Frühes Aufstehen gibt es bei einer derartigen Tour gratis. Da ich aber mit dem einen WC ein kleines Problem hatte, bin ich einfach erst nach den anderen zum Frühstück gegangen, wo es für mich keinen Sitzplatz mehr gab, was mich jedoch nicht so sehr störte, da ich eh nur einen Toast und ein wenig Saftersatz zu mir nahm. (Wow, was für ein Satz!) Ohne Dusche bin ich am morgen nicht so fit, wenn ich obendrein friere, stelle ich auf Überlebensmodus um. Und als es um 8.30 Uhr losgehen sollte, nahm das Drama seinen Lauf. Maribel verbot mir, bei meinem Fahrer von gestern, der mich ganz freundlich begrüßt und mit dem ich mich etwas angefreundet hatte, mitzufahren, was mich erboste, weil das meiner Meinung nach eine absolut bekloppte Regel (jeden Tag Wechsel der Autos für jeden) ist, die obendrein nicht für alle galt, weil sie diese gar nicht konsequent durchsetzte. Der arme Nejir verstand das auch nicht, wenn ich doch bei ihm mitfahren wollte. Gerechtigkeit soll dies bedeuten, da ja nicht alle Jeeps gleich sind. So ein Quatsch, drei der vier Autos sind sogar vom gleichen Typ. Ich zog nach einem heftigen Wortgefecht in ein anderes Auto um, mit dessen Fahrer ich kein Wort sprach, weil der sich nicht einmal vorstellte oder auch nur ein Wort in unsere Richtung zu sagen versuchte, was selbst ohne Englisch wohl möglich gewesen wäre. Jedenfalls war der Rest der Besatzung (Cathrin, Lyn, Ayleen) mir sehr angenehm, weil ich diese drei bereits besser kannte (die letzteren vom Tag zuvor).
Wir unterhielten uns, während wir zuerst zu einer Insel, von Kakteen bewohnt, aber eigentlich einer Bergspitze im ehemaligen See, kamen, auf deren Spitze wir kletterten. Der Weg hinauf war für mich äußerst beschwerlich (Asthma sei Dank), doch die kleine Insel war wirklich schön. Als ich dann auch oben angekommen war, bekam ich nur noch den Rest der Erklärungen Maribels mit. Sie hatte wie gewöhnlich nicht auf alle gewartet oder alle zusammengetrommelt, bevor sie zu erzählen begann. So konnte ich nur noch erschließen, daß sie etwas über die Riten für Pachamama am Vortag gesagt hatte. Brandspuren und ein Krug mit Fleischresten unterstrichen dies. Wieder wurden Fotos gemacht und schon ging es wieder hinab, unter einem Korallenbogen und durch eine Minihöhle hindurch. Schade, daß es kaum um das Genießen der Landschaft geht. Nachdem auch ich unten angekommen war, fragte ich, ob wir denn nun noch, wie oben angeboten, um die Insel herumlaufen würden, da ihrer Aussage nach genügend Zeit sei. Antwort: Du kannst das machen, wir warten. Als wenn ich alle zwingen wollte, auf mich zu warten! Doch selbst ihre Nachfrage bei den anderen, die z.T. schon wieder im Auto saßen, leitet sie mit „A. will“ ein, was mir sehr unangenehm war. Letztlich gingen drei andere los, aber natürlich nicht mit mir. Als ich mir noch schnell Sonnencreme ins Gesicht rieb, drängelte Maribel schon, die anderen seien bereits losgegangen. Ich hatte doch nicht einmal gewußt, daß es andere gab. Es waren übrigens genau die drei (Cathrin, Karen, Brittany), mit denen ich in Sucre hatte spazierengehen wollen. Alle drei legten ein ordentliches Tempo vor, dem ich entschlossen folgte. 25min später hatten wir die Insel umrundet, obwohl dies angeblich 40min dauert. Nun ja, es war ein ganz schön zügiges Tempo, gebe ich zu. Doch ich lasse ungern warten… Als ich ankam, etwas hinter den anderen dreien, saßen schon fast alle wieder startklar im Auto und ich mußte schnell hineinspringen. Mir hatte der Marsch gut getan, doch war es nicht schön, den Eindruck vermittelt zu bekommen, ich hätte mein Vergnügen auf Kosten der anderen durchgesetzt.








