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"Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, die die Welt nie angeschaut haben." – A. v. Humboldt

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Salar de Uyuni (30.7. – 3.8.2015)

Posted on August 1, 2015Mai 24, 2026 by hobbit

Nach einer nahezu Ganztagesfahrt quer durch Bolivien von Sucre nach Uyuni – Potosi mußte ja ausgelassen werden – blieben wir einen Tag in Uyuni, bevor es weiter auf den Salar de Uyuni hinausgehen sollte. Wir trieben uns auf dem Eisenbahnfriedhof herum, wo ich nicht nur ausgiebig schaukelte und eine Lok bestieg, sondern mir auch das Knie verletzte (Schwellung). Das Essen abends im Restaurant war für mich wie gewohnt wenigergiebig.

Auf in den Salar de Ujuni (1.8.)

Heute ging es wieder sehr gemütlich, mir sogar zu gemütlich zu. Als ich um 9.15 zum Frühstück erschien, war noch fast niemand da. Nur ein Tisch war voll besetzt, also setzte ich mich allein hin und hoffte irgendwie auf Gesellschaft, selbst wenn das Frühstück nicht so doll war. Doch leider kamen zwar einige, doch keiner setzte sich zu mir. Dies besserte mein Wohlbefinden nicht allzusehr. Vor den zwei Tagen Gruppe pur in (sehr) kalten Mehrbettunterkünften grauste mir eh ein wenig und so völlig ignoriert zu werden, tat mir nicht so gut. Danach ging ich Wasser, Äpfel und Chips einkaufen – Nahrungsergänzungsmittel für die nächsten Tage. Auf dem Rückweg begegneten mir dann die ersten der anderen, doch ich konnte mich ihnen nicht aufdrängen. Also ging ich zurück zum Hotel, in dem ich zuvor schon ausgecheckt und unser Zimmer für das Gepäck anrrangiert hatte, da Maribel nicht anwesend war. Und dann wartete ich: Ich setzte mich auf die Bordsteinkante vor dem Hotel in die Sonne, dachte etwas nach, wurde trauriger und las dann. Es sollte erst um 1 p.m. losgehen, noch viel Zeit. Meinem Knie ging es schon etwas besser, doch eigentlich merkte ich die Schwellung noch bei jedem Schritt, von starkem Beugen wollen wir besser schweigen.

Um halb elf wurde Maribel vor dem Hotel abgesetzt, bald darauf kamen die vier Jeeps, die uns die nächsten drei Tage von Ort zu Ort befördern sollten. Ich hing zurück, weil ich inzwischen die von mir so empfundene Ausgrenzung stark spürte. Wer wird wohl mit der Deutschen im Jeep bestraft? – Doch dann war der Fahrer sehr offen, stellte sich gleich vor und die drei Freundinnen, die immer zusammen hängen, saßen im Fond und reagierten auf meine offensive Frage, wie sie denn hießen, positiv. Doch am besten war der Kontakt zu Nejir (wie auch immer das geschrieben wird), mit dem ich ein wenig Spanisch sprechen konnte. Bereits kurz nach unserem Aufbruch hielten wir wieder für Souvenirs und eine kurze Einführung in die Salzgewinnung auf dem Salar. Doch dann ging es richtig los: Wir fuhren in die Salzwüste, es wurde gleißend hell um uns, strahlend blauer Himmel, eine gnadenlose Höhensonne und wir mitten drin. An den Rändern des Salars sind die Berge zu sehen, er selbst liegt bei etwa 3500-3700m Höhe.

