Fangen wir gleich mal mit zwei wesentlichen Dingen an:
1. In Brasilien scheinen die Uhren anders zu ticken: Sie bevorzugen Mastercard! Ich mußte durch die halbe Innenstadt laufen, um auch nur eine Bank und somit einen Automaten zu finden, der mir Geld für meine Visakarte geben wollte.
2. In Brasilien ticken die Uhren ganz anders: Auf dem Rückweg habe ich mir Schuhe angesehen und nach meiner Größe gefragt und – oh Wunder – sie hatten Männerschuhe in meiner Größe! Doch halt, wir sind doch in einem ähnlichen Land wie Argentinien, oder? Geschlechterrollen und entsprechende Mode? Nun, als die Schuhe gebracht wurden, war alles klar: Die Brasilianer haben ihre eigene Schuhgrößennorm! Eine europäische 38 ist eine brasilianische 36, die es selbstverständlich nicht (!) bei den Männerschuhen gibt.
Jetzt aber nochmal kurz zurück nach Argentinien: Heute morgen wäre ich bald verrückt geworden, weil ich eine Kleinigkeit, die Hülle für mein Kopfkissen, nicht finden konnte. Die Suche minimierte meine Frühstückszeit, führte aber immerhin nach selbigem zum Erfolg. Doch dann wollte ich bezahlen und sollte einen viel zu hoch angesetzten Preis bezahlen. Also Diskussionen… Und die Zeit lief, kein Taxi in Sicht, die Männer an der Rezeption überfordert. (Anscheinend sind die Preise bei booking.com Promotionpreise.) Doch weil ich mein Zeitlimit monierte, gaben sich die Männer einen Ruck und entschieden (!) schon nach 5min, daß die Rechnung fehlerhaft sei. Doch ich solle auf die Frau (!), die die Abrechnung mache, warten. Klar doch, mein Flugzeug wird auch auf mich warten! Also noch ein Ruck – die armen Männer – und mir wurde eine korrekte Rechnung ausgestellt, die ich dann flugs bezahlte. Dann das Taxi: Ich ließ den einen nach einem Taxi telefonieren, aber … na sicher doch, da ging keiner ran! Ich müsse mir leider ein Taxi auf der Straße suchen… Also stürme ich aus dem Hotel und fische mir ein Taxi, gut, daß hier drei Hotels nebeneinander stehen, da kommt auch mal ein Taxi (libre) vorbei. Ich frage nach dem Preis: 180 Pesos (ca. 18 €). Ich schlucke, denn mir war eine andere Auskunft erteilt worden. Soviel Geld für eine lächerlich kurze Strecke! Doch egal, hinein und los. Und schon ging es los, sowohl mit der Fahrt als auch mit dem Gespräch. Hierbei erfahre ich viel, u.a. auch, daß eine Taxifahrt aus einem Fahrpreis plus einem Gepäckpreis besteht, was die Männer in der Rezeption schlichtweg vergessen hatten oder gar nicht wußten. Ich gehe mal davon aus, daß die Angaben des Taxifahrers korrekt waren, auch wenn ich nicht sicher bin, ob er mich übers Ohr gehauen hat. (Empirische Studien fehlen leider.) Er hatte auch eine clevere Antwort dafür parat, warum der Taxometer nicht lief. Ansonsten ging es um sein Haus in Kalabrien und die zahlreichen Deutschen dort, um die Regenfälle und ihre Auswirkungen, um andere Taxigäste, die ihren halben Hausrat mitnehmen wollen, ohne dafür extra zu bezahlen, um eine einheitliche Währung für ganz Südamerika, … Hardcore, aber nett!
Am (domestic) Flughafen checkte ich ein, schoß noch ein paar Fotos vom Rio de la Plata, durchquerte die Sicherheitskontrollen – angenehm lax hier – und wartete, wartete, wartete. Nicht daß ich mich hätte hetzen müssen, mein Flug geruhte, nicht pünktlich abgefertigt zu werden. Das Boarding begann, als wir eigentlich schon in die Lüfte hätten aufsteigen müssen. Und als wir dann alle lustig in der Maschine saßen, kam die nette Durchsage des Kapitäns, daß man ja nun etwas spät dran und deswegen nicht mehr im Plan sei, weswegen weitere 25min Wartezeit leider unumgänglich seien. Na prima, wieder einmal warten (esperar, wait, exspectare, espair)! Aber auch diese Zeit schlich vorüber und wir hoben ab, um dann – na was? – mal wieder einen etwas unruhigen Flug zu haben, due to weather conditions! Deswegen bekamen wir dann auch die ganze Zeit nichts zu trinken und das bei der Luft. Haha, der Flug über die Anden war deutlich wackliger und die Leute konnten trotzdem servieren. Ich denke ja eher, die heute hatten einfach keinen Bock zu arbeiten oder waren lausige Anfänger. Ich durstete so vor mich hin und träumte von einem Schluck kühlem Naß. Warten, warten, warten. Und ja, Landung. Da ich ganz vorn saß, kam ich als erster raus und, beng, die subtropische Wärme umfing mich. Nice!
Am Gepäckband hieß es – warten…. Und klar, wessen Rucksack kam so spät, daß er gerade noch hinaus kam, bevor das Band abgestellt wurde? Na meiner! – Ich schulterte ihn und stiefelte in die Empfangshalle und siehe da, ich wurde empfangen. Bruno wartete auf mich und wird die nächsten zwei Tage mein persönlicher Guide hier sein. Er organisierte auch die Einreise nach Brasilien, scheint ganz nett zu sein, ist aber wenig an einem interessiert. Vom Typ ist er ein wenig wie mein WT-Trainer, eher mundfaul. Zwei Straßen vor dem Hotel ging es dann auf einmal kaum noch weiter, weil die Polizei aus unerfindlichen Gründen die Verbindungsstraße abgesperrt hatte. Stop und Go in der Hauptstraße dieses Kleinstädtchens (Foz do Iguazu) und 500m brauchten nun Zeit, aber davon hat man ja genug, wenn man durstig und müde in einem Auto sitzt und eigentlich nur endlich ins Hotel möchte. Im Hotel lief alles super und ich organiserte mir auch für die letzte Nacht in Foz hier im Hotel ein Zimmer (Stornierung des anderen folgte). So wird es keine Probleme geben, wenn mich Bruno am Sonntag zum brasilianischen Flughafen bringt. Danach war ich im Supermarkt, in dem es viele schöne Dinge, z.B. dunklen Brotteig, gibt und – ganz besonders wichtig – in dem man mit der Visakarte bezahlen kann. Dann Organisatorisches und Geldsuche. Dabei konnte ich gleich mal feststellen, daß hier die Geschäfte früh schließen. Anschließend ein langes Gespräch mit Tom, einem gleichaltrigen und reisewütigen Briten, unten im Hotel, der mir skydiving empfahl. Und nun blogging, aber das Wlan ist hier mies, so daß die Verbindung immer wieder abbricht und ich die Fotos nicht hochladen oder andere schöne Dinge mit dem Blog machen kann. Buenas noches!