Wir fuhren nun eine ganze Zeit lang weiter, in der wir uns unterhielten bzw. Cathrin uns etwas ausfragte, bis wir am Ort des Lunches ankamen (Pasta mit, na einfach mal raten, richtig, Zwiebelsoße). Nach dem Essen zogen sich die anderen während der Fahrt ins Schlafen oder Musikhören (was so alles als Musik durchgeht und das mit deutlich zu viel Kraft/ Lautstärke) zurück und ich schaute hinaus. Ich wußte wieder einmal nicht, was davon zu halten ist, daß man vor dem Essen offen gesprochen hatte, nun aber wieder auf Abstand ging. Die Fahrt war hoppelig, staubig und heiß (jedenfalls im Wagen) und führte uns zu Lagunen, von denen die letzte auf über 4000m Höhe liegt. Dort befindet sich auch das Hotel, das uns die folgende Nacht beherbergen sollte.
Höher = Kälter! An der Lagune tummelten sich sehr viele Flamingos, ganz nah am Betrachter. Wir gingen alle hinaus, spazierten herum und ich bestieg einen weiteren Abhang, um einen schönen Ausblick auf die Lagune zu haben. Duschen ging kaum einer, da eine Dusche auf 5min begrenzt und nur nachmittags warm war. Und das bei der Kälte in dem „Badezimmer“! Lieber wollte ich etwas miefen… Nach meinem Spaziergang traf ich in unserem Viererzimmer niemanden an und ging in den Aufenthaltsraum, in dem einige um einen echten, aber geschlossenen Offen herumsaßen und die wohlige Wärme genossen. Ich ließ mich ebenfalls dort nieder und lauschte dem Gespräch. Wir blieben daran sitzen, bis es um 7 Uhr Essen gab. Denis und seine Frau (Iren) zogen einen Essenstisch ganz an den Ofen heran, was die anderen nacheiferten, bis einer aus der Küche Einspruch erhob, weil er noch durchgehen müsse. Egal, ich saß bei Denis am Tisch und damit ganz nah am Ofen, auch wenn das Feuer bereits im Begriff stand auszugehen. Und nun mein nächster Eklat, hätte ich nur etwas leiser gesprochen: Das Essen, das ich als Vegetarier nach der obligatorischen Suppe bekam, wollte ich nicht zu mir nehmen. Ich stehe weder auf undefinierbare Gemüsestreifen, noch auf künstlichen Kartoffelbrei und zwei abschreckend aussehende Käsescheiben, sorry. Also fragte ich zu laut danach, wer vielleicht mein Essen haben wollte (die Portionen waren eher klein), weil ich es nicht essen wolle. Dies brachte Maribel auf den Plan, die schimpfte, es sei vegetarisches Essen. Ich erwiderte, ich äße es aber nicht. Sie, das hätte ich ihr nicht mitgeteilt. Ich, ich könne ihr wohl kaum eine lange Liste der Dinge geben, die ich nicht essen würde. Ich hatte ja gar nichts anderes haben wollen, die Suppe war ausreichend (höchstens davon noch etwas mehr) gewesen, aber sie entzog mir den Teller, schimpfte und veranlaßte einen weiteren Teller Suppe. Wenn ich den ganzen Tag schon (unterschwellig) den Eindruck gehabt hatte, ich ginge ihr gehörig auf den Geist (demonstrativ von mir abgewandt und kein Wort in Spanisch mehr), so wurde das abends deutlich. Dumm gelaufen… – Nach dem Essen lernte ich ein neues Kartenspiel kennen und spielte wieder mit. Doch lange hielten wir das schnell abkühlende Zimmer nicht aus, schnappten und bezahlten unsere Schlafsäcke und verkrochen uns in ihnen, ich ganz tief! Lesen konnte ich dennoch noch. 😉