Die Jeeps haben Spuren hinterlassen, die wie Straßen aussehen, ansonsten gibt es außer der Sonne keine wahre Orientierungsmöglichkeit. – Übrigens habe ich sogar einzelne Radfahrer gesehen, die mit Sack und Pack den Salar durchqueren. In der Höhe käme ich mit dem Bike nicht weit. – Nach einiger Fahrzeit hielten wir bei dem Denkmal für die neue Rennstrecke auf dem Salar des Dakar-Rennens an, einige erkletterten selbiges für ein Foto, wurden aber sehr vehement von einem anderen Guide darauf hingewiesen, daß dies keineswegs erlaubt sei – Maribel konnte sich ganz schön etwas anhören. Also kletterten sie wieder hinab und ich konnte nur den Kopf schütteln: Schon beim Hinaufsteigen hatten sich einige Frauen unglaublich angestellt, beim Hinabsteigen kam die eine nicht einmal mehr ohne Hilfe herunter. Da die alle solange gebraucht hatten und das Verbot dazwischengekommen war, konnte ich selbst leider nicht mehr hinaufklettern. Die bereits geschossenen Fotos mußten nun reichen und ich stand ohne eines von mir da. Doch sogleich ging es weiter zu einer Anlage mit zahlreichen Flaggen, doch wie es mir schon die ganze Zeit vorkam, so fehlte hier ebenfalls die deutsche Flagge, während alle anderen sich um ihre Flagge gruppieren konnten. Irland, aber nicht Deutschland vertreten? – Wie ein Wink des Himmels kam mir das vor. Jeder, der schon einmal in trauriger Stimmung war, weiß, daß nicht viel dazu gehört, diese Stimmung noch zu verstärken. Und ist man erst einmal in einer derartigen Stimmung, dann kommt man da auch nicht so einfach wieder raus, geschweige denn, daß man frohgemut lacht.

So blieb ich dann an unserem nächsten Halt im Hintergrund bzw. unsichtbar. Dieser galt nämlich den „funny fotos“, eine mich eigentlich überfordernde Sache. Es geht hierbei um Fotos, die mit der Perspektive spielen und z.T. wirklich toll aussehen. Aber dafür müßte man erst einmal eine Idee haben und vor allem gut und locker drauf sein. Ich verkroch mich auf die andere Seite und fotografierte ein wenig vor mich hin, bis ich einfach nichts mehr mit mir anzufangen wußte. Dann schaute ich Maribel zu, wie sie die Fotowünsche der anderen zu realisieren versuchte. Letztlich ließ ich mich dann auch noch zu einigen Fotos überreden… Wir verbrachten dort jedenfalls einige Zeit, zumal uns Maribel auch darauf hingewiesen hatte, daß man in der Unterkunft nichts machen könne.

Schließlich brachen wir aber auf und erreichten das „Salzhotel“, das vollkommen aus selbigem erbaut ist. Hier gibt es nur Mehrbettzimmer, kaltes Wasser und ein sehr seltsames WC für eine Wohneinheit – in meinem Fall 5+1. Mir hatte der CEO den Vorraum dieser Einheit angeboten, dann könne ich mich etwas abseitshalten. Ich nahm das Angebot an, ohne zu ahnen, daß ich damit sozusagen im Vorraum des Hauptschlafraums schlafen würde, durch den einerseits alle anderen hindurchlaufen mußten, wenn sie hinaus wollten, der andererseits auch weniger warm war. Naja warm, eher noch kälter! Wir konnten uns aber, allen Göttern sei Dank, einen Schlafsack leihen. Vor dem Abendbrot gingen wir noch einmal auf den Salar hinaus, bestaunten erneut die Flamingos und fotografierten den Sonnenuntergang bzw. die farbigen Berge dahinter. Eine Sache begann sich abzuzeichnen: Schnell ein Foto hier, ein Foto da, wenig Infos, wenig Stille, wenig Natur.

Von da marschierten wir zum Essensgebäude, um das „Nachtmahl“ einzunehmen. Es gab Reis/ Kartoffeln (die hier üblichen), irgendeine Kotelettart, Zwiebelsoße und für mich ein Omelett. Nicht mein Wunschtraum, aber gut gemacht. Wer weniger mäklig ist, hat auch mehr Freude an derartigem Essen. Doch satt werde auch ich immer! Danach spielte ich mit einigen Karten (Shithead, …; gut erklärt, ich habe einmal sogar gewonnen), bis wir genug froren und ins Bett gingen. Es war bitterkalt, selbst im Schlafsack, meine Füße fühlten sich wie aus dem Eisschrank an. Ich rieb sie, während ich las, schlief dann aber auch ein.    

 

Festsitzen in Sucre (29.7.)
Aus der Salzwüste zu den Lagunen (2.8.2015)
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