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"Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, die die Welt nie angeschaut haben." – A. v. Humboldt

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Isla Genovesa (11.8.2014)

Posted on August 11, 2014Juni 3, 2026 by hobbit

Wie immer um sieben Frühstück, danach mein kaltes Salzwasserbad für den Arm, der jetzt endlich besser wird. Vermutlich sind es wirklich das Salzwasser und die Ruhe, nicht so sehr die Tabletten. Danach steigen wir ins Dingy, um ein „wet landing“ auf dem Darwin Beach hinzulegen. Dabei gilt es wie gestern darauf zu achten, den Seelöwen nicht auf die Flossen zu treten. Die Insel Genovesa ist eigentlich nur ein Vulkankrater ganz im Norden der Galapagosinseln, der nur mit seinem Krater – an einer Stelle durchlässig, weswegen wir im Krater ankern können – aus dem Meer herausragt. Hier nisten viele Vögel, u.a. drei Tölpelarten: Blau-, Rot- und Nascatölpel, im englischen Boobies, aus dem Spanischen von bubu= Clown abgeleitet. Außerdem gibt es finch-Arten – scheinen Spatzen zu sein- und viele andere Vögel mehr, z.B. die Fregattvögel, die anderen Vögeln das Futter abjagen.

Nach unserer Landung – zwei andere Gruppen sind heute auch hier, aber es geht trotzdem noch – gehen wir wie immer auf dem schmalen Pfad mitten durch die nistenden Vögel. Der Boden ist basaltig und zerklüftet. An einigen Stellen wachsen Mangroven, in denen die Tölpel nisten. Das tiefgelegene Land wird bei entsprechender Tide überspült, weswegen wir in zwei Gräben/Löchern auch Seelöwen antreffen, die sich im Wasser sonnen. Der eine spielt mit kleinen Fischen Einkriegezeck, die ebenfalls von der letzten Überspülung noch übrig sind. Am Ende des kleinen Rundgangs sitzen wir an den Klippen, jeder für sich, und genießen die frische Brise. Es ist sonnig und angenehm warm.

Nachdem wir zu unserem Ministrand zurückgekehrt sind, gehen wir vom Strand aus schnorcheln. Dummerweise ist meine Maske nicht dicht, aber Alberto hat noch eine zum Wechseln dabei. Ich sehe verschiedene Fische und einen Rochen der kleineren Art. Das Wenigste, das ich entdecke, kann ich zuordnen, aber die Farben, Größen und Bewegungen sind allein schon sehr bestaunenswert. Gut, daß ich wieder den kurzen Neoprenanzug anhabe, sonst könnte ich nicht so lange im Wasser herumschwimmen. Noch etwas: Selbst hier am Ende des Kraters ist die Brandung noch recht hoch, so daß man schnell auf den Wellen weitergetragen wird.

Gegen kurz nach elf werden wir wieder von den Dingys abgeholt, an Bord gibt es den üblichen kleinen Snack, gegen zwölf dann das Mittagessen (Fisch, für mich frittierte Kartoffel, überbackenen Brokkoli, Salat, Erbsen und Möhren, frisches Obst zum Nachtisch). Nun folgt die Siesta und um 14 Uhr geht es zum nächsten Schnorchelgang aus dem Dingy heraus los. Wir wollen Haie suchen. Aber schon vor dem Ausstieg bekomme ich Angst, weil die Wellen so hoch sind – Tide. Trotzdem lasse ich mich halb professionell rückwärts aus dem Dingy fallen, um praktisch sofort festzustellen, daß nun der Schnorchel leckt, jedenfalls denke ich das. Letztlich sind die hohen Wellen schuld, daß ich immer Salzwasser einatme. Ich gebe meine Maske zurück und schwimme so ein bißchen, weil dies meinem Arm so gut tut. Nach kurzer Zeit ist die Hälfte der Gruppe zurück im Boot und Alberto läßt uns alle wieder reinklettern – was für ein Akt bei den Wellen- , um zu einer ruhigeren Stelle zu fahren. Hier geht es zwar besser, aber Haie oder große Fische sind nicht zu sehen, zumal das Meer erschreckend dunkel ist. Nach einigem Herumsuchen kehren wir zum Boot zurück, wo wir von Luis mit heißer Schokolade und Empanadas erwartet werden. Und ab zum Umziehen, kurze Pause und wieder geht es los.

Diesmal mit dem Dingy zu einer trockenen Landung an der Phillipstreppe, der einzigen Aufstiegsmöglichkeit zum Kraterrand. Treppe? Man stelle sich bitte keine bequeme Treppe vor, sondern eher eine windstiefe Stiege mit gelegentlich fehlendem Geländer. Oben angekommen sehen wir uns wieder einer völlig anderen Vegetation gegenüber. Aus einem bis zwei Meter Entfernung sehen wir die brütenden Tölpel. Bei einigen ist schon ein Junges geschlüpft, bei einigen liegen noch zwei Eier, bei anderen sind beide Jungen geschlüpft. Allerdings wird nur das erstgeborene überleben, sofern es gesund ist. Die Tölpel legen quasi zur Vorsicht zwei Eier, aber in einem Abstand von etwa fünf Tagen. Das zweitgeborene wird ggf. aus dem Nestkreis gedrängt und dann nicht mehr gefüttert. Es wird verhungern oder zur Beute… Die Überlebenden bleiben lange bei der Mutter, über ein Jahr. Sie sehen superflauschig aus, wenn sie sich im Nest räkeln. Dann schauen wir uns noch schwarze Leguane an, die sich sogar verkleinern können, wenn die Nahrung z.B. nach El Niño knapp wird. Später werden sie wieder größer, das nennt man Anpassungsfähigkeit. Sie werden übrigens zwischen 50 und 80 Jahre alt. Und dann kam mein großer Augenblick: Ich entdecke die Galapagoseule, nach der Alberto in der Ferne Ausschau hält, direkt vor mir in einem Spalt, ganz nah. Superfotos dank mir! Sogar eine andere Gruppe kommt deswegen nochmal zurück, haha. Etwas später findet Alberto seine Eule und wir beobachten sie eine Weile. Er legt anscheinend Wert darauf, daß wir Zeit haben zum Genießen und Beobachten. Die anderen Gruppen laufen nur langsam oder stehen, keiner sitzt bei denen. Naja, bald müssen wir aber wieder umkehren, weil es zu dunkeln beginnt. Auf dem Schiff folgt das nächste Briefing, dann das Abendessen, mein Armbaden und die Weiterfahrt. Ich sitze noch etwas im Heck und genieße den Fastvollmond und die Seeluft, das Schaukeln bzw. Rollen irgendwie auch. Dann krabble ich nach oben in meine Koje und rolle in den Schlaf.

Santa Fe und South Plaza (10.8.2014)
Islas Santiago und Rabida (12.8.2014)
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