juni 3, 2026 by hobbit

Heute will ich nach dem Frühstück und dem obligatorischen Eisbad nach Otavalo fahren. Dazu nehme ich erstmal ein Taxi nach Carcelen, dem Busbahnhof im Norden. Der Fahrer haut mich etwas übers Ohr und verlangt 10$, obwohl es nur acht sein dürften. Aber was soll ich machen? Also fahre ich mit. Der Fahrer scheint einerseits religiös zu sein – mitten während der Fahrt kreuzigt er sich mehrmals -, andererseits fast schon lebensmüde, weil er wirklich rast und gefährlich überholt. Aber was solls, er wird schon überleben wollen. Nachdem ich am Busbahnhof angekommen bin, frage ich mich, wie es weitergeht. Zuerstmal zur boleteria, ist doch klar. Und dass die längste Schlange meine ist, ist auch klar. So stehe ich dann fast eine halbe Stunde an, um mein Ticket zu erwerben. Von Hand wird darauf die Busnummer und mein Sitzplatz vermerkt. Beim Einsteigen muss jeder seinen Namen sagen, aber ohne ein Dokument vorzuzeigen, sehr seltsam. Ich meine, in Peru muss man immer seinen Pass vorzeigen, im Nachtbus wurden wir sogar sitzweise gefilmt, damit klar ist, wer wo sitzt. Aber das heute ist irgendwie unlogisch. – n.b.: Gleich schon noch etwas anderes Unlogisches vorweg. Der Hinweg hat mich 2,5$, der Rückweg aber 3$ gekostet. Aber warum? Vielleicht weil wir einen anderen Rückweg nehmen mussten, dazu später mehr.

Um 9.30 Uhr beginnt dann meine Reise nach Otavalo, wir verlassen Quito Richtung Norden auf der Panamericana Norte, immer schön oben in den Bergen. Wir sind noch gar nicht solange unterwegs (kurz nach zehn), als der Bus plötzlich sehr langsam wird, es überall staubt und Felsbrocken die Straße verschönern. An den Berghängen sehen wir Steinlawinen abgehen, überall steigen riesige Staubwolken auf, der Bus muss um das Geröll Slalom fahren. Alle schauen in alle Richtungen, uns ist klar, dass es wieder ein Erdbeben gegeben hat. Seit Dienstag ist dies das stärkste Nachbeben, wie ich am Abend in den Nachrichten von Quito nachlese. Stärke 4.7, gefolgt von kleineren Nachbeben, alle mit dem gleichen Epizentrum wie am Dienstag. Nun ja, so kann ich nun wirklich sagen, ich hätte ein Erdbeben live miterlebt und nicht nur verpennt, wie am Mittwochabend. Allerdings muss ich zugeben, dass ich die Erschütterung im Boden nicht bemerken konnte, weil ich ja im schaukelnden Bus saß. Erst einige Zeit später sind die Straßen nicht mehr betroffen und der Busfahrer kann wieder voll aufdrehen. So erreichten wir Otavalo sogar nach nur zwei Stunden Fahrzeit. Nach dem Aussteigen mache ich mich gleich auf die Suche nach dem Markt. Er soll der größte dieser Art in Equador sein, also müsste er ja wohl leicht zu finden sein. Einfach mal die Hauptstraße lang gehen, denke ich mir. Gedacht, getan… Und einige Zeit später  auch gefunden.

Die nächsten Stunden verbringe ich mit Schlendern und Schauen und zwischendrin verzweifelt nach einer Bank Suchen, deren Automat mir auch Geld geben möchte. Aber alles findet sich und ich kann das frische Geld verprassen, jedenfalls nach meinen Maßstäben. Wenn ich nur wüsste, wie schwer das eine Aufgabegepäck sein darf. A propos, heute morgen habe ich endlich die Bestätigung für meinen Rückflug im Postfach vorgefunden, ich darf also zurückkehren (Dienstag, 19.8., um 20:40 in Tegel, so die Billigflieger das hin bekommen). – Ich habe gerade wegen des Gepäcks nachgesehen: 23 kg, das schaffe ich! Gegen drei trete ich den Rückweg an. Im Bus werde ich umplatziert, weil mein Sitz doppelt vergeben wurde. Nur, ich war zuerst da! Aber als Touri muss man wohl weichen. So sitze ich dann ganz hinten auf der Achse, ein echter Hochgenuss bei den Bodenwellen. Aber halt mal, Bodenwellen? So viele gab es doch gar nicht auf der Hintour. Und durch die Dörfer sind wir doch auch nicht gezuckelt. Und dann noch so ein Monsterstau. Langsam dämmert mir, dass wir wohl wegen des Erdbebens die Schnellstraße nicht benutzen können. So ein Mist, die Fahrt zieht sich jetzt auf fast dreieinhalb Stunden und die Luft im Bus ist stickig, es läuft lautstark ein Film, den eh keiner sehen kann, weil es nur vorn einen Bildschirm gibt und die Sitze zu hoch sind, um drüber zu gucken. Außerdem lehnt sich meine Nachbarin immer mehr auf meinen Sitz und starken Mundgeruch haben die meisten hier auch. Kein Wunder, wenn man die Zähne sieht. Trotzdem immer schön die Ruhe bewahren…

Endlich bin ich wieder am Busbahnhof. Eigentlich will ich Geld sparen und mit den Öffentlichen zum Zentrum zurückkehren, aber ich gebe schnell auf. Ich bin viel zu müde, um mich jetzt noch auszuprobieren. Ich eroberte ein Taxi, gelb mit orangefarbenem Kennzeichen, wichtig, und kehre für 8$ ins Zentrum zurück. Dieser Taxifahrer ist sehr nett und versucht, sich mit mir zu unterhalten, was z.T. gelingt, aber ich bin wirklich müde, was wiederum das Gespräch erschwert. In der Nähe des Hotels lässt er mich raus und ich spaziere zum Hotel. Heute ist mit mir nix mehr los, morgen will ich mal ausschlafen und bummeln. Buenas noches!

Die 5000m-Marke ist geknackt! (15.8.2014)
Sonnenbad auf einem Brötchen (17.8.2014)
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