{"id":7301,"date":"2019-01-31T20:29:00","date_gmt":"2019-01-31T20:29:00","guid":{"rendered":"https:\/\/travel.andrea-beyer.com\/?p=7301"},"modified":"2026-04-11T08:32:34","modified_gmt":"2026-04-11T08:32:34","slug":"monte-alban-etc-31-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/travel.andrea-beyer.com\/?p=7301","title":{"rendered":"Monte Alban etc. (31.1.)"},"content":{"rendered":"\n<p>Dieses Zimmer liegt ganz weit in einer Ecke im zweiten Stock und ist so angenehm ruhig (und warm genug). Ich schlief fantastisch und war recht fr\u00fch wach. Zum Fr\u00fchst\u00fcck gab es eine Pampelmuse und eine Art Croissant von gestern. Dann beschlo\u00df ich, mich vor der Tour noch um mein Busticket nach San Cristobal zu k\u00fcmmern. Oaxaca und das Hotel gefallen mir, also werde ich wirklich erst Sonntagabend Oaxaca verlassen, wie ich es geplant hatte. Nun ja, ich h\u00e4tte mir einiges Hin und Her mit der n\u00e4chsten Unterkunft ersparen k\u00f6nnen, aber was soll es, wird schon alles werden.<\/p>\n\n\n\n<p>So brach ich zum Hinterhof-Terminal auf und erwarb auch ziemlich schnell mein Ticket. Allerdings sagte mir der Verk\u00e4ufer, da\u00df der Bus an einem anderen Terminal abfahre. Soweit, so gut, das hatte ich verstanden. Aber wo? An dieser Erkl\u00e4rung w\u00e4ren wir beinahe nicht weitergekommen, doch eine nette Mexikanerin schaltete sich ein. Sie spreche Englisch, ob sie helfen k\u00f6nne. Ich erkl\u00e4rte ihr, ich h\u00e4tte alles verstanden, nur wisse ich nicht, wo der andere Bahnhof sei. W\u00e4hrenddessen schrieb es mir der Verk\u00e4ufer auf und sie bot mir an, mich dorthin zu f\u00fchren, da sie ohnehin ganz in die N\u00e4he davon m\u00fcsse. Ich nahm dankend an und wir liefen los, zun\u00e4chst einmal in Richtung Zocalo. Im Verlauf unseres durch die Innenstadteilens unterhielten wir uns. Sie (Esmeralda) war f\u00fcnf Jahre illegal in Kalifornien gewesen und hatte dort Englisch gelernt. Sie bedauert, nicht mehr dort sein zu k\u00f6nnen, zumal ihr Mann und ihr j\u00fcngerer Sohn noch dort sind. Sie mu\u00dften sich aufteilen, weil ihr Sohn Leuk\u00e4mie hat und nur dort eine entsprechende Behandlung erhalten konnte, w\u00e4hrend sie mit ihrem \u00e4lteren Sohn (geboren in den USA = Amerikaner) wieder zur\u00fcck nach Oaxaca gekommen ist, da ihre Schwester gestorben ist (und ich vermute mal, da\u00df es Eltern oder Angeh\u00f6rige gibt, die diesen Schritt notwendig machten). Sie h\u00e4lt nicht viel von der mexikanischen Regierung &#8211; das ist noch euphemistisch ausgedr\u00fcckt. W\u00f6rtlich meinte sie, dieses Land arbeite gegen seine Einwohner. Wenn sie k\u00f6nnte, w\u00fcrde sie auf jeden Fall wieder zur\u00fcck gehen, da sie dort mehr Geld verdienen k\u00f6nne in einem geringeren Arbeitspensum. Aber die Illegalit\u00e4t sei doch hart, fragte ich. Sie meinte, ja schon, vor allem weil man jedes Jahr den Arbeitsplatz wechseln m\u00fcsse, weil dann nach echten Papieren gefragt werde. Aber dennoch, sie h\u00e4tte es dort wundervoll gefunden (Arbeit in privaten Haushalten als Putzkraft und Babysitter). Nun versuche sie hier in Oaxaca, so oft wie m\u00f6glich Englisch zu sprechen, aber das sei unter Mexikanern nicht gern gesehen, weswegen sie Gefahr laufe, ihr Englisch zu vergessen. Es war ein sehr interessantes Gespr\u00e4ch, w\u00e4hrend wir durch die Stra\u00dfen eilten. Doch ein Blick auf die Uhr verriet mir, da\u00df ich mich nun sehr sputen mu\u00dfte, um rechtzeitig zum Treffpunkt der Tour am Zocalo zu kommen. Also verabschiedete ich mich von ihr, noch bevor wir das andere Terminal wirklich erreicht hatten (wir waren aber dicht dran). Ich rannte zur\u00fcck&#8230;<\/p>\n\n\n\n<p>Als ich am Zocalo auf die Minute p\u00fcnktlich erschien, stellte sich jedoch heraus, da\u00df die Zeitvorgabe wohl nur eine Sicherheitsvorgabe gewesen war, um Versp\u00e4tungen der lieben Touristen vorzubeugen. Ich schnaufte und schwitzte und das f\u00fcr umsonst! Ich hatte noch nicht einmal etwas zu essen dabei f\u00fcr die Tagestour. Nun ja, dem half ich noch ab, indem ich in eine Panaderia ging, weil ich ja doch noch Zeit hatte. Dann wurden wir in einen Minibus verfrachtet und zur zapotekischen Ausgrabungsst\u00e4tte Monte Alban kutschiert (20min). &#8211; W\u00f6rter verraten so viel, wenn man nur einmal \u00fcber sie nachdenken w\u00fcrde. Ich kannte Abbildungen von Monte Alban: weites Gel\u00e4nde. Was dachte ich also? Claro, flaches Land, naja in 1500m H\u00f6he, aber eben flach. Und was sagt uns der Name? Monte = Berg! Also liegt diese zapotekische St\u00e4tte keineswegs im flachen Land, sondern auf einem Berg, der zuerst von den Menschen in der damaligen Zeit abgetragen und abgeflacht wurde. Wie Macchu Pichu, Akropolis oder Burgen im Mittelalter, der Mensch liebt es offensichtlich, seine wichtigsten Bauten auf Bergen zu errichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Oben angekommen erwarteten uns wie immer die fliegenden H\u00e4ndler. Unser Guide besorgte die Tickets und f\u00fchrte uns hinein. Dann verwies er die englischsprechenden Teilnehmer auf einen anderen Guide, weil es zu lange dauern w\u00fcrde, immer alles in zwei Sprachen zu erkl\u00e4ren. Ich vermute mal, er wollte sich eben nicht die M\u00fche machen, weil ihm das Englische nicht so leicht viel und er wirklich gut Bescheid wu\u00dfte, was er aber auch Englisch nicht h\u00e4tte vermitteln k\u00f6nnen. Also trennten sich drei jungen Frauen von uns und ich z\u00f6gerte. Als die andere Gruppe dann endlich auch anfing, ging ich kurz zu ihr hin und h\u00f6rte, da\u00df hier zweisprachig und rasend schnell erkl\u00e4rt wurde, was mich irgendwann wuschig gemacht h\u00e4tte. Ergo wandte ich mich wieder meiner spanischen Gruppe zu und lauschte so zumindest gut intonierten und fundierten Erkl\u00e4rungen. Allerdings verstand ich nicht alles, was zu erwarten gewesen war, doch das Meiste. Einiges schien mir irgendwie nicht zu stimmen, doch letztlich wei\u00df ich \u00fcber die zapotekische Kultur auch nichts, au\u00dfer da\u00df es bis heute Zapoteken gibt, die eine eigene Schrift haben (in der Ausgrabung aufgrund der dreisprachigen Schilder gelernt). Nach genau einer Stunde F\u00fchrung brach der Guide pl\u00f6tzlich ab und gab uns eine weitere Stunde Zeit f\u00fcr freies Herumwandeln. Naja, Herzblut sieht anders aus, doch f\u00fcr den Preis der Tagestour (200 Pesos = unter 10 Euro) konnte ich auch nicht mehr erwarten. Die Ausgrabung und vor allem die Lage sind beeindruckend, so da\u00df ich evtl. noch einmal allein hinfahre, da ich in der kurzen freien Zeit nicht einmal alles anschauen, geschweige denn die Beschriftungen lesen konnte. Au\u00dferdem ist es hier wundervoll sonnig und ruhig, sieht man einmal von den vielen H\u00e4ndlern ab, die einem etwas verkaufen wollen. Aber wenn man freundlich ablehnt, lassen sie einen in Ruhe.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach diesem Highlight der Tour ging es weiter. Und nun offenbarte sich, da\u00df die Tour dem gleichen Rhythmus aller Touranbieter folgte und Verkaufselemente enthielt, \u00fcber die ich so nicht informiert worden war. Daraus folgte f\u00fcr mich, da\u00df ich keine weitere Tour mehr machen wollte. So wurden wir nun zu einer Werkstatt f\u00fcr Holzhandwerk kutschiert (Alebrijes), in der es vor allem darum ging, uns zu \u00fcberzeugen, etwas zu kaufen. Danach folgte ein &#8211; mir ebenfalls nicht angek\u00fcndigtes &#8211; Mittagessen. Hier konnte man sich f\u00fcr 150 Pesos (man vergleiche den Gesamtpreis 200 Pesos f\u00fcr die Tour) an einem mexikanischen Buffet durchfuttern. Schnell nacheinander trafen auch hier alle Minivans ein und es wurde voll. Ich verzichtete auf das Essen, weil ich niemals f\u00fcr 150 Pesos h\u00e4tte essen k\u00f6nnen und ich dieses Essen ohnehin nicht so mag. Es hat wenig mit dem zu tun, was man in Berlin bei einem Mexikaner erh\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p>Danach folgte nun noch ein kulturelles Erlebnis, weil wir die niemals fertiggestellte Basilika von Cuilapam besichtigten. Sie stammt aus der Zeit der Konquistadoren &#8211; Hernan Cortez und sein Sohn Martin wollten sie erbauen lassen. Doch aufgrund politischer Querelen mit der spanischen Krone durfte sie nicht fertiggestellt werden, weswegen bis heute nur ein Rohbau steht. Lange Zeit blieb auch hier nicht und schon ging es weiter zum Barro Negro, in dem es eine Vorf\u00fchrung zur Arbeit an einem typischen schwarzen Stein der Region gab. Dieser folgte ich nicht, sondern unterhielt mich lieber mit Jan (Freelancer aus Berlin). Wir hatten uns schon bei der Free Walking Tour in Mexiko City getroffen, sp\u00e4ter noch einmal in T-kan und nun hier wieder. Doch erst bei diesem letzten Stop sprach er mich an &#8211; ist ja nicht so meine starke Seite, dies selbst zu tun. So unterhielten wir uns \u00fcber Mexiko, unsere Touren und wo wir bisher schon waren etc. Wenn es pa\u00dft, wollen wir uns evtl. am Sonntagnachmittag noch einmal treffen und dann Reiseerfahrungen austauschen. Nach diesem letzten Stop ging es zur\u00fcck in die Stadt. Ich war von der Sonne und dem ganzen Tag angenehm m\u00fcde. Im Prinzip war die Tour nicht verkehrt, da ich so etwas aus der Stadt herausgekommen war und mehr vom Land und den Leuten sehen konnte. Dennoch ist diese Form der Tour nicht mein Ding, also werde ich in Oaxaca bleiben und ggf. nur den Shuttleservice zur Ausgrabungsst\u00e4tte in Anspruch nehmen. Am liebsten w\u00fcrde ich ja mal in den umliegenden Bergen wandern gehen, aber dies ist ohne Tour (sehr teuer) und ohne Auto eher nicht machbar. Au\u00dferdem gibt es genug in Oaxaca zu sehen, auch wenn ich sicherlich nicht alle Museen abklappern werde. Ach so, abends war ich \u00fcbrigens im einheimischen Markt essen. Es gab Tlayuda con frijol, quaeso y kohl. F\u00fcr 50 Pesos (etwas \u00fcber 2 Euro) bekam ich eine Riesenportion, die ich nur schaffte, weil ich irgendwann den K\u00e4se abpfl\u00fcckte (der ist eh nicht mein Ding). Dann schlich ich ersch\u00f6pft zum Hotel und ignorierte das lebhafte Treiben auf den Stra\u00dfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses Zimmer liegt ganz weit in einer Ecke im zweiten Stock und ist so angenehm ruhig (und warm genug). Ich schlief fantastisch und war recht fr\u00fch wach. Zum Fr\u00fchst\u00fcck gab es eine Pampelmuse und eine Art Croissant von gestern. 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